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08.12.2015

09:05 Uhr

Aktien in Europa

Anlagestrategen pfeifen auf Draghi

Die Märkte hatten sich mehr von Mario Draghi erhofft. Weil der EZB-Präsident die Geldpolitik nur wenig lockerte, kam es zu einem Ausverkauf an den Börsen. Strategen großer Banken setzen dennoch auf europäische Aktien.

Die Anlagestrategen der Großbanken setzen nach den jüngsten Aussagen des EZB-Chefs weiter auf europäische Aktien. dpa

Mario Draghi

Die Anlagestrategen der Großbanken setzen nach den jüngsten Aussagen des EZB-Chefs weiter auf europäische Aktien.

Düsseldorf/FrankfurtFast 500 Punkte büßte der Dax am vergangenen Donnerstag und Freitag ein und rauschte unter die Marke von 11.000 Punkten. Fast fünf Prozent rutschte auch der europäische Standardwerteindex Euro Stoxx 50 ab. Schuld war Mario Draghi. Der Präsident der Europäischen Zentralbank hatte die Erwartungen der Börsianer enttäuscht. Sie hatten mit einer noch lockereren Geldpolitik der EZB gerechnet.

Welche Konsequenzen hat das für die Börsen? Ist die Jahresendrally damit abgesagt? Zählen europäische Aktien nicht mehr zu den Favoriten für 2016? Strategen geben Entwarnung und zeigen sich vom Ausverkauf in der vergangenen Woche relativ unbeeindruckt. Viele Institute, darunter die Schweizer Bank UBS und das US-Institut JP Morgan Chase, halten an ihren optimistischen Prognosen für Aktien aus Europa fest.

Was treibt die Börsen auf Rekordhoch?

Geldschwemme

Die wichtigste Triebfeder des Börsenbooms ist die Geldflut der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre ohnehin lockere Geldpolitik sogar nochmals dramatisch ausgeweitet: Seit 9. März kaufen die Währungshüter monatlich Vermögenswerte in Höhe von 60 Milliarden Euro. Ein Großteil des vielen Geldes fließt in Aktien.

Anlagenotstand

Weil die EZB gleichzeitig den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt hat, herrscht Anlagenotstand: Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld und Anleihen bringen kaum noch Renditen. Das treibt Anleger in riskantere Investitionen wie Aktien, aber auch in Immobilien.

Euroschwäche

Der Euro ist durch die Geldpolitik auf Talfahrt. Das hilft der Exportwirtschaft, weil deutsche Waren dadurch im Ausland günstiger werden. Aktien internationaler Unternehmen profitieren.

Unternehmensgewinne

Deutschlands Börsenschwergewichte haben schon 2014 glänzend verdient - trotz internationaler Krisen. Nach einer Auswertung der Unternehmensberatung EY stieg der operative Gewinn der ersten 15 Dax-Konzerne, die Zahlen für 2014 vorlegten, um fast ein Viertel.

Die Aussicht auf eine weitere Geldspritze der europäischen Zentralbank hatte zu einer verfrühten Jahresendrally geführt. Doch dann kam die Ernüchterung: Mario Draghi lieferte nicht. Die EZB hat zwar beschlossen, ihre monatlichen Anleihekäufe unverändert zu belassen. Außerdem senkte sie den Einlagensatz verlängerte das Programm der quantitativen Lockerung bis mindestens März 2017. Die Börsianer hatten jedoch mehr erwartet. Da half es auch nicht, dass die Zentralbank Zuversicht in Bezug auf die Wirkung ihres Stimulusprogramms signalisierte, ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2017 von 1,8 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben hat. Die Enttäuschung war groß. Börsianer zogen die Reißleine.

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Die Geldpolitik der EZB sorgt für Anlagenotstand: Welche Investments in der Welt der anhaltenden Niedrigzinsen noch hohe Erträge versprechen. Und von welchen Geldanlagen die Deutschen derzeit lieber die Finger lassen sollten.

Möglicherweise fielen die Kurse nach Draghis Ankündigungen aber übertrieben stark. Immerhin steigen die Börsenbarometer zu Wochenbeginn schon wieder. An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Prognosen und Erwartungen lassen die Kurse steigen – oder auch fallen.

Doch selbst nach der schlechtesten Woche für den Euro Stoxx 50 seit August bleiben die Strategen zuversichtlich, dass sich die Konjunktur erholt. „Bis jetzt hat sich nichts wesentlich verändert“, sagt Emmanuel Cau, Aktienstratege Europa bei JP Morgan in London. „Sicher, kurzfristig könnten einige Exporteure, die vor allem vom schwachen Euro profitiert haben, unter der Rücknahme des EZB-getriebenen Optimismus leiden. Aber nächstes Jahr, so glauben wir, wird die EZB marktstützend wirken.“

Kommentare (11)

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Herr Jürgen Dannenberg

08.12.2015, 09:20 Uhr

Das verstehe, wer will!

"Die Märkte hatten sich mehr von Mario Draghi erhofft. Weil der EZB-Präsident die Geldpolitik nur wenig lockerte, kam es zu einem Ausverkauf an den Börsen."

Herr Paul Kersey

08.12.2015, 09:35 Uhr

Das hätte diesen elenden, geldgierigen Raffzähnen gefallen: Dass Draghi die Märkte mit noch mehr Geld flutet, die Zinsen auf ewig so mickrig bleiben und die Börsen deshalb explodieren, weil keiner mehr weiß wohin mit seiner Kohle. Zum K....

Herr J.-Fr. Pella

08.12.2015, 10:27 Uhr

Goldman Sachs sendet Weihnachtsgrüße.

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