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02.10.2014

16:09 Uhr

+++ Liveticker EZB +++

EZB will Banken entlasten

Mario Draghi kündigt den Ankauf von fragwürdigen Papieren an, um die Banken zu entlasten. Dafür will er notfalls eine Billion Euro in die Hand nehmen. Hans-Werner Sinn fordert die Bundesregierung zum Einschreiten auf.

Mario Draghi, Präsident der EZB, gibt Details zum Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen und Pfandbriefe bekannt. ap

Mario Draghi, Präsident der EZB, gibt Details zum Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen und Pfandbriefe bekannt.

+++ Sinn: Bundesregierung muss gegen EZB vorgehen +++

Hans-Werner Sinn fordert die Bundesregierung zu einem aktiven Einschreiten gegen den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) auf. „Auch wenn die EZB nicht müde wird, das Gegenteil zu behaupten: Sie betreibt eine fiskalische Rettungspolitik, zu der sie durch die EU-Verträge explizit hätte befugt werden müssen“, sagte der Ifo-Chef. Es sei offenkundig, dass die EZB damit ihr Mandat überschreite. „Die Bundesregierung ist verpflichtet, aktiv dagegen vorzugehen“, forderte Sinn. „Und wenn sie es nicht tut, kann sie jeder Bürger vor dem Bundesverfassungsgericht verklagen, es zu tun.“

+++ Eine Billion für Wertpapier-Käufe +++

Die EZB will für ihr neues Wertpapier-Ankaufprogramm bis zu eine Billion Euro in die Hand nehmen.

+++ Börse reagiert enttäuscht +++

Anleger an den europäischen Aktienmärkten reagierten enttäuscht auf die Rede von Draghi. Der Dax drehte während der Pressekonferenz ins Minus und fiel um bis zu ein Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief von 9283 Punkten. Der Euro stieg um 0,2 Prozent auf 1,2653 Dollar. Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley erklärte, die angekündigten Käufe seien Mikro-Maßnahmen, die nicht auf eine Belebung der Kreditvergabe zielten, sondern die Rettung von Banken, die den Stresstest verfehlt hätten.

Am Aktienmarkt gerieten vor allem einige Bankenwerte unter Druck: der EuroStoxx-Banken-Index verlor in der Spitze drei Prozent. Zu den größten Verlierern zählten italienische und spanische Banken wie die Banco Populare und die spanische BK Popular mit Abschlägen von bis zu fünf Prozent. Commerzbank rutschten mit einem Abschlag von 3,4 Prozent ans Dax-Ende. Deutsche Bank verloren zwei Prozent.

Ökonomen zur EZB-Entscheidung

Hans-Werner Sinn, Ifo-Präsident

"Die EZB wird damit vollends zu einer Bail-out-Behörde und einer Bad Bank Europas. Die EZB will offenbar auch Schrott kaufen und erhöht auf diese Weise die Belastung für die Steuerzahler, wenn es Ausfälle gibt, denn sie müssen für die reduzierten Gewinnausschüttungen der EZB aufkommen. Diese Käufe sind nicht gedeckt durch das Mandat der EZB, denn es handelt sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme, zur Unterstützung der Finanzsysteme nahezu bankrotter Länder."

Holger Sandte, Nordea

"Heute hat die EZB nicht überrascht. Sie zielt nicht darauf ab, ihre Bilanz sehr schnell auszuweiten, was ohne Staatsanleihekäufe nicht funktionieren würde. Die Wahrscheinlichkeit für Staatsanleihekäufe hat sich heute nicht erhöht, aber sie bleiben eine Möglichkeit, wenn Konjunktur und Teuerungsrate weiter absacken und die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht zünden. Die EZB setzt auch auf einen schwächeren Euro."

Ralf Umlauf, Helaba

"Die EZB versucht mit den zusätzlichen Maßnahmen, vor allem die Kreditvergabe zu stimulieren, denn das Zinsinstrument ist ausgereizt und zeigt bislang nur mäßige Wirkung. Gelänge es der EZB, die Kreditvergabe zu stützen, würde einer Phase zu geringer Inflation ebenso entgegengewirkt wie der Konjunkturschwäche. Insbesondere messen wir in diesem Zusammenhang dem Banken-Stresstest der EZB eine hohe Bedeutung zu, denn dieser könnte im Vorfeld für Zurückhaltung bei der Vergabe von Krediten geführt haben."

Jan Holthusen, DZ Bank

"Vom Ankaufprogramm für Covered Bonds, das noch Mitte des Monats starten soll, erwarten wir nicht allzuviel - nach unseren Beobachtungen dürfte es schwierig sein, Verkäufer für größere Volumina zu finden. Mit dem Passus im Kommunique, dass im EZB-Rat weiterhin Einigkeit darüber bestehe, zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen, wenn diese notwendig werden sollten, wird die Fantasie auf ein größer angelegtes Kaufprogramm von Staatsanleihen aufrechterhalten. Mehr war heute nicht zu erwarten."

Thomas Gitzel, VP Bank

"Die Währungshüter müssen wohl im kommenden Jahr mit weiteren Massnahmen nachlegen. In Anbetracht der sich abkühlenden Konjunktur in Deutschland könnte Draghi schon bald mit einer schärferen Rhetorik reagieren. Da bei der heutigen Notenbanksitzung Überraschungen ausblieben, ist vorerst mit keiner weiteren signifikanten Euro-Schwäche zu rechnen."

