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23.12.2013

13:43 Uhr

100 Jahre Fed

Retter, Gestalter, Hassobjekt

An diesem Montag wird die Federal Reserve 100 Jahre alt. Sie ist die mächtigste Notenbank der Welt, für die weltgrößte Volkswirtschaft USA ist sie unentbehrlich. Doch viele in Amerika würden sie am liebsten abschaffen.

Gebäude der Federal Reserve in Washington: „Ohne Regeln, ohne irgendeine Verantwortung“. ap

Gebäude der Federal Reserve in Washington: „Ohne Regeln, ohne irgendeine Verantwortung“.

WashingtonAls US-Präsident Woodrow Wilson am 23. Dezember 1913 das Notenbanksystem Federal Reserve (Fed) ins Leben rief, waren schon zwei ähnliche Versuche gescheitert. 1791 gründete der Kongress die „First Bank“ (Erste Bank) der Vereinigten Staaten. Doch die Einrichtung einer Zentralbank war so kontrovers, dass sich im Kabinett des ersten Präsidenten George Washington deswegen politische Fronten bildeten. So hatten die Amerikaner plötzlich nicht nur eine Notenbank, sondern auch das Zwei-Parteien-System.

Das umstrittene Experiment war schon nach 20 Jahren beendet, wurde aber 1816 noch einmal wiederholt, um eine unhaltbare Inflation einzudämmen. Doch die „Second Bank“ schaffte es nicht einmal zwei Jahrzehnte. Präsident Andrew Jackson wollte sie nicht mehr, hielt sie für elitär: „Wenn Gesetze es schaffen, die Reichen reicher zu machen und die Mächtigen mächtiger, dann haben die bescheidenen Mitglieder der Gesellschaft - die Bauern, Mechaniker und Arbeiter - ein Recht, sich über die Ungerechtigkeit ihre Staates zu beschweren“, meinte er.

Die Geschichte der Federal Reserve

1791-1811

Der US-Kongress richtet mit der First Bank of the United States eine zentrale Bank ein. Ihr Hauptsitz ist Philadelphia. Ihr 20-jähriger Konzessionsvertrag läuft aus, ohne verlängert zu werden.

1816-1836

Die Second Bank of the United States wird als weiterer Versuch einer Zentralbank gegründet. Auch deren Charta läuft nach 20 Jahren aus, die Bank löst sich unter politischer Kontroverse langsam auf.

1836-1863

Ära des „Free Banking“: Banken existieren nur auf Ebene der Bundesstaaten. Sie tauschen Geld gegen Hartwährung wie Gold oder Silber ein.

1863-1913

Der „National Banking Act“ ermöglicht die Gründung Tausender landesweiter Banken, welche die von der US-Regierung gedruckte Währung ausgeben.

1907

Börsenspekulationen in New York treten einen landesweiten Ansturm auf die Banken los. Angesichts der Finanzpanik erweist es sich als Problem, dass die USA der einzige größere Staat ohne Zentralbank sind.

1912

Die Nationale Geldkommission empfiehlt Reformen für das Banken- und Währungssystem.

23. Dezember 1913

US-Präsident Woodrow Wilson unterschreibt den Federal Reserve Act. Damit wird ein Zentralbanken-System eingerichtet, zu dem zwölf regionale Banken gehören. Sie sollen unter anderem den Einfluss der Wall Street auf die Finanzen abschwächen.

1933-1942

In der Talsohle der Großen Depression werden einige Gesetzesänderungen eingeführt, darunter die Einrichtung des Offenmarktausschusses, der die Geldpolitik der Fed steuert.

1951

Ein Abkommen von US-Finanzministerium und Fed stellt die Rollenverteilung zwischen beiden klar: Die Fed fungiert als unabhängige Kontrollinstanz über die Geldpolitik, während das Finanzministerium für die Staatsfinanzen zuständig ist.

1971

Der US-Kongress verabschiedet eine Reihe von Reformen, die der Fed ein Doppelmandat auferlegen: Damit ist sie für stabile Preise zuständig, aber auch dafür, für größtmögliche Beschäftigung am Arbeitsmarkt zu sorgen.

1979-87

Fed-Chef Paul Volcker bekämpft die galoppierende „Stagflation“ – eine gefährliche Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und Inflation – mit Zinserhöhungen und schürt damit die Rezession 1982-83. Dafür bleiben die Preise in den darauffolgenden Jahren relativ stabil.

