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17.06.2011

14:51 Uhr

Aktien, Anleihen, Immobilien

Anleger erwartet ein heißer Sommer

Der Sommer wird ungemütlich: Anleger müssen sich in den nächsten Monaten auf starke Kursschwankungen einstellen. Doch die Lage ist nicht aussichtslos. So bringen Sie das Geld in Sicherheit.

Händler an der Frankfurter Börse. Quelle: dapd

Händler an der Frankfurter Börse.

Frankfurt/DüsseldorfEine der Weisheiten unter den Börsianern lautet: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Hätten sich Anleger nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 daran gehalten, sie hätten bis heute satte Gewinne eingefahren. Der Deutsche Aktienindex etwa hat seitdem um fast drei Viertel zugelegt. Und selbst in Zeiten von Griechenland-Krise & Co. schien der Spruch weiter Gültigkeit zu haben. Die Kurse am deutschen Aktienmarkt stiegen weiter.

Bis Anfang Mai sah es so aus, als könnten überraschend gute Unternehmenszahlen und ständig nach oben korrigierte Konjunkturprognosen die großen Probleme der Welt in den Hintergrund treten lassen: die Schuldenkrise in Euro-Land, hohe Verbindlichkeiten in den USA und Japan, den hohen Ölpreis, steigende Inflationsraten und die Abhängigkeit der Weltkonjunktur von den Schwellenländern in Asien und Südamerika. Auf über 7500 Punkte kletterte der Dax. Doch dann fiel er und machte gestern zwischenzeitlich erst knapp über der Marke von 7 000 Punkten halt.

Die wichtigsten Kennzahlen für Anleger

Der Gewinn

Die wohl bekannteste und beliebteste Bewertungskennziffer für Anleger ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Verhältnis von Aktienkurs zu Unternehmensgewinnen. Als Faustregel gilt: Je niedriger das KGV umso besser. Aber Vorsicht: Es gibt kaum eine Größe, bei der die Unternehmen besser tricksen können als beim Gewinn. Schauen Sie nicht nur auf die Gewinne eines einzigen Jahres. Ein gutes Unternehmen sollte über viele Jahre bewiesen haben, dass es profitabel arbeitet. Ein einziger Ausreißer nach oben ist noch lange kein Qualitätssiegel. Außerdem kommt es darauf an, welcher Gewinn gemeint ist. Im Folgenden stellen wir verschiedene Gewinn-Kennziffern vor.

EBIT

EBIT steht für "Earnings before interest and taxes". In den USA wird die Kennzahl EBIT als Operating Income bezeichnet. Dieses operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird gewöhnlich für die Beurteilung der Ertragssituation des Unternehmens, insbesondere im internationalen Vergleich herangezogen. Jedoch ist das EBIT nicht nur das reine Ergebnis vor Zinsen und Steuern, wie es weitläufig bezeichnet wird, sondern genauer gesagt das operative Ergebnis vor dem Finanz- und damit Beteiligungsergebnis, was je nach Unternehmen großen Einfluss auf den Gewinn vor Steuern haben kann. Das EBIT kann alternativ auch berechnet werden, indem von Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen werden.

EBITDA

Das EBITDA steht für "Earnings before interest, taxes, depreciation und amortization" aus dem Englischen. Dieses Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Wirtschaftsgütern hat Cash-Flow-Charakter, da die liquiditätsunwirksamen Abschreibungen ähnlich wie bei der indirekten Cash-Flow-Berechnung zum Jahresüberschuss hinzu addiert werden. Das EBITDA wird häufig für junge, wachstumsstarke Unternehmen oder Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Abschreibungsbedarf als Kennzahl verwendet, die gegebenenfalls negative Jahresüberschüsse erwirtschaften. Das EBITDA lässt sich auch berechnen, indem von den Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen und Abschreibungen addiert werden.

Der Cash-Flow

Der Cash-Flow ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um die Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen. Der Cash-Flow aus dem operativen Geschäft zeigt das Saldo aus Mittelzufluss und -abfluss an, lässt also Rückschlüsse auf frei verfügbare Mittel eines Unternehmens zu. Im Gegensatz zu den verschiedenen Gewinnkennziffern lässt sich der Cash Flow kaum durch Bilanztricks schön rechnen. Er eignet sich besonders gut, um Unternehmen innerhalb einer Branche zu vergleichen. Nachteil: Der Cash Flow schwankt stark. Vergleiche über mehrere Jahre sind schwierig. Ein niedriges Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) deutet darauf hin, dass der Kurs im Vergleich zum Cash-Flow günstig ist.

Die Marktkapitalisierung

Für manch konservativen Anleger ist Größe entscheidend. Je höher die Marktkapitalisierung, also der aktuelle Börsenwert eines Unternehmens, umso geringer die Kursschwankungen. Soweit die Theorie. Zwar schwankt der Aktienkurs großer Konzerne im langfristigen Durchschnitt weniger stark als der von kleineren Unternehmen. Eine Garantie gegen Kursverluste ist das aber nicht. Während der Finanzkrise verloren auch so hochkapitalisierte Dax-Aktien wie Eon oder Siemens kräftig an Wert. Aber die Kurschancen nach oben sind wesentlich kleiner als bei den Kleinen.

