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30.01.2007

07:07 Uhr

Aktie unter der Lupe

Wasserkraft aus Chile

VonAnne Grüttner

Bisher scheinbar unberührt von dem Tauziehen zwischen Natural Gas und Eon um die Übernahme der spanischen Endesa entwickelt sich Endesas Ableger Enersis in Lateinamerika. Die Marge des Energie-Versorgers Enersis wächst mit steigenden Strompreisen.

SANTIAGO. Gute Bedingungen in den Wasserkraftwerken, aus dem der Stromerzeugerarm von Enersis, Endesa Chile, sowie steigende Stromtarife in Chile und Argentinien kommen der Gruppe zugute. Die an der chilenischen Börse sowie als Hinterlegungsschein (ADR) in New York notierte Aktie wird entsprechend auch von Banken wie Santander, Citigroup oder der chilenischen Celfin Capital empfohlen. Die Analysten von Santander erwarten für Enersis ein beachtliches Gewinnwachstum von 21,4 Prozent für 2006 gegenüber 2005, sowie 13 Prozent für 2007. Dem Kurs der ADR geben die Santander-Experten ein Ziel von 17,30 Dollar. Derzeit notiert sie bei rund 15,7 Dollar.

Enersis ist nach dem brasilianischen Konkurrenten Eletrobrás nach Umsatz das zweitgrößte integrierte Elektrizitätsunternehmen in Südamerika und ist in der Erzeugung, Übertragung sowie in der Verteilung von Strom tätig. Das Unternehmen ging 1988 nach der vollständigen Privatisierung und Umstrukturierung des chilenischen Elektrizitätssektors aus der „Compania Chilena Metropolitana de Distribucion Electrica“ hervor. In den 90er-Jahren kaufte Enersis Versorgungsunternehmen in anderen Ländern der Region dazu und expandierte in die Stromerzeugung. 1999 erwarb die spanische Endesa mit insgesamt 65,11 Prozent der Anteile die Kontrollmehrheit von Enersis.

Kernstück der Enersis-Gruppe ist der Stromerzeuger Endesa Chile, heute mit einer installierten Kapazität von 11 726 Megawatt (MW) und Operationen in Chile, Argentinien, Kolumbien, Peru und Brasilien einer der größten regionalen Player in Lateinamerika und ebenfalls als ADR in New York notiert. Endesa Chile holt etwa drei Viertel seines Stroms aus Wasserkraft und profitiert von den derzeit guten Bedingungen in chilenischen Wasserkraftwerken, gepaart mit einer zunehmender Erdgasknappheit in Chile und Argentinien, was steigende Stromtarifen zur Folge hat.

Die hohe Abhängigkeit von Wasserkraft birgt zwar gewisse Risiken, weil diese Art von Stromerzeugung vom Regenfall abhängt. Derzeit sind die Wasserreservoirs jedoch voll und die Aussichten zumindest für das laufende Jahr sehr gut. Chile hängt insgesamt noch immer stark von Erdgas aus Argentinien ab, doch das Nachbarland hat Energieprobleme und ist ein unzuverlässiger Lieferant geworden.

Dies bedeutet, dass chilenische Stromerzeuger mit anderen Energiequellen weniger effizient und somit teurer produzieren müssen. Experten rechnen entsprechend mit einer Erhöhung der chilenischen Stromtarife in diesem Jahr. Endesa Chile ist wegen seiner hohen Stromgeneration aus Wasserkraft der einzige Stromerzeuger, der von dieser Entwicklung profitiert und will diesen Vorteil weiter ausbauen. Das Unternehmen wird im Rahmen eines Joint Ventures fünf neue Wasserkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 2355 MW bauen, die 2012 in Betrieb gehen sollen. Weitere Wasser- und Wärmekraft-Projekte mit einer Kapazität von 1112 MW sind in der Planungsphase.

Positiv für Enersis ist auch die kürzlich effektiv gewordene 15prozentige Erhöhung der Stromtarife in Argentinien. Davon profitiert der Stromverteiler Edesur, an dem Enersis eine Kontrollmehrheit besitzt. Auch die Enersis-Verteiler-Töchter in Kolumbien und Peru erzielen gute Ergebnisse. Ein Risiko stellt dagegen die brasilianische Verteiler-Tochter Coelce dar, denn die Erträge der Stromverteiler überschreiten derzeit die von der Aufsichtsbehörde zugelassenen Höchstwerte. Entsprechend sind in diesem Jahr Tarifsenkungen zu erwarten.

Der größte Unsicherheitsfaktor für Enersis ist indes die Frage der Übernahme des spanischen Mutterhauses Endesa. Sollte Eon den Zuschlag bekommen, könnte der deutsche Konzern die lateinamerikanische Ableger verkaufen. Das bringt Unsicherheit: „Der Streit um die Kontrolle von Endesa könnte die Kurse von Endesa Chile und Enersis stärker schwanken lassen“, warnt Santander.

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