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09.01.2015

11:23 Uhr

Aktien, Tagesgeld, Fonds

Deutschland vor der Zwei-Billionen-Euro-Frage

Ausgeben, unter das Kopfkissen legen – oder etwa doch zur Bank bringen? Fast zwei Billionen Euro haben die Deutschen auf der hohen Kante, wissen aber nicht wohin mit dem Geld. Was das Jahr 2015 für Sparer bringen wird.

Geld unter dem Kopfkissen: Wegen der Zinsflaute wissen viele Sparer nicht wohin mit ihren Euros. dpa

Geld unter dem Kopfkissen: Wegen der Zinsflaute wissen viele Sparer nicht wohin mit ihren Euros.

Deutsche Sparer stehen vor einer schwierigen Frage, die im neuen Jahr noch schwieriger werden wird: Wo können die 1,95 Billionen Euro, über die sie in Barmitteln und Einlagen verfügen, nur geparkt werden? Die Zinsen sind auf einem Rekordtief und die Aussicht auf weitere Konjunkturmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) belastet die Renditen von Bankguthaben und risikoarmen Investments nur noch weiter.

Der Rentner Alois Weber hat sich dazu entschlossen, sein Erspartes einfach ruhen zu lassen. „Lieber auf Nummer sicher gehen”, sagt der 69-Jährige aus Schwäbisch Gmünd. „Wir haben unser Geld in Sparbriefen geparkt. Welche Zinsen wir dafür bekommen weiß ich nicht genau, aber so gut wie gar keine.”

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Die deutschen Sparer, auf die 17 Prozent der 11,1 Billionen Euro an Einlagen von Nichtbanken in der Eurozone entfallen, sind bereits mit am schwersten von den Niedrigzinsen der EZB betroffen. Und die Aussichten auf steigende Einlagenzinsen sind schlecht, da EZB-Chef Mario Draghi weitere radikale Schritte – wie den Kauf von Staatsanleihen – prüft, um das Wachstum in der Region anzukurbeln.

Nachdem die Notenbank im vergangenen Jahr Einlagenzinsen für Guthaben von Finanzdienstleistern eingeführt hat, prüft sie nun den Kauf von Staatsanleihen. Sie hofft darauf, dass durch die Liquiditätsflut Inflation und Wirtschaftswachstum angekurbelt werden. Die Kehrseite der Medaille besteht allerdings darin, dass die Zinsen für Bankeinlagen und risikoarme Anlagen nur weiter gedrückt werden.

Für Sparer werde es kein leichtes Jahr, prognostiziert Michael Seufert, Analyst bei der Norddeutschen Landesbank in Hannover. Die Deutschen seien schon so konservativ, dass es schwer falle sich vorzustellen, sie könnten noch vorsichtiger werden. Der Trend müsse dahin gehen, auf mehr Risiko zu setzen, sagt er.

Wer in Deutschland 10.000 Euro für drei Monate anlegt, kann mit etwa 0,5 Prozent Zinsen rechnen, wie aus dem Schnitt von 104 Angeboten auf Tagesgeldvergleich.net hervorgeht. Dabei reicht die Spanne, die Angebote für Neukunden umfasst, von 0,01 Prozent bis 1,3 Prozent.

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