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15.04.2016

15:55 Uhr

500-Euro-Schein

EZB will sich im Mai entscheiden

Insider haben neue Details zum Umgang der EZB mit dem 500-Euro-Schein verraten. Die Bank wolle den Geldschein langsam aus dem Verkehr ziehen. Der EZB-Rat könnte bereits im Mai die Entscheidung fällen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich zuletzt für eine Abschaffung des Fünfhunderters starkgemacht. AP

500-Euro-Schein

EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich zuletzt für eine Abschaffung des Fünfhunderters starkgemacht.

FrankfurtBei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden möglicherweise bald die Weichen für eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins gestellt. Mehreren Insidern zufolge ist derzeit vorgesehen, darüber auf einer der nächsten Ratssitzungen der Notenbank zu entscheiden - vielleicht schon im Mai. Der Banknoten-Ausschuss (Banco) der EZB arbeitete zuletzt an der Ausarbeitung von konkreten Plänen für einen solchen Schritt. Das Vorhaben ist allerdings umstritten: Die Bundesbank etwa ist gegen das Aus für den 500-Euro-Schein. Die EZB lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

„Einer der Pläne sieht vor, den Neudruck der Scheine ab 2018 zu beenden”, sagte einer der Insider. Danach solle die Banknote langsam aus dem Verkehr gezogen werden, ohne dass es ein Enddatum für den Umtausch in kleinere Scheine gebe. Dieser Weg würde der Vorgehensweise der Bundesbank bei der Einführung des Euro-Bargelds 2002 ähneln. Denn immer noch können D-Mark-Scheine bei Bundesbank-Zweigstellen in Euro umgetauscht werden.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich zuletzt für eine Abschaffung des Fünfhunderters starkgemacht. Dem Italiener zufolge wird der Schein immer mehr als Instrument für kriminelle Aktivitäten gesehen. „Solange es einen glaubhaften Verdacht gibt, dass der 500-Euro-Schein für illegale Aktivitäten genutzt wird, hat die EZB eine moralische Verpflichtung zu handeln”, so einer der Insider zu Reuters. Der 500-Euro-Schein gehört weltweit zu den Banknoten mit dem höchsten Wert. In den USA reicht die Skala nur bis 100 Dollar.

In der EU wird seit längerem darüber diskutiert, wie Geldwäsche und Terrorfinanzierung besser bekämpft werden können. Die jüngsten Anschläge in Paris und in Brüssel haben die Debatte noch einmal verstärkt. Die europäische Polizeibehörde Europol hatte 2015 empfohlen, zu prüfen, ob die Ausgabe von Banknoten, „die so eng mit Kriminalität verknüpft sind”, weiterhin sinnvoll sei. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich unlängst offen dafür gezeigt, den Fünfhunderter abzuschaffen.

Zahlungsverkehr: Bundesbank lehnt Abschaffung des 500-Euro-Scheins ab

Zahlungsverkehr

Bundesbank lehnt Abschaffung des 500-Euro-Scheins ab

Die Bundesbank sieht keine Notwendigkeit, an der derzeitigen Stückelung der Euro-Banknoten etwas zu ändern. Auch die Einführung von Bargeldobergrenzen lehnt Bundesbank-Vorstand Ludwig Thiele ab - die Argumente seien nicht stichhaltig.

Nach einer Untersuchung der EZB von 2011 haben 56 Prozent der Bürger in der Währungsunion noch nie einen 500er gesehen. Kritiker wenden allerdings ein, dass die Abschaffung Sparer dazu zwingen würde, Teile ihres Bargeldvermögens bei Banken zu parken und dies zu einer Zeit ultra-niedriger Zinsen auf Konten und Bankguthaben. In einigen Euro-Ländern gibt es zudem die Sorge um die Stabilität mancher Institute.

Die Bundesbank sieht keine Notwendigkeit, an der derzeitigen Stückelung der Euro-Geldscheine etwas zu ändern. Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele hält das Argument, mit dem 500er-Aus würden Geldwäsche und Schwarzarbeit zurückgedrängt, für nicht Stichhaltig. Kriminelle könnten etwa auf die Cyber-Währung Bitcoin oder auf große Scheine anderer Währungen ausweichen. Zudem dürfe nicht der Eindruck entstehen, mit der Abschaffung würde der Bevölkerung nach und nach das Bargeld entzogen. Das würde einem Verlust von Freiheit gleichkommen.

Von

rtr

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