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04.05.2015

12:42 Uhr

Aktien und Anleihen

„Geld vermehrt sich nicht mehr von selbst"

VonJessica Schwarzer

Viele Depots sind ein Sammelsurium von Anlageprodukten. Dieses Problem kennt auch Andreas Beck. Der Chef des Instituts für Vermögensaufbau über gut strukturierte, einfache Portfolios, wahre Renditebringer und Risiken.

Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch? Getty Images

Sparschwein

Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch?

Die Deutschen investieren falsch und verzichten damit auf wertvolle Rendite. Dabei würden schon zwei Produkte ausreichen, um es besser zu machen, weiß Andreas Beck. Doch einfach nur breit gestreut auf den Aktien- und Anleihenmarkt zu setzen, ist dem Gründer und Chef des Münchener Instituts für Vermögensaufbau zu wenig. Im Interview erklärt er, wie Anleger ihr Portfolio clever streuen und warum ein kleines Zockerdepot auch nicht schlecht ist.

Herr Beck, viele Anleger möchten sich gar nicht so intensiv mit ihrer Geldanlage auseinander setzen. Wie können die sich ein einfaches Depot zusammenstellen?
Sie brauchen im Grunde genau zwei börsennotierte Indexfonds, kurz ETFs. Einen auf den MSCI All Country World, der zu 92 Prozent aus Aktien aus den Industrieländern und acht Prozent aus den aufstrebenden Schwellenländern besteht, und einen ETF auf den Barclays Euro Aggregat Bonds, der auf europäische Anleihen setzt. Diese Depotzusammensetzung – je nach Risikotragfähigkeit mit mehr oder weniger hohem Aktienanteil – basiert auf dem wissenschaftlichen Einfaktorenmodell. Dafür brauche ich keinen Berater, und die Strategie ist fachlich fundiert.

Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA).

Andreas Beck

Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA).

Klingt sehr einfach, aber auch wenig spannend.
Wenn Ihnen das zu langweilig ist, haben Sie einerseits Recht. Es ist zwar wissenschaftlich fundiert, aber Stand 1964. Auf der anderen Seite haben in der Vergangenheit weniger als zehn Prozent der aktiv gemanagten Fondsmanager langfristig ein solches Depot geschlagen.

Die Depots von Privatanlegern sehen aber oft anders aus. Da finden Sie eher ein Sammelsurium aus verschiedensten Anlageprodukten.
Ganz ehrlich? Mein privates Depot sieht auch nicht anders aus. An der Börse zu handeln, das macht doch auch Spaß. Eine Zeit lang hatte ich sogar ausschließlich in den von mir kreierten Portfolio-ETF investiert. Da hat mich dann sogar der Wirtschaftsteil der Zeitung gelangweilt. Also habe ich wieder eine Bilfinger- und eine Adidas-Aktie beigemischt und ein Russland-ETF gekauft. Mit Russland bin ich bald soweit im Plus, dass es meine Verluste mit einem ETF auf den griechischen Athex ausgleicht. Das ist ein kleines Zockerdepot mit sehr mäßigem Erfolg. Man macht das als Hobby mit ein paar tausend Euro, freut sich, wenn es gut geht, aber erwartet davon nicht die Altersvorsorge.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Also doch lieber das Einfaktorenmodell?
Aus meiner Sicht zeitgemäßer ist das Mehrfaktorenmodell, denn das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft. Das Einfaktorenmodell stammt aus einer Zeit, als es noch keine Rechner gab, mit denen man das Modell empirisch überprüfen konnte. Es wurde von 1952 bis 1964 entwickelt. In den 1990er-Jahren versuchten dann Wissenschaftler wie Eugene Fama und Kenneth French das Modell empirisch zu bestätigen. Über verschiedene Regionen und Zeiträume haben sie versucht, die These in den Daten wiederzufinden. Man hat es aber nicht wiedergefunden, total verrückt.

