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21.01.2003

08:16 Uhr

Fernsehmarkt China öffnet sich

Eurosport darf in China senden

VonPetra Schäfer (Handelsblatt)

Der Sportsender Eurosport darf sein Nachrichtenprogramm in chinesischen Hotels ausstrahlen. Er ist der erste europäische Privatsender, der sich jetzt um die Ausstrahlung im TV-Kabel bewirbt. Analysten bescheinigen langfristig gute Wachstumschancen.

DÜSSELDORF. China ist einer der letzten großen Träume der Medienbranche. Für den Sportsender Eurosport wird er jetzt Realität. Das Tochterunternehmen der französischen Sendergruppe TF1 hat nach eigenen Angaben für 5 000 chinesische Hotels eine Sendelizenz erhalten und darf dort als erster europäischer Privatsender den digitalen Sportnachrichtenkanal Eurosportnews ausstrahlen. Damit könne der Sportkanal täglich bis zu 1,6 Mill. Zuschauer erreichen. Der zweite Sender in der Eurosport-Familie zeigt, ähnlich wie ein klassischer Nachrichtensender, Zusammenfassungen und Ergebnisse von Sportveranstaltungen, aber keine Live-Übertragungen. Eurosport hält gemeinsam mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF die Senderechte für die Olympiade 2008 in Peking. China wolle Eurosport als Vermarktungspartner nutzen, sagte Eurosport-Generaldirektor Jean-Pierre Paoli.

"Das ist ein riesengroßer Erfolg für uns", freut sich Paoli. Schon jetzt gewinne der Sender rund 30 % (25 Mill. Euro) der Werbeumsätze aus seinem Engagement in Asien. Eurosport und Eurosportnews haben 2002 rund 260 Mill. Euro umgesetzt. Bei den Werbeeinnahmen verzeichnete Eurosport keine Einbrüche, allerdings gingen die Gebühreneinnahmen aus dem europäischen Bezahl-TV-Angebot zurück. In Deutschland erreichte Eurosport im Kabel und per Satellit einen Zuschauermarktanteil von 0,9 %.

China ist mit mehr als 1,3 Mrd. Einwohnern ein anerkannter Wachstumsmarkt für Medienkonzerne. Allerdings vollzieht sich die Öffnung für ausländische Medieninvestoren nur langsam. Die Lizenz für Hotelfernsehen gilt als üblicher Test, bevor Lizenzen für das chinesische Fernsehkabelnetz vergeben werden. Auch ein Ableger von Star TV, einem Tochterunternehmen von Rupert Murdochs News Corp., hat jetzt in China zunächst nur die Lizenz zur Verbreitung in Hotels und internationalen Wohngebieten erhalten. Bereits seit März vergangenen Jahres durfte die Star-TV-Tochter in der chinesischen Provinz Guangdong bei Hongkong senden. "Auch wir sind jetzt in Verhandlungen für eine TV-Lizenz im chinesischen Kabelnetz", betont Paoli.

Das Fernsehangebot nationaler Sender in China ist unübersichtlich: Laut Branchenschätzungen gibt es rund 2 000 nationale Sender, allerdings außer den staatlichen Sendern wie BBC und TV5 kaum ausländische Anbieter. "Der Markt ist sehr verschlossen, was genaue Daten angeht", klagt ein Medienanalyst. Dennoch setzt die internationale Medien- und Werbebranche auf den Wachstumsmarkt China. Viele internationale Werbeagenturen sind bereits in China aktiv, weil die großen Konsumgüterhersteller wie Procter & Gamble dort Fuß fassen wollen. Internationalen Fernsehsendern werden deshalb hohe Wachstumsraten bei den Werbeeinnahmen in China prognostiziert. Der Ex-Vorstandschef des Medienkonzerns Bertelsmann, Thomas Middelhoff, hatte vor zwei Jahren Kooperationsgespräche mit dem chinesischen Sender "Sun TV" geführt. Allerdings ist bislang kein privater deutscher TV-Anbieter auf dem chinesischen Markt aktiv.

Aus Sicht von Merrill Lynch-Medienanalyst Thomas Deitz ist der Schritt von Eurosport nach China "positiv", weil der Markt ein hohes Potenzial berge. "Allerdings wird sich das Engagement in China nicht sofort auf die Umsätze niederschlagen", so Deitz. Auch Paoli rechnet in den kommenden zwei bis drei Jahren in China lediglich mit Umsätzen in Höhe von 1 bis 2 Mill. $ aus den Gebühreneinnahmen der Hotels. Das entspreche den Investitionen in das Angebot. Deitz rechnet trotz des Markteintritts in China nicht damit, dass Eurosport die gleiche Marge wie der Muttersender TF1 erwirtschafte. Die Gewinnmarge bei TF1 liegt bei 20 %, Eurosport erwirtschaftete 2002 dagegen nur eine Marge von 9 %. Die Übertragung von regionalen Sportarten in verschiedenen Sprachen drücke das Ergebnis des Sportsenders.

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