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06.05.2015

12:33 Uhr

Aktien, Anleihen, Fonds und ETFs statt strukturierter Produkte

„Finanzprodukte liefern keine zusätzlichen Erträge“

VonJessica Schwarzer

Die Finanzbranche ähnelt oft einer Unterhaltungsindustrie, findet Andreas Beck. Bunte Prospekte, große Versprechen, aber am Ende schaut der Anleger in die Röhre. Der Finanzexperte über sinnvolle und sinnlose Produkte.

Viele Finanzprodukte sind schlicht zu kompliziert und bringen keinen Mehrwert. Getty Images

Viele Finanzprodukte sind schlicht zu kompliziert und bringen keinen Mehrwert.

Woher die Rendite kommt, ist für Andreas Beck ganz klar: aus der Realwirtschaft. Der Chef des Instituts für Vermögensaufbau ist überzeugt, das komplizierte Finanzprodukte Anlegern keinen Mehrwert liefern - im Gegenteil. Aktiv oder passiv, also börsengehandelter Indexfonds (ETF) oder aktiv gemanagter Fonds, ist für ihn nicht die entscheidende Frage. Kritisch sieht er aber, dass Fondsmanager ihre eigenen Leistungsversprechen oft nicht erfüllen. Gerade in schwachen Börsenzeiten werden ihnen diese Versprechen zum Verhängnis. Ein Gespräch über sinnvolle und weniger sinnvolle Produkte.

Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA).

Andreas Beck

Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA).

Herr Beck, warum ist Geldanlage so kompliziert?
Geldanlage erscheint kompliziert, weil es inzwischen völlig unübersichtlich viele Anlageprodukte und Wertpapiere gibt. Es gibt eigentlich nur etwa 15.000 liquide Aktien weltweit. Aber 150.000 Aktienfonds und Millionen strukturierte Produkte rund um die Kursentwicklung dieser Aktien. Dieser Wildwuchs basiert meines Erachtens nach auf einem Missverständnis. Anleger glauben, Anlageprodukte würden Renditen generieren. Aber das ist falsch. Renditen entstehen nur in der Realwirtschaft, zum Beispiel über Gewinne der 15.000 Aktien. Die ganzen Produkte, die auf diesen Aktien basieren, liefern absolut gesprochen keine zusätzlichen Erträge, sondern sind ein Nullsummenspiel.

Sollte uns die mögliche Rendite etwa nicht interessieren?
Natürlich ist das interessant. Aber der Blickwinkel ist trotzdem falsch. Der einzige Sinn und Zweck des Kapitalmarktes ist es, die Realwirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Jemand sucht Kapital, sucht Investoren. Ohne diese Nachfrage gibt es keine Wertpapiere. Eine Bäckerei möchte ihre Produktion erweitern, ein Industrieunternehmen neue Maschinen kaufen. Beide brauchen Geld und gehen an den Kapitalmarkt. Dabei möchten sie die Kosten natürlich so gering wie möglich halten. Sie nehmen entweder Eigenkapital über neue Aktien auf oder Fremdkapital in Form von Anleihen. Der Anleihekupon soll also möglichst niedrig sein, die Aktie möglichst hoch bewertet.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Diese Gedanken machen sich wohl die wenigsten Anleger…
Leider nicht. Aber jeder, der schon mal eine Hypothek für den Hauskauf gesucht hat, kennt das. Man holt Angebote ein, vergleicht Laufzeiten und Konditionen, um seine Kapitalkosten so gering wie möglich zu halten. Für das, was der künftige Hausbesitzer im Wohnzimmer macht, haben große Firmen ganze Abteilungen. Ihre Aufgabe ist es, die Kapitalkosten so gering wie möglich zu halten. Niemand zahlt freiwillig fünf Prozent Zinsen, wenn er Kapital auch für drei Prozent aufnehmen kann.

Und wann kommt die Bank ins Spiel?
Die Realwirtschaft will wachsen und braucht dazu Kapital. Das besorgt sie sich vereinfacht gesprochen über Anleihen oder Aktien. Die Banken orchestrieren diesen Geldfluss, unter anderem indem sie zum Beispiel Kredite verbriefen, oder viele Aktien in einem Fonds verpacken, sodass auch Kleinanleger breit gestreut investieren können. Dabei entstehen manchmal sinnvolle Anlageprodukte und manchmal sinnlose. Die eigentliche Renditequelle bleibt aber immer die Realwirtschaft.

Warum sind Anlageprodukte oft so komplex?
Der Finanzmarkt tendiert dazu, immer noch mehr, noch kompliziertere Produkte zu kreieren. Dem Anleger muss klar sein, dass die Realwirtschaft die einzige echte Renditequelle ist. Es geht also darum, das Geld möglichst sinnvoll und breit gestreut in die Wirtschaft zu investieren. Wie kann es dort ankommen, wenn es in mehrfach verschachtelten Produkten steckt, an denen 17 Leute Geld verdienen.

Kommentare (6)

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Juan Garcias

06.05.2015, 12:56 Uhr

Alleine 3mal die Frage "ob es denn keine guten aktiven Fonds gibt" und ja zum Glück für den Interviewer hat er dann gesagt, dass es diese durchaus gibt. Muss Herr Beck doch auch wissen, denn er hat ja Jahre lang die Partnerfonds des Sponsors des Depot-Checks (n-tv, Capital etc.) in die optimierten Portfolios gebracht. Gut, da waren ETFs noch nicht so populär und wahrscheinlich war er jung und brauchte das Geld.

Heute vermarktet er seinen Dach-ETF und bekommt hier eine kostenfreie Bühne dafür. Das ist schön, dass es in der Finanzwelt noch so familiär und kuschelig zugeht.

Fazit des Artikels: ETFs sind das geringere Übel, aber in ihrer aktuellen Konstruktionsweise auch nicht die ultimative Lösung.

Herr Tom Bauer

06.05.2015, 13:08 Uhr

Die Verwaltungen der Fonds kosten meist zwischen 1,5 %. Beim Dachfonds dann für die Fondsverwaltungd er Verwaltung eben noch einen Schnaps mehr.

Fazit: Ggf. prüfen wegen Direktanlage in ausgewählte "eigene" Titel. Wer dann nicht schlechter als 2% (pro Jahr wohlgemerkt) im Vergleich zu ausgewählten Indizes liegt hat alles richtig gemacht.
Und machst auch noch Spaß sein eigener Fondsmanager zu sein.

Account gelöscht!

06.05.2015, 13:09 Uhr

Herr Preungesheim,

dem ist so. Kurz vorm letzten Crash 2008 hatte ich mir von der Werbung im N-tv einen sog. kostenlosen Depotcheck mit mittlerer Risikoneigung machen. Allerdings waren die empfehlende Fonds für meine RisIkoneigung teils nicht geeignet, die auch heute noch im Minus stehen. Ich habe es auf jeden Fall alleine besser hinbekommen als von den empfohlenen Vermögensverwalter des n-tv.

Das dürfte hier nicht anders sein. Man hat auch hier eine Tür gefunden, sich an dem unwissenden deutschen Michel zu bereichern, der ausser Bausparverträge, Lebensversicherubgen, Risterrente und Tagesgeld offenbar nix anders kennt.

Die Vermögensberater hatten damals und auch gegenwärtig Jahr für Jahr eine kostenenfreie Bühne über n-tv.

It's the same!

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