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22.03.2004

08:18 Uhr

Ferrari-Pilot gewinnt nach einem perfekten Rennen auch den Großen Preis von Malaysia

Schumacher schwungvoll und fehlerlos

VonKarin Sturm (Handelsblatt)

Niki Lauda hatte eine Hand in der Hosentasche. Das hatte etwas Beruhigendes. Es identifizierte ihn. Es war also wirklich Lauda, der da sprach. Lauda, der Abgeklärte, der Nüchterne. Aber wenn Lauda selber, der dreimalige Formel-1-Weltmeister, der sonst so spröde wie Salzstangen sein kann, so redet, dann ist das wie ein Adelsschlag.

SEPANG. "41 Rennen hat Ferrari jetzt ohne technischen Defekt durchgestanden. Das ist unglaublich. Ich glaube, das ist Weltrekord", sagte Lauda nach dem Großen Preis von Malaysia. Lauda hob die Stimme dabei, um seine Mundwinkel zuckte es, man durfte das mit einigem Optimismus als bewunderndes Lächeln interpretieren. Der emotionale Minimalist Lauda hatte sich gerade verbal tief vor Ferrari verneigt und natürlich vor Michael Schumacher, dem sechsmaligen Weltmeister.

Und wenn schon Lauda so redet, dann konnte sich jeder vorstellen, was in Malaysia los war, wo Michael Schumacher wieder gewonnen hatte. Sein zweiter Sieg in dieser Saison. Die Ferrari-Anhänger tanzten auf den Tribünen, sie feierten den Superstar, und auf dem Siegespodest dirigierte Schumacher schwungvoll die italienische Hymne. Schumacher kann sich immer noch ausgelassen freuen über einen Sieg, obwohl er gestern zum 72. Mal Erster geworden ist. Darin liegt auch sein Erfolgsgeheimnis. Er fühlt sich nicht satt, er spult nicht sein Programm runter wie ein Schlagersänger, der seinen größten Hit zum tausendsten Mal von sich gibt, Schumacher lebt die Formel 1, auch nach dem sechsten WM-Titel. Er redet noch genauso intensiv mit seinen Ingenieuren und Mechanikern wie am ersten Tag bei Ferrari. Er geht jede Kleinigkeit durch, trainiert seine Fitness wie ein junger Zehnkämpfer, immer auf der Suche nach dem Optimum. Und immer im Wissen, dass er es nie erreichen wird. Aber er kann ihm näher kommen, jeden Tag, in jeder Runde, bei jedem Testkilometer. Das treibt ihn an. Diese Gewissheit, immer noch etwas Neues, Besseres herauszufinden. Und dass ihn viele in diesem Antrieb nicht verstehen, das verärgert ihn, wenn er einen schlechten Tag hat, und lässt ihn milde lächeln, wenn er einen guten hat. Wie soll ein Perfektionist seine Welt erklären?

Und Schumacher findet immer einen Grund, weshalb der jeweilige Sieg besonders wichtig war. Am Sonntag zum Beispiel erklärte er: "Ich hatte wirklich ein paar Bedenken vor dem Start. Wir hatten ja zuletzt Probleme hier." 2003 hatte Schumacher nur Platz sechs belegt.

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