Der Umsatz

Eine von Anlegern meist vernachlässigte Größe ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens in Beziehung zu den Umsätzen. Dabei liefert das KUV sehr verlässliche Hinweise darauf, ob eine Aktie möglicherweise interessant sein könnte - oder nicht. Denn anders als der Gewinn lassen sich die Umsätze nicht so leicht manipulieren. Wie bei den anderen Verhältnis-Kennziffern gilt auch beim KUV: Je niedriger der Wert desto besser. Besonders wichtig ist diese Zahl bei sehr jungen Unternehmen, die noch keine oder nur sehr geringe Gewinne erwirtschaften.

Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ergibt sich aus dem Verhältnis aus der Dividende und dem aktuellen Aktienkurs. Gerade in unsicheren Zeiten gibt die Kennziffer aber einen recht guten Hinweis auf die Qualität einer Aktie. Allgemein gilt: Je höher die Dividendenrendite, desto rentabler ist eine Aktie. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Dividendenrendite vor allem im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie etwa Anleihen. Bei einigen Aktien liegt die Dividendenrendite sogar höher als die Rendite für Anleihen desselben Unternehmens. Aber: Während der Zins bei Anleihen fest ist, kann die Höhe der Dividenden schwanken.

Der Buchwert

Eine wichtige Größe, um zu erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse günstig bewertet ist oder nicht, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Dabei werden die Vermögenswerte eines Unternehmens in Relation zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Das KBV spielt für Value-Investoren wie Warren Buffett eine große Rolle. Sie glauben, dass der Buchwert den "wahren" Wert eines Unternehmens widerspiegelt. Wird ein Unternehmen an der Börse unter seinem Buchwert gehandelt, schließt der Value-Investor darauf, dass der Markt den eigentlichen Wert unterschätzt. Die grobe Regel lautet: Je niedriger das KBV, desto größer das Kurspotenzial - vorausgesetzt, dem Unternehmen drohen in absehbarer Zukunft keine heftigen Abschreibungen oder gar die Pleite.

Das Eigenkapital

Wichtig ist es für Anleger zu wissen, wie rentabel das Eigenkapital eines Unternehmens arbeitet. Die Eigenkapitalrendite berechnet sich aus dem Verhältnis des Gewinns zum Eigenkapital. Je höher der Wert desto besser. Allerdings gibt es - wie beim KGV - auch hier ein definitorisches Problem. Welcher Gewinn ist gemeint, was wird als Eigenkapital gezählt? Je nach Rechnungslegung kann es so zu großen Unterschieden kommen.

Beta

Das Beta misst die Schwankungsintensität (Volatilität) einer Aktie im Vergleich zu einem Index während eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit. Je höher das Beta eines Unternehmens ist, desto höher ist folglich die Volatilität und damit das Risiko für den Investor. Ziel der Investor Relations ist es unter anderem, dieses Beta durch zeitnahe und ausführliche Kommunikation möglichst gering zu halten. Das Beta wiederum hat wichtige Bedeutung für die Berechnung der Eigenkapitalkosten oder Optionsscheinprämien. Denn je höher die Kapitalkosten eines Unternehmens sind, desto niedriger ist nach dem DCF-Modell der Unternehmenswert.

Die Gesamtlage sei so fragil, dass Schocks derzeit nicht abgefedert werden könnten, erläutert der Asien-Chairman von Morgan Stanley, Stephen Roach, die Lage. Die Aktien europäischer Banken sackten gestern auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren ab, weil Anleger fürchten, dass die griechische Schuldenkrise auch andere Länder erfassen und die Banken noch stärker belasten könnte.

Der Euro gab zum Schweizer Franken deutlich nach, weil Anleger fürchten, dass die anhaltende Schuldenkrise die Nachfrage nach in Euro notierten Wertpapieren dämpfen wird. „Es ist ein Frühwarnzeichen“, sagte der Leiter des Devisenmanagements bei Investec Asset Management, Thanos Papasavvas.

Für Deutschland sind viele Experten weniger skeptisch, raten aber auch hier in den kommenden Monaten zur Vorsicht. Die starken Kursschwankungen könnten sich den ganzen Sommer über fortsetzen. „In den nächsten Wochen dürften die Wogen an den internationalen Aktienmärkten weiter hochschlagen und für eine volatile Kursentwicklung sorgen“, sagt Thomas Grüner, Chefstratege bei der Landesbank Berlin. Für Anleger heißt das zunächst: Geld parken und zurückhaltend agieren.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

17.06.2011, 15:00 Uhr

Was bringt mir sicheres Geld, wenn es immer schneller an Kaufkraft verliert?

Account gelöscht!

17.06.2011, 15:31 Uhr

Selbst welches drucken!

aruba

17.06.2011, 15:34 Uhr

Guten Tag,.... Lieber Gott steh mir bei;.... Ich habe die Hosen gestrichen voll. Wenn Ich recht verstehe kann alles den Bach runter gehen. ( oder auch nicht ). Experten ? Chefoekonomen ? Strategen ? Minister ? Professoren ? was um alles in der Welt wollen diese Idioten uns beibringen. Es gelingt ihnen nicht mal die eigene Kasse in Ordnung zu halten. Ich kaufe mir ein Sparschwein. Besten Dank

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