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14.10.2011

13:43 Uhr

Aktien

Die unterschätzte Börse

VonStefan Hajek, Annina Reiman
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Aktien gelten vielen als riskant und dubios. Doch solide Unternehmen haben diese Skepsis nicht verdient. Gerade jetzt gibt es für Börsen-Abstinenzler gute Gründe, den Firmenpapieren eine Chance zu geben.

Schreckgespenst Börse: Viele Anleger scheuen in Zeiten schwacher Konjunktur den Kauf von Aktien. Dabei kann sich das Investment gerade dann lohnen. dapd

Schreckgespenst Börse: Viele Anleger scheuen in Zeiten schwacher Konjunktur den Kauf von Aktien. Dabei kann sich das Investment gerade dann lohnen.

DüsseldorfSpekulation! Vermögensvernichtung! Für mehr als 90 Prozent der Deutschen sind Aktien Teufelszeug. Zugleich befürchtet die Hälfte der Privatanleger fünf Prozent Inflation oder mehr; mit Tagesgeld wäre die kaum auszugleichen. Kein Grund, Geld von dort in Aktien umzuschichten, lieber in teure Immobilien: In den Metropolen klettern die Preise zwar zweistellig, aus Vermietung ist wegen der hohen Kaufpreise kaum noch eine positive Rendite zu erzielen. Egal, gekauft wird weiter. Immobilien, das klingt nach Wertbeständigkeit.

Nur eine kleine Minderheit denkt darüber nach, dass das auch für viele Aktien gilt: Gut geführte und solide finanzierte Firmen mit Patenten, Maschinen, Grundstücken, Gebäuden und gut ausgebildeten Mitarbeitern, die Dinge verkaufen, die auch in Krisenzeiten nachgefragt werden, sind eine Wertanlage – und, im Gegensatz zu Häusern, liquide handelbar.

Viele Anleger halten jedoch die Schwankungen von Aktien kaum aus. Wie stehen die Kurse? Für Einsteiger oft die wichtigste Frage des Morgens: Ob die Zahlen rot oder grün sind, entscheidet, ob der Tag ein guter oder ein schlechter wird. „Anleger müssen lernen, dass eine Aktie einen Preis hat und einen Wert“, sagt Matthias Krapp, ein Ex-Banker, der heute Anleger gegen Honorar berät. Der Preis an der Börse und der Wert der Unternehmensbeteiligung klaffen eben zuweilen auseinander. Besonders in turbulenten Börsenphasen brauchen Hedgefonds oder Fonds oft von jetzt auf gleich Geld, wenn etwa klamme Banken Kredite zurückfordern oder Mittel abfließen. In ihrer Not verhökern sie dann auch Qualität. Viele Aktienkurse fallen in solchen Phasen ungerechtfertigt stark.

Aktien-Neulingen sollte das Mut machen, nicht Angst. Wer Geld hat, das er mittelfristig entbehren kann, darf anfangen, kleine Positionen aufzubauen. 5000 Euro, in drei bis fünf ausgebombte Werte investiert, wären ein Anfang. Wer noch unsicher ist, wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist, kauft schrittweise. Der Zeitpunkt könnte besser sein, als viele denken. Der Dax verlor seit Ende Juni rund 30 Prozent an Wert; das dritte Quartal 2011 war damit das schlechteste an der Börse seit Herbst 2002.

Der Dax drehte damals erst bei 2200 Punkten im darauffolgenden Winter. Aber wer beherzt zugriff, ist heute noch im Plus. Aktien aus konjunktursensiblen Branchen wie Bau, Chemie, Maschinenbau haben in wenigen Wochen mehr als die Hälfte Börsenwert eingebüßt. Und das, ohne dass sich ihr Geschäft groß verschlechtert hätte. Sicher, das kann noch kommen, aber die Auftragsbücher sind gut gefüllt, und nichts deutet auf einen drastischen Einbruch der Geschäfte hin.

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