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22.11.2015

20:54 Uhr

Aktien mit hohen Ausschüttungen

Dividenden als Renditebringer

VonJessica Schwarzer

Aktien mit hohen Ausschüttungsquoten sind gefragt. Kein Wunder, denn langfristig ist die Dividendenstrategie sehr erfolgreich. Doch sie hat auch ihre Tücken, wie Aktionäre von Deutscher Bank und wohl auch VW erleben.

2015 konnten Aktionäre sich wieder über Rekordausschüttungen freuen. dpa

Geldscheine

2015 konnten Aktionäre sich wieder über Rekordausschüttungen freuen.

DüsseldorfSchlechte Nachrichten sind die Aktionäre der Deutschen Bank gewöhnt. Doch nun hat das Unternehmen auch noch die Dividende gestrichen. Das könnte auch den Anteilseignern von Volkswagen als Folge des milliardenschweren Abgas-Skandals noch blühen. Langjährige Commerzbank-Aktionäre hingegen können sich freuen, nach einer langen Durststrecke wird das Institut wieder eine Dividende an seine Aktionäre überweisen. Diese Beispiele zeigen die Tücken der Dividendenstrategie: Die Ausschüttungsquoten können schwanken, mitunter werden die Dividenden gleich ganz gestrichen. Trotzdem lohnt es sich, auf Aktien mit hohen Dividendenrenditen zu setzen.

Denn Dividenden sind ein wahrer Renditetreiber. Langfristig machen Dividenden bis zu 50 Prozent der Wertentwicklung einer Aktie aus. Nicht erst in Zeiten von Minizinsen schauen Anleger deshalb auf Dividendentitel. Mit den schrumpfenden Erträgen aus Anleihen oder Spareinlagen sind es auch immer mehr konservative Anleger, die Dividenden als Alternative zu den mehr oder weniger abgeschafften Zinsgutschriften entdecken.

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

Kein Wunder: Europäische Aktien bieten schon seit längerer Zeit deutlich attraktivere Ausschüttungsrenditen als Staats- und Unternehmensanleihen. Natürlich hinkt der Vergleich zwischen Dividende und Zinskupon – Aktien sind eben keine Anleihen und erst recht keine Sparbücher.

Doch auf der Suche nach Rendite trauen sich auch vorsichtigere Anleger immer öfter an Aktien mit hoher Dividendenrendite heran. „Dividendenstrategien empfehlen sich als Beimischung beim Vermögensaufbau“, sagt Bert-Ardo Spelter von ICFB Investment Consulting Financial Brokerage. „Dabei versucht der kluge Investor durch seinen individuellen Blick in die Glaskugel zukünftige Entwicklungen vorherzusehen.“

Doch das kann auch schief gehen, wie die Aktionäre der Deutschen Bank und wohl auch die Volkswagen-Eigner gerade erst erleben. „Eine reine Dividendenstrategie langfristig zu spielen, war noch nie leicht“, weiß auch Thomas Retzlaff von Hallertauer Vermögensmanagement. Trotzdem ist die Strategie für seine Vermögensverwaltung sehr wichtig. Beim Depot-Contest der DAB Bank, bei dem sich die zitierten Vermögensverwalter messen, spielt diese Strategie aber keine Rolle - die Spieldauer ist mit einem Jahr zu gering.

Wie auch Spelter empfiehlt Anlageexperte Retzlaff eine breite Streuung über viele Titel und Branchen, um das Risiko zu begrenzen. Viele aktive Fonds und passive börsengehandelte Indexfonds setzen auf diesen Trend. Dass die Dividendenstrategie auch bei Anlegern gut ankommt, zeigen nicht zuletzt die hohen Zuflüsse, die diese Produkte in den vergangenen Jahren verzeichnet haben.

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