Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2011

08:57 Uhr

Adam Fergusson

„Wir gießen immer neues Öl ins Feuer“

VonIngo Narat

Der bekannte Inflationshistoriker Adam Fergusson erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, warum er an Notenbankern und Politikern zweifelt, die die europäische Schuldenkrise mit neuen Schuldenprogrammen angehen.

Adam Fergusson. Pressefoto

Adam Fergusson.

FrankfurtHerr Fergusson, welche Vermutungen über den weiteren Fortgang der Schuldenkrise lässt der Blick in die Geschichte zu?

Adam Fergusson: Die Geschichte lehrt uns: Alle Regierungen wollen irgendwann von ihren Schulden nichts mehr wissen. Sie entwerten sie über Inflation. Sogar die D-Mark, die viele Menschen heute als Stabilitätshort ansehen, hat seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts 90 Prozent ihrer Kaufkraft verloren. Dazu reicht eine Inflation von zwei oder drei Prozent jährlich. Wenn man es so und damit etwas sarkastisch betrachtet, muss man doch sagen: Alle Schulden werden zurückgezahlt.

Sollten wir vom Ansatz „Schulden bekämpfen durch noch mehr Schulden“ abgehen?

Unbedingt, das sollten wir. Bisher bekämpfen wir das Feuer, indem wir Öl hinein gießen. Man will mit Zwischenlösungen Zeit kaufen, heißt es oft. Aber Zeit wofür? Als Bürger könnte ich mich wehren. Inflation ist schließlich nichts weiter als eine Steuer, die mich als Bürger belastet. Das hat John Maynard Keynes zum ersten Mal vor fast einem Jahrhundert so beschrieben. In den Weimarer Zeiten der Hyper-Inflation ist die Geldentwertung schnell außer Kontrolle geraten.

Gibt es eine Alternative zu diesem Weg in die Transferunion?

Langfristig ist der Weg in die Fiskalunion der einzige Weg, wenn die Eurozone erhalten werden soll. Wahrscheinlich braucht man dazu einen neuen Vertrag. Mit den geltenden Grundlagen ist das nicht möglich. Aber ein neuer Vertrag benötigt angesichts der Lage zu viel Zeit. Das starke Deutschland hat hier zwei Wünsche: stabiles Geld und Europa zusammenhalten. Doch der erste Punkt scheint ein Problem zu sein.

Wie bewerten Sie die Rolle der EZB als Monetisierer der Staatsschulden?

Es ist gegen die Verträge. Die Menschen haben schon das Vertrauen in Politiker, Banker und Staaten verloren. Jetzt beginnen sie vielleicht auch das Vertrauen in ihr Geld zu verlieren. Wenn die EZB Staatsanleihen aufkauft, dann senkt sie damit den Druck in diesen Ländern, ihre Wirtschaft durch die Finanzen zu reformieren. Griechenland und Spanien beispielsweise wären nicht unter Druck, wenn die EZB keine Bonds der Länder kaufen würde. Die Gefahr ist einfach: Die Länder werden entlastet und machen einfach so weiter wie bisher.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

16.12.2011, 10:58 Uhr

Ein toller Kommentar, dem vielleicht nur noch eines zuzufügen wäre. In den letzten 20 Jahren hat sich die Weltverschuldung von 18 Bio. $ auf über 96 Bio. $ vervierfacht. Parallel dazu haben die Bankster Papierschnipsel in Höhe von 600 Bio. $ aus ihren Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. In den letzten 3 Jahren hat sich die Bilanzsumme der BoE und der Fed verdreifacht, die der EZB verdoppelt.

Von einer kontrollierten Inflation sind wir weiter entfernt als der Mond. Was uns erwartet ist eine Ketchup-Inflation in Verbindung mit einer Depression, eine Situation, die wir bisher noch nicht hatten.
Nur ein Reset im Finanzsystem und einem Trennbankensystem ermöglicht den westl. Ind.staaten einen Neuanfang, bei dem nicht jegliche wirtschaftliche Erholung durch den gigantischen Schuldenberg bereits im Keim erstickt wird. Ein Jahrzehntelanges Siechtum könnte damit auf ein paar Jahre reduziert werden.

Mehr dazu: http://siggi40.de/geld-ii/
http://siggi40.de/app/download/5779322861/Handelsblatt_ab_01_12_2010.html
http://siggi40.de/app/download/5779361055/Handelsblatt_ab_01_12_2011.html

donolli

16.12.2011, 11:30 Uhr

Ich bin kein Freund von Makroökonomischen Modelle und alle Modelle haben bisher versagt, da sie vom Ansatz her unvollständig sind. Ein vielversprechender neuer Ansatz ist von Ken Rogoff eine Variante des Montearismus.

Kernaussage:

Das Wachstum einer Wirtschaft und die Preisstabilität wird nicht nur über die Geldmenge und Ihrer Umlaufgeschwindigkeit, sondern über die Steuerung der kreditvolumen und insbesondere der Kreditverwendung durch die Zentralbanken gesteuert. Kredite an Unternehmen die Produktionskapital schaffen sind zu favorisieren, hingegen Kredite an Finanzinvestoren sind qualitativ schlecht und sollten unrentabel gemacht werden, da sie nur Spekulationsblasen schaffen! Das erfodert eine Erweiterung der Aufgabenfunktion der Zentralbanken die über Pflichtmeldungen der Banken erfahren wie deren Liquditätsschaffung verwendet wird und mit unterschiedlichen Mindestreservesätze und Zinssätze bedacht wird. Damit würde man das Übel an der Wurzel packen und der spekulativen Kreditvergabe unattraktiv gestalten.
Die Banken werden aufschreien, denn damit werden sie zu ihren wirklichen volkswirt. Aufgabe gezwungen und reduziert.
In der Konsequenz wird der Beruf banker wieder untatraktiv und unser wertvolles human-capital orientiert sich wieder in produduktive Berufe!

Man würde viel Fliegen mit einer Klappe schlagen!

donolli

16.12.2011, 11:30 Uhr

Ich bin kein Freund von Makroökonomischen Modelle und alle Modelle haben bisher versagt, da sie vom Ansatz her unvollständig sind. Ein vielversprechender neuer Ansatz ist von Ken Rogoff eine Variante des Montearismus.

Kernaussage:

Das Wachstum einer Wirtschaft und die Preisstabilität wird nicht nur über die Geldmenge und Ihrer Umlaufgeschwindigkeit, sondern über die Steuerung der kreditvolumen und insbesondere der Kreditverwendung durch die Zentralbanken gesteuert. Kredite an Unternehmen die Produktionskapital schaffen sind zu favorisieren, hingegen Kredite an Finanzinvestoren sind qualitativ schlecht und sollten unrentabel gemacht werden, da sie nur Spekulationsblasen schaffen! Das erfodert eine Erweiterung der Aufgabenfunktion der Zentralbanken die über Pflichtmeldungen der Banken erfahren wie deren Liquditätsschaffung verwendet wird und mit unterschiedlichen Mindestreservesätze und Zinssätze bedacht wird. Damit würde man das Übel an der Wurzel packen und der spekulativen Kreditvergabe unattraktiv gestalten.
Die Banken werden aufschreien, denn damit werden sie zu ihren wirklichen volkswirt. Aufgabe gezwungen und reduziert.
In der Konsequenz wird der Beruf banker wieder untatraktiv und unser wertvolles human-capital orientiert sich wieder in produduktive Berufe!

Man würde viel Fliegen mit einer Klappe schlagen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×