1987-2006

Fed-Chef Alan Greenspan führt die Praxis ein, nach Sitzungen Auskunft über die Notenbank-Politik zu geben. Seine Worte werden an der Wall Street auf mögliche Hinweise auf künftige Zinshöhen genau analysiert. Greenspan, am Ende dienstältester Fed-Chef, manövriert seine Bank, die Nation und die Weltwirtschaft 1987 durch den Börsen-Crash und 1997-98 durch die asiatische Finanzkrise.

Nach 2008

In der schlimmsten Finanzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg gerät Greenspan in die Kritik. Er habe die Zinsen nach dem 11. September 2001 zu lange zu niedrig gehalten und damit die Preisblase am Immobilienmarkt begünstigt, deren Platzen die Krise auslöste. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe die Risikobereitschaft der Banken angesichts fauler Hypothekenkredite nicht genug im Blick gehabt.

31. Januar 2013

Fed-Präsident Ben Bernanke stemmt sich mit ultralockerer Geldpolitik gegen schwächelnde Konjunktur und anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. Der Leitzins bleibt – wie seit Dezember 2008 – nahe Null. Zudem wird angekündigt, Monat für Monat Anleihen im Volumen von 85 Milliarden US-Dollar aufzukaufen. Ende Dezember verkündet Bernanke den allmählichen Einstieg in den Ausstieg aus diesem Programm.

1. Februar 2014

Sofern vom US-Senat bestätigt, wird die bisherige Vize-Chefin Janet Yellen zur Fed-Präsidentin ernannt und damit nach 14 männlichen Vorgängern die erste Frau im Amt.

Versuch Nummer drei, die Fed von heute, muss wahrscheinlich nicht mehr um ihre Existenz bangen. Sie gilt als mächtigste Notenbank auf dem Globus, ist unentbehrlich für die weltgrößte Volkswirtschaft und kann auf einige Erfolge in ihrem hundertjährigen Bestehen zurückblicken. Sie musste die Wirtschaft des Landes durch die Große Depression steuern, durch Kriege und rund ein Dutzend Rezessionen. Weitgehend unabhängig von der Politik kontrolliert und reguliert sie die Banken und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe. Ihre Hauptziele: Eine möglichst hohe Beschäftigung und stabile Preise.

Sieben Mitglieder des Gouverneurrates, ernannt vom US-Präsidenten für 14 Jahre, sowie die Leiter zwölf örtlicher Notenbanken haben mit ihrer Geldpolitik das Wohl und Wehe der US-Konjunktur in der Hand. Doch das Gesicht der Fed ist ihr Vorsitzender. Namen wie Paul Volcker (1979 - 1987), Alan Greenspan (1987 - 2006) und Ben Bernanke (seit 2006) sind nicht nur Wirtschaftskennern ein Begriff. Sie alle hatten mit ihren eigenen Krisen zu kämpfen und über ihre Leistungen streiten Wissenschaftler und Historiker leidenschaftlich. Anfang 2014 soll mit Janet Yellen erstmals eine Frau den Posten übernehmen.

Kommentare (2)

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PeterF

23.12.2013, 14:32 Uhr

[...] Diese Geldruckmaschine läßt die Masse der US-Bürger durch Hyperinflation von Sachwerten immer mehr verarmen. Die Real-Estate Preise in USA (wie bei uns auch) haben inzwischen wieder das Vorkrisenniveau erreicht und überschritten. Demonstration gegen die Wallstreet werden aufs brutalste niedergeknüppelt aber der demokratische Zeigerfinger wird gegen die Ukraine und Putins Rußland erhoben. Was Demokratie ist bestimmt die Wallstreet mit ihrem Vollstrecker FED.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Badener

23.12.2013, 16:43 Uhr

Sinn und Zweck aller Zentralbanken ist eizig und allein, den Regierungen ihre Schuldenorgien zu ermöglichen.
Die Untertanen sollen ja glauben, dass ihre Regierung einen Nutzen hat.
Deshalb verteilt diese mehr Wohltaten, als sie sich leisten kann, d.h. sie macht Schulden. Das ist in allen demokratischen Ländern so, in anderen vielleicht auch.
Da man aber nicht unendlich Schulden machen kann, weil der Zins bald ins unermessliche steigen würde, braucht man eine Institution, die das notwendige Geld fortlaufend liefert. Das ist die Zentralbank. Die Folge davon ist, dass wir alle zwanzig Jahre etwa eine Verdoppelung des Preisniveaus erleiden. Die offiziellen Inflationsstatistiken sind gefälscht.So hat der Dollar seit es die FED gibt etwa 97% seines Werte verloren.

END THE FED!

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