+++ EZB will nicht Schwarzer Peter sein +++

Draghi wird gefragt, ob er verstehen kann, dass der Unmut in der europäischen Bevölkerung groß ist. „Wir haben Verständnis für die Proteste der Menschen“, antwortet Draghi. „Aber die EZB ist nicht schuld an der Situation. Die EZB als Schwarzen Peter zu sehen - das sollte man korrigieren.“

+++ Euro muss bleiben +++

„Der Euro kann nicht abgewickelt werden“, sagt Draghi auf die Frage eines Journalisten.

Kommentare (15)

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Frau Dr. Max Motte

02.10.2014, 14:11 Uhr

Niedrige Zinsen?

Alle bisherigen Massnahmen sind verpufft.
Die Lage um das "Schuldgeldsystem" muss sehr bedrohlich sein.

Wenn die niedrigen Zinsen ebenfalls nicht helfen, wovon auszugehen ist, was kommt dann?

Ein großer Krieg?

Ein großer Krieg wäre eine Lösung um das Wirtschaftswachstum zu beleben.

Und einen Schuldigen dafür gibt es in den westlichen Bankstermedien auch schon: Putin/Russland!

Warum stehen alle Nationen eigentlich unter Wachstumszwang?

Der Grund liegt im verzinsten Schuldgeldsystem der internationalen Bankster!

Das 1x1 des Schuldgeldsystem:

Geld entsteht nur über Kredit!

Geld=Schuld

Bsp. Sie gehen zu einem Bankster und bekommen einen Kredit über 1000 Euro/Dollar.
Somit wurden eben 1000 Euro/Dollar ( -1% Mindestreserve ) aus dem NICHTS geschaffen.

Jeder Euro/Dollar der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss +Zinsen an die internationalen Bankster zurückgezahlt werden!

Bankster verleihen ihr aus der Luft geschaffenes Luftgeld aber nur gegen "Sicherheiten"!

Wenn wir nicht mehr produzieren, gibt es für die int. Bankster keine neuen Pfandobjekte und damit kein neues Geld!

Verstehen Sie jetzt warum alle Nationen unter Wachstumszwang stehen?

Achtung: Kriege schaffen Wachstum! ( Absatz von Rüstungsgütern )
Das wissen auch die internationalen Bankster und ihre Marionettenregierungen weltweit!

Sollten wir uns nicht lieber fragen, ob es nicht an der Zeit ist, ein neues Geldsystem einzuführen?

Weg vom Geldmonopol der Bankster?

Ein Geldsystem ohne Zwang zu immer mehr Wachstum?

Oder die Erdlinge können sich bald ein neues Zuhause suchen, nachdem sie ihren eigenen Planeten zerstört haben!

Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Systemmedien nichts über das Geldmonopol bzw. Schuldgeldsystem der internationalen Bankster?

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

Frau Dr. Max Motte

02.10.2014, 14:14 Uhr

Die Zinsen können systembedingt nicht mehr steigen!

Warum?

Weil es kaum noch neue Schuldner gibt die die Zinsen zahlen können!

Geld entsteht nur über Kredit!

Geld = Schuld

Jeder Euro/Dollar/Yen der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss plus Zinsen an die internationalen Bankster zurückgezahlt werden!!
( Privatbanken bzw. deren Eigentümer haben das Geldmonopol! )

Erst kürzlich meldete die Allianz, dass das weltweite Geldvermögen auf Rekordhöhe von 111 Bio. Euro gestiegen sei - trotz der Schuldenkrise, hieß es dann oft in Kommentaren. Dabei ist dies gar kein Gegensatz, sondern eher eine logische Konsequenz. Zu dieser Seite der Medaille hat die Allianz aber nichts gesagt: Wenn das Geldvermögen wächst, was wir alle wünschen, müssen auch die Schulden wachsen.

Unserem Geldvermögen auf der einen Seite müssen zwangsläufig ebenso hohe Schulden gegenüberstehen.

Wieviele Menschen, Unternehmen, Staaten müssen sich bei 111 Bio. Euro weltweitem Geldvermögen verschulden um die Zinsen aufzubringen?

Ein Grundübel des aktuellen Schuldgeldsystem ist das vorherrschende System des Zinses-Zins.

Anders als bei natürlichen System die linear wachsen, besteht das Zinses-Zins-System aus dem exponentiellen Wachstum der Schulden.

Am Ende dieses Systems muss der Zusammenbruch stehen, weil die Schuldner für die exponentiell angewachsenen Schulden nicht mehr aufkommen können. Damit wird auch das derzeitiges Schuldgeldsystem über kurz oder lang zusammenbrechen.

Es gibt alternative Geldsystem ohne Zinsen und Zwang zu immer mehr Wachstum.

Das Problem dabei dürfte allerdings weniger sein, dass dieses nicht funktioniert, sondern dass die bisher vom Zinssystem profitierenden Kreise ( Bankster ) eine solche Lösung nicht wünschen.

Warum erfahren wir in den Bankstermedien nie etwas über das Schuldgeldsystem der internationalen Bankster?

Herr Fritz Yoski

02.10.2014, 14:36 Uhr

"... die Wirtschaft ankurbelt"
Seit ueber 5 Jahren wird ununterbrochen angekurbelt ohne das sich die Situation irgendwie verbessert, im Gegenteil. Wenn das Medikament keine Wirkung zeigt kann es natuerlich nur an der Dosierung liegen. Darauf das das falsche Medikament verabreicht wird kommt kein Bankster/Politiker.

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