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25.07.2014

11:11 Uhr

Aktien, Anleihen, Immobilien

Wer hat Angst vor der Zinswende?

VonJörg Hackhausen

Seit Jahren befinden sich die Finanzmärkte im Ausnahmezustand. Jetzt deutet sich erstmals eine Wende an: Die US-Notenbank bereitet die Märkte auf steigende Zinsen vor. Wir erklären, was das für Anleger bedeutet.

Die US-Notenbank sucht den Ausweg aus der Politik des billigen Geldes - doch eine Rückkehr zur Normalität ist noch weit entfernt. Getty Images

Die US-Notenbank sucht den Ausweg aus der Politik des billigen Geldes - doch eine Rückkehr zur Normalität ist noch weit entfernt.

DüsseldorfDie Notenbanken haben die Zinsen auf null gesenkt und die Welt mit billigem Geld überflutet. Nur so haben sie den ganz großen Zusammenbruch, der in der Finanzkrise drohte, verhindert – auf Kosten unvorhersehbarer Nebenwirkungen. „Je länger diese Tiefzinsphase anhält, desto mehr werden sich auch die Schuldner an das billige Geld gewöhnen, und umso schmerzhafter wird der Weg zurück zur Normalität“, sagt Philipp Vorndran, Anlagestratege bei Flossbach von Storch. Er rechnet nicht mit einem raschen Ende der Nullzinsen, sagt aber auch: „Den hieraus erwachsenden Herausforderungen muss sich jeder Investor stellen. Nicht wenige werden die falschen Schlüsse ziehen.“

Auch wenn eine Rückkehr zur Normalität weit entfernt scheint – immerhin deutet sich jetzt erstmals eine Wende an: Auf ihrer jüngsten Sitzung hat die US-Notenbank Federal Reserve beschlossen, dass sie den Ausstieg aus dem größten Geldexperiment aller Zeiten wagen will. Es soll künftig keine weiteren Geldspritzen geben. Die milliardenschweren Anleihekäufe, mit denen man Wirtschaft und Märkte jahrelang gestützt hatte, sollen im Oktober auslaufen. Im kommenden Jahr könnten dann auch die Zinsen wieder steigen.

Geldanlage: So sparen die Deutschen

Platz 10

Festverzinsliche Wertpapiere: 8 Prozent
Bei den Geldanlagen der Deutschen gibt 2014 laut einer TNS-Umfrage deutliche Unterschiede zum Vorjahr. Mehr als 2000 Bürger über 14 Jahren nahmen an der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts zum Sparverhalten der Deutschen teil.
Quelle: Verband der privaten Bausparkassen

Platz 9

Aktien: 14 Prozent

Patz 8

Investmentfonds: 20 Prozent

Platz 7

Riester-Rente: 22 Prozent

Platz 6

Immobilien: 25 Prozent

Platz 5

Kurzfristige Geldanlagen: 32 Prozent

Platz 4

Renten- und Kapital-LV: 35 Prozent

Platz 3

Sparen auf Girokonto: 37 Prozent

Platz 2

Bausparvertrag: 37 Prozent

Platz 1

Sparbuch und Spareinlagen: 51 Prozent

Die beliebteste Geldanlage ist mit 51 Prozent zwar immer noch das Sparbuch. Es verzeichnete im Vergleich zu 2013 jedoch einen Rückgang um vier Prozentpunkte.

Manche Experten erwarten, dass schon Anfang des kommenden Jahres etwas passiert, andere etwas später. „Mit einer Zinswende ist spätestens bis Mitte nächstes Jahres in den USA zu rechnen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Fed eine Leitzinserhöhung wagen, da sich die Wirtschaftsdaten sich stetig verbessern“, sagt Andrew Bosomworth, Chefstratege für die Fondsgesellschaft Pimco in Deutschland.

Entscheidend wird sein, wie stark und wie schnell die Fed die Geldpolitik strafft. Die Währungshüter haben aus der Vergangenheit gelernt. Als der frühere Fed-Chef Ben Bernanke im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Abkehr von der laxen Geldpolitik andeutete, sorgten seine Äußerungen für Panik an den Märkten. Weltweit rutschten die Börsen ab. Die Unruhe hielt über Wochen an. Bernanke ist seit diesem Jahr nicht mehr im Amt. Seine Nachfolgerin, Janet Yellen, wird vorsichtiger vorgehen, vor allem ihren Zeitplan genauer kommunizieren – damit Investoren die Chance haben, sich auf die neue Zeit einzustellen.

„Wir glauben die reale Fed Rate, also nach nach Abzug der Inflation, eher bei Nullprozent liegen wird als bei den historischen ein bis Prozent“, sagt Bosomworth. Zinswende ist dafür wahrscheinlich ein zu großes Wort, denn eine Anhebung der Zinsen dürfte es nur in homöopathischen Dosen geben. Trotzdem könnte schon das weitreichende Folgen haben.

Auf den folgenden Seiten stellen wir mögliche Folgen für die wichtigsten Anlageklassen vor: Währungen, Anleihen, Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Cash.

Kommentare (11)

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Herr Josef Schmidt

25.07.2014, 11:35 Uhr

Es wird keine Zinswende geben sonst werden alle insolvent und die Börsen crashen über Nacht.

Unglaublich welche Schauergeschichten unterbreitet werden.

Herr Fritz Yoski

25.07.2014, 11:38 Uhr

Papperlapapp " Im kommenden Jahr könnten dann auch die Zinsen wieder steigen. "
Wenn es dann soweit ist machen die garantiert wieder einen Rueckzieher. Hoehere Zinsen geht bei diesen immensen Schuldenbergen naemlich gar nicht mehr. Egal ob Griechenland, Japan, USA oder Italien. Wenn die Zinsen steigen ist das Spiel aus.

Herr Ferdinand Loeffler

25.07.2014, 11:48 Uhr

Ist ja kein Wunder, dass der "Normalbürger" vollkommen verunsichert ist: Mal ist die niedrige Zins gut (zum Hauskauf, als Konsumstütze), dann wieder schlecht (für die Lebensversicherung und Altersvorsorge).
Dauerhaft niedrige Zinsen sind überwiegend nicht vorteilhaft und unnatürlich. Für das Verleihen von Geld muss eine angemessene Gegenleistung möglich sein. Deshalb ist eine Rückkehr zu Zinsenhöhen, etwas höher als die Inflation, immer gut. Was soll also die Panikmache vor einer Zinserhöhung, die noch Jahre brauchen wird, bis sie die früher übliche Höhe erreicht hat.

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