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11.01.2002

16:07 Uhr

Ferienflieger sieht in Berufung positives Signal

Rewe-Manager Marbach wird LTU-"Copilot"

Ein Jahr nach der Zerschlagung der LTU-Touristikgruppe in Ferienflieger und Reiseveranstalter rücken beide Teile jetzt wieder enger zusammen. Deutschlands drittgrößter Touristikanbieter Rewe teilte am Freitag in Köln mit, dass sie die Geschäftsführung der LTU-Airline mit dem Touristikexperten Jürgen Marbach (43) verstärkt.

dpa/rtr KÖLN/DÜSSELDORF. Auf diese Weise sollen die Reiseveranstalter der Rewe-Gruppe (ITS Reisen, Jahn Reisen, Tjaereborg, Dertour, Meiers Weltreisen, ADAC-Reisen) noch enger mit der Ferienfluggesellschaft LTU verzahnt werden. Auch der Verkauf der Flugtickets über den Rewe-Vertrieb (Atlas, DER, Derpart) soll verbessert werden. Rewe hält seit der Übernahme der früheren LTU-Reisesparte (Tjaereborg, Jahn Reisen) auch 40 % an der gleichnamigen Ferienfluggesellschaft. Die Airline war 2001 durch die Krise der Swissair in starke Turbulenzen geraten.

Marbach werde nach einem Beschluss des LTU-Aufsichtsrates vom Donnerstag sofort in die LTU-Geschäftsführung eintreten und für Marketing sowie Vertrieb verantwortlich sein, teilte die Fluggesellschaft weiter mit. LTU-Chef Sten Daugaard (44) leite weiterhin alle anderen Geschäfts- und Stabsbereiche. Marbach, der bei Rewe weiterhin für den touristischen Einkauf zuständig ist, gilt als Wunschpartner von Daugaard. Der 43jährige Rewe-Manager war bereits zwischen 1993 und 1998 bei der LTU tätig: zuerst in den Bereichen Passagierservice und Kabine, ab 1995 dann als Geschäftsführer der LTU-Tochter Tjaereborg.

"Es geht um eine nachhaltige Sanierung der LTU"

Deutschlands zweitgrößter Ferienflieger LTU bekommt damit einen Co-Piloten. Seit Frühjahr 2001 leitet Daugaard die LTU-Airline allein. "Für uns ist das ein positives Signal", sagte Unternehmenssprecher Marco Dadomo in Düsseldorf. Ziel sei, die Basisauslastung der LTU-Airline durch die Rewe-Reiseveranstalter auf 60 % zur kommenden Wintersaison 2002/2003 zu erhöhen. Derzeit füllten die Rewe-Reiseveranstalter die LTU-Flieger zu mehr als 40 %. Die übrigen Sitzplätze würden über andere Reisekonzerne und im Einzelverkauf angeboten. Größter Kunde neben der Rewe-Gruppe sei TUI.

"Es geht uns um eine nachhaltige Sanierung der LTU", betonte der Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck. Der Einzelhandelskonzern hatte Anfang 2001 die LTU-Reiseveranstalter übernommen. Gleichzeitig beteiligte sich Rewe zu 40 % an der LTU-Airline. Die völlige Übernahme des Ferienfliegers lehnte Rewe mehrfach ab.

Die Kölner beteiligten sich aber mit Finanzspritzen an der Rettung der LTU-Airline, der im Herbst im Sog der Swissair-Krise der wirtschaftliche Absturz drohte. Ein möglicher Konkurs war im Dezember vor allem durch eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalens nach mehreren Krisensitzungen mit Banken und der Rewe-Führung abgewendet worden. LTU standen nach den auch von der EU-Kommission genehmigten Hilfen damit Kredite in Höhe von 120 Mill. Euro zur Verfügung, an denen Rewe sich mit 20 Mill. Euro beteiligt hatte. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist 2003/2004 vorgesehen.

LTU leidet unter Passagierschwund

Die Swissair war mit 49,9 % Hauptanteilseigner der LTU - Airline und sollte Verluste ausgleichen. Dieses Anteilspaket wird jetzt von einer Treuhandgesellschaft bis zum Einstieg eines Investors verwaltet.

Die LTU hat im vergangenen Jahr erheblich an Passagieren verloren. Nach Angaben der Branchenstatistik des Fachmagazins "fvw International" ging die Zahl der Fluggäste um 15 % auf rund drei Millionen zurück. Damit wurde das Düsseldorfer Flugunternehmen von der Preussag-Tochter Hapag Lloyd Flug auf Rang drei verdrängt.

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