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24.10.2012

15:52 Uhr

20 Prozent im Plus

Schafft Facebook die Wende?

Facebook schreibt rote Zahlen. Doch die Aktie legt mehr als 20 Prozent zu. Mark Zuckerberg nutzt die Gelegenheit, um mit Kritikern abzurechnen. Die Analysten sind kleinlaut, aber noch nicht überzeugt.

Lange ging es mit der Aktie von Facebook abwärts. Ob sich das nun ändert? dpa

Lange ging es mit der Aktie von Facebook abwärts. Ob sich das nun ändert?

DüsseldorfFacebook schreibt Verluste und die Aktie geht durch die Decke. Der Kurs schoss am Mittwoch um fast 20 Prozent auf knapp 24 Dollar nach oben. Der Grund: Facebook verdient endlich Geld mit Handynutzern. Die Zweifel am Geschäftsmodell weichen - zumindest für einen Moment.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

Warren Buffett

Warren Buffett (Star-Investor)

„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

Michael Pachter

Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

Phillip Goldberg

Phillip Goldberg (Investor)

"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

Mary Schapiro

Mary Schapiro (SEC-Chefin)

„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

Robert Greifeld

Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

Jim Cramer

Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

Henry Blodget

Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

David Rolfe

David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

Simon Lee

Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

Yves Maillot

Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

Tom Taulli

Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

John Scandalios

John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

Nick Einhorn

Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

Larry Page

Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen grauenhaft aus: Facebook weist einen Verlust von 59 Millionen Dollar im Quartal aus. Im Vorjahreszeitraum hatte die Firma noch 227 Millionen Dollar verdient. Schuld an den Verlusten sind vor allem Steuern auf Aktien, mit denen das Unternehmen seine Mitarbeiter entlohnt. Auch die Kosten für Marketing, Verwaltung oder die Entwicklung neuer Produkte sind deutlich gestiegen.
Was aber für die Investoren viel wichtiger ist: Facebook hat offenbar einen Weg gefunden, um die Nutzer von Smartphones oder Tablets zu monetarisieren. Die Anzeigen auf mobilen Geräten steuerten rund 150 Millionen Dollar zum Umsatz bei, das entspricht etwa 14 Prozent des gesamten Umsatzes. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal hatten die mobilen Anzeigen nur 40 bis 50 Millionen Dollar eingebracht.

Warum Facebook-Aktionäre hoffen dürfen

Video: Warum Facebook-Aktionäre hoffen dürfen

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Die Nutzer, die per Mobilgerät auf die Seite zugreifen, sind entscheidend für den zukünftigen Erfolg. Waren es vor einem Jahr noch 47 Prozent der Nutzer, liegt der Anteil jetzt schon bei 60 Prozent. Täglich werden es mehr. Insgesamt hat Facebook mehr als eine Milliarde Nutzer.
Mark Zuckerberg, der Gründer und Chef des Unternehmen, nutzte die Gelegenheit, um mit seinen Kritikern abzurechnen: „Unsere Möglichkeiten im mobile Geschäft sind der am meisten missverstandene Aspekt an Facebook“, erklärte der 28-Jährige einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen.

Wer vom Facebook-Börsengang profitiert

Mark Zuckerberg

Der Chef und Gründer von Facebook besitzt knapp 534 Millionen Aktien. Dieser Anteil von 28 Prozent ist etwa 28 Milliarden Dollar wert. Damit wäre der 27-Jährige der viertreichste Amerikaner. Nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Forbes“ sind dann nur Microsoft -Gründer Bill Gates, der legendäre Investor Warren Buffett und Oracle -Chef Larry Ellison wohlhabender als Zuckerberg.

Risikokapitalgeber

Jim Breyer und seine Risikokapitalfirma Accel Partners besitzen zusammen etwa elf Prozent der Facebook-Anteile, die nun etwa 11,4 Milliarden Dollar wert sein dürften. Accel stieg bei Facebook im Jahr 2005 ein, als das Unternehmen mit 100 Millionen Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen investierte damals 12,7 Millionen Dollar.

Einzelinvestoren

Weitere wichtige Eigner sind die russische Gesellschaft DST Global mit sieben Prozent, Goldman Sachs mit 3,5 Prozent, der Investor Peter Thiel mit zwei Prozent und die Firma T. Rowe Price mit einem Prozent. Der Internetpionier Marc Andreessen und seine Beteiligungsfirma Andreessen Horowitz besitzen einen kleinen Teil von Facebook.

Die Rendite der Eigner hängt davon ab, wann sie die Anteile kauften. Investor Thiel dürfte prozentual den größten Gewinn gemacht haben: Er stieg schon im Jahr 2004 ein und investierte damals 500.000 Dollar.

Mitbegründer

Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz besitzt etwa sieben Prozent des Unternehmens. Ein weiterer Mitbegründer, Eduardo Saverin, hielt früher einen geschätzten Anteil von fünf Prozent, taucht aber in der Liste der wichtigsten Aktionäre nicht mehr auf. Saverin hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Aktien verkauft.

Angestellte

Auch für viele der 3200 Facebook-Angestellten dürfte sich der Börsengang auszahlen, weil ihre Arbeit auch mit Aktienoptionen vergütet wird. Autohäuser, Immobilienmakler und Luxushändler im Silicon Valley reiben sich schon die Hände. Manche Facebook-Mitarbeiter wollen ins All fliegen. Andere planen archäologische Expeditionen zu Maya-Ruinen.

Familienmitglieder

Aus dem Antrag für den Börsengang geht hervor, dass auch Verwandte von wichtigen Facebook-Managern großzügig mit Aktien bedacht wurden. So unterstützte Zuckerbergs Vater Edward die noch junge Firma in den Jahren 2004 und 2005 mit Geld und bekam eine Option zum Kauf von zwei Millionen Aktien. Die Frist zur Ausübung ließ er aber verstreichen. Im Dezember 2009 erhielt Edward Zuckerberg aber schließlich zwei Millionen Anteilsscheine von Facebook.

„Die meisten Leute unterschätzen, wie fundamental gut der Trend zu mobilen Geräten für Facebook sein kann.“ Facebook könne so mehr Menschen erreichen, und diese Nutzer schauten auch häufiger bei dem Online-Netzwerk rein.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.10.2012, 19:06 Uhr

Facebook und Co. sind für Zocker immer interessant. Vielleicht soll der manipulierte plötzliche Kursanstieg aber auch nur ein paar Dumme anlocken, die den Großaktionären in den nächsten Wochen ihre Anteile für echte Dollars abkaufen?

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