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09.11.2012

17:11 Uhr

20 Prozent Verlust

Die Entzauberung der Apple-Aktie

Der Technologieriese Apple hat seine Aktionäre lange mit immer höheren Kurssprüngen verwöhnt. Doch die Konkurrenz schläft nicht und ist nur einer der Gründe, warum die Aktie seit September auf Talfahrt ist.

Die Apple-Aktie hat seit September mehr als 20 Prozent verloren. AFP

Die Apple-Aktie hat seit September mehr als 20 Prozent verloren.

DüsseldorfDie Apple-Aktie legte am Freitag 1,4 Prozent zu und kostete damit 545 Dollar. Doch diese Kursrichtung ist für das Papier des Technologieriesen längst nicht mehr selbstverständlich. Seit dem 21.September 2012, an dem die Aktie ihr Allzeithoch von 705 Dollar erzielte, hat sie mehr als 20 Prozent verloren. Eine solche Kursentwicklung ist auch als Bären-Markt bekannt. Trotz des Kursrückgangs ist Apple jedoch gemessen an seinem Marktwert noch immer das wertvollste Unternehmen der Welt.

Der Absturz kam quasi mit Ansage, denn an großen Innovationen wie in der Vergangenheit fehlte es zuletzt. Die Präsentation des iPhone 5 – der Goldesel des Konzerns – überzeugte die Börsianer, die kleine Revolutionen gewohnt sind, nicht wirklich. Die Aktie erhielt keinen Aufschwung.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Hinter der schlechten Entwicklung steht nach Meinung von Experten nicht zuletzt die zunehmende Konkurrenz auf den Tablet-Markt, den Apple lange Zeit unangefochten dominiert hatte. Doch die Wettbewerber schlafen nicht und machen Boden gut. Dem versuchte Apple mit dem neuen iPad Mini entgegenzuwirken, konnte aber auch damit die Börse nicht wirklich überzeugen. Hinzu kommt, dass der Konzern nicht mit der Produktion von iPhones hinterherkommt.

Analysten bleiben optimistisch

Branchenkenner Garcha Kulbinder von der Credit Suisse sieht für die Aktie ein Kursziel von 750 Dollar. Er geht davon aus, dass der US-Computerkonzern das Weihnachtsgeschäft mit PCs, Tablets und Smartphones dominieren wird. Dem Konzern dürfte daher ein robustes Gewinnwachstum bevorstehen.

„Bei Umsatz und Ergebnis hat Apple die Markterwartungen erfüllt“, schreibt Analyst Markus Friebel von Independent Research. Die zahlreichen Produktneuheiten dürften sich seiner Meinung nach erst im laufenden Quartal richtig auf Umsatz und Ergebnis auswirken. Er habe daher seine Gewinnprognosen (Gewinn pro Aktie) für das laufende und das nächste Geschäftsjahr erhöht.

Ahmad Adnaan von der Berenberg Bank sieht bei der Apple-Aktie erst einen Wendepunkt, wenn das Unternehmen aus einem „Technologie-Titan“ zu einem „Technologie-Dinosaurier“ wird. Dazu müsste jedoch die Nachfrage beim iPhone nachlassen, was aber frühestens in einem Jahr der Fall sei.

Insgesamt rät kein Aktien-Analyst zum Verkauf der Aktie. Doch auch die Lobgesänge von der 1.000-Dollar-Marke verstummen immer mehr. Mittlerweile scheint die Börse wohl zu verstehen, dass Apple auch nur mit Wasser kocht.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.11.2012, 00:58 Uhr

Ich frage mich wo die Analysten ihren Optimismus hernehmen, Apple verkauft nicht mehr nur an seine preisunsensitive Jüngerschar sondern auch an Otto Normaluser/in.
Die haben inzwischen die Wahl zu günstigeren und teilweise besseren Geräten mit herausnehmbarem Akku und MicroSD Kartenslot.
Mir hat ein Applejünger erklärt was denn für toller Prozessor in seinem Telefon steckt und welch geile Technik. Ich hab mein Iphone 3G verkauft und mir neueres Modell der Konkurrenz zugelegt bin bis jetzt durchaus zufrieden zumal über den größeren Bildschirm.
Apple spürt den feuchten Atem der Konkurrenz im Nacken, fallende Margen keine neuen Massenprodukte, eine Mini Ipad nix neues auch ITV wird Apple nicht den Kurs retten.

Knabbert die Konkurrenz erstmal erfolgreich an der Cashkuh Iphone dann wars das mit den dicken Aktienkursen.
Apple ist mit seiner Abhängigkeit vom Iphone zum One trick pony geworden.

Wenn ich Charttechniker wäre würde das deutliche durchschlagen der 200 Tage Linie anführen. Bei den fundamentalen Dingen fällt mir das Chaos in der Führungsetage und die aus meiner Sicht in letzter Zeit mangelnde Innovationskraft auf. Hinzu kommen son paar nicht ganz unwichtige verlorene Prozesse.

Nokia hat auch mal gedacht es sei to big to fail, aber wie heißt so schön Hochmut kommt vor dem Fall und viele Hunde sind des Hasen tod.

Apple wird wohl nicht pleite gehen aber ziemlich zügig abmagern ist durchaus drin.

Ich bin übrigens Short in Äpfeln ungefähr seit einem Jahr langsam machts wieder Spaß.

BlackHammer

10.11.2012, 01:33 Uhr

Großartig: alle Apple-Bullen dürfte auf diese Headline gewartet haben, wo sich erste Skepsis regt, besonders wo die Medien anfangen zu berichten, dass der große Fall des Giganten Apple bevorsteht. Die nicht-schlafende Konkurrenz schließt auf... Haha... Wem ist eigentlich klar, dass der Absatz Apples in Asien (besonders in China) immer noch winzig ist im Vergleich zum Heimatland USA? Wem ist eigentlich klar, dass sich die im Artikel thematisierten Analysten in ihren Prognosen vermutlich nur auf den US-amerikanischen Markt fokussieren? Ein Drop in Richtung 500 USD ist denkbar, dreht Apple dort wieder Long, ist das fast schon ein "Strong-Buy" und ein Break des ATH ist nur eine Frage der Zeit... Ein Double Up in Richtung 1.000 USD scheint da fast nur eine Frage der Zeit... Deutlich unter 500 USD würde sich das Bild eintrüben, aber glaubt da vor dem Hintergrund der Innovations-Power Apples tatsächlich jemand dran?

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