Aber es klappt doch. Sie sagten doch, die meisten Fonds würden schlechter abschneiden…
Ja, ich bin halt breit gestreut. Die Fehler heben sich gegenseitig auf. Ich profitiere von allen Erträgen, die die Realwirtschaft bringt – über Aktien und über Anleihen.

Was macht das Mehrfaktorenmodell anders?
Die Kapitalmarktforschung hat inzwischen umfassend untersucht, welche Renditequellen es gibt. Der Faktor Marktrendite reicht nicht aus. Es braucht mehrere Faktoren, beispielsweise Small Caps, also die Überrendite von Aktien kleinerer Unternehmen. Diese Firmen kommen schwieriger an Kapital als Großkonzerne und müssen Investoren mehr bieten. Sie haben ein anderes Risiko-Profil, bieten aber breit gestreut auch mehr Chancen. Diesen Effekt gilt es bei der Portfoliokonstruktion zu berücksichtigen.

Kommentare (11)

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Herr Hartmut Dr. Schoenell

04.05.2015, 13:09 Uhr

Ich schlage vor, Interessenten sollten sich mal beim "Stuttgarter Aktienklub" schlau machen. Dann wird es kein Sammelsurium, sondern ein fundiertes, nach Branchen und Ländern sortiertes Depot, in welchem man ausschließlich 4- und 5-diamantbewertete Aktien hat. Diese Aktien sind "Wachstumswerte" und für die Langfristanlage gedacht. Von der sog. Zockerei rate ich ab; denn ob das dauerhaft funktioniert, steht oft in den Sternen .

G. Nampf

04.05.2015, 13:30 Uhr

"Deutschland blutet aus, wenn das so weiter geht."

Wie sich die Zeiten ändern! Alle, die diesen Satz vor einem halben Jahr hier im Forum geschrieben hatten, wurden zumindest implizit als "Rechspopulisten" oder "Verschwörungstheoretiker" bezeichnet.

Jetzt setzt sich das, was schon seit langem hier im Forum behauptet wird, son gaaaaaanz langsam auch unter Wirtschaftsexperten durch.

Account gelöscht!

04.05.2015, 13:33 Uhr

M.E. gehören Aktien in jedes Portfolio als Kern-Bestandteil für den Ruhestand und die Altersvorsorge (neben der eigenen und der einen oder anderen Immobilie zur Vermietung als 2. Standbein). Also für 10,20 oder mehr Jahren, mit Kapital welches man in diesem Zeitraum auch anderweitig nicht benötigt. Natürlich verfügt man auch jederzeit über freie Liquidität um Nach- bzw. Zukaufen zu können.

Wenn halt eine größere Korrektur ansteht (über 10 bis 15 %) dann wird das Portfolio eben abgesichert, und irgendwann unten mal weiter zugekauft. Bei einer größeren Korrektur kann man auch verkaufen. Nur dann bleibt immer noch die Frage, wohin mit dem Geld eigentlich ? Und wenn man sich das nicht selber zutraut (...), dann überlasst man diese Arbeit einer professionellen Vermögensverwaltung. Fertig.

Ein gut diversifiziertes und strukturiertes Portfolio gemanagt in einer individuellen VV bringt im Schnitt über einen Anlagezeitraum von 10 Jahren ca. 5 bis 8 % p.a. Rendite nach Steuern, bei einer Anlagesumme von mind. 1 Mio. € (interessante Gestaltungsmöglichkeiten fürs Portfolio sind aber erst ab 2,5 bis 3 Mio. € möglich).

Fakt ist, wer sein Geld nicht in Produktivkapital/vermögen (Aktien) investiert, wird später an Altersarmut leiden und auf staatliche Almosen angewiesen sein bzw. auf Dauer reale Vermögensverluste erleiden. Und verzichtet zudem auf ein passives Einkommen. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben. Crashs hin, Währungsreformen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 


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