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07.04.2011

17:16 Uhr

50 Jahre "Volksaktie"

Trauriges Jubiläum für die VW-Aktie

Als VW vor 50 Jahren an die Börse ging, sollte auch der Normalbürger profitieren. Wer die Aktien heute noch hält, hat tatsächlich hohe Gewinne gemacht. Doch der Festtag selbst brachte keinen Grund zum Jubeln.

Die VW-Aktie blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Quelle: dpa

Die VW-Aktie blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück.

FrankfurtDen Festtag hatte man sich in Wolfsburg sicher anders vorgestellt. Am 7. April 1961 wurden die VW-Aktien erstmals auf dem Parkett gehandelt. Doch zum 50. Jahrestag herrschte an der Börse keine Feierstimmung. Die VW-Aktie gehörte mit einem Minus von mehr als zwei Prozent sogar zu den größten Verlierern im Dax.

Als Volkswagen vor 50 Jahren an die Börse ging, hatte das vor allem politische Gründe. Die Bundesregierung und das Land Niedersachsen verkauften 60 Prozent ihrer VW-Anteile als „Volksaktien“. Die Regierung von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard wollte unter dem Motto „Eigentum für alle“ auch die weniger reichen Schichten als Aktionäre gewinnen, erläuterte der VW-Historiker Manfred Grieger.

Deshalb gab es auch einen Sozialrabatt. Denn Aktienbesitz galt damals als elitär - in einem Arbeiterhaushalt war er völlig unüblich.

Heute gehört Volkswagen überwiegend den Familien Porsche und Piëch, dem Land Niedersachsen und der Katar Holding. Nur knapp zehn Prozent der Stammaktien sind im Streubesitz. Im Dax gehandelt werden seit Ende 2009 stimmrechtslose Vorzugsaktien.

Bei der Ausgabe 1961 kostete die VW-Aktie 350 D-Mark. Das Angebot - über 3,6 Millionen Papiere im Nennbetrag von je 100 DM - war um 85,4 Prozent überzeichnet. Schon am ersten Handelstag schnellte der Kurs hoch auf rund 750 DM. Wer damals gekauft und das Papier bis heute nicht verkauft hat, besitzt nach Berechnungen von VW heute einen Gegenwert von rund 2200 Euro je Aktie und hat zusätzlich Dividendenzahlungen in Höhe von 570 Euro erhalten.

Im Zuge des dramatischen Übernahmekampfes um Volkswagen durch den Sportwagenbauer Porsche wurde VW im Herbst 2008 kurzzeitig sogar zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Porsche hatte sich mit schwer durchschaubaren Aktiengeschäften den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien gesichert und damit einen Höhenflug der Papiere ausgelöst - am 28. Oktober erreichte der Kurs den Höchststand von 1005 Euro. An diesem Donnerstag lag die Stammaktie bei 107 Euro.

„Die Volkswagen-Aktie ist eine Erfolgsaktie geworden“, sagt Konzern-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. „War sie 1961 ein Symbol für Käfer-Ära und Wirtschaftswunder, spiegelt sie heute die Leistungsstärke und Solidität des größten Automobilherstellers Europas wider.“ Ausgangspunkt für den Börsengang war die Teilprivatisierung von VW und das 1960 im Bundestag beschlossene VW-Gesetz, das noch Jahrzehnte später für erbitterten Streit zwischen Politik und Unternehmen sorgen sollte. Zum Krach wegen des VW-Gesetzes kam es auch zwischen der Landesregierung in Niedersachsen, die auf ihren Einfluss beim größten Arbeitgeber des Landes pocht, und dem Großaktionär Porsche, der VW übernehmen wollte. Aber der Versuch scheiterte, VW drehte den Spieß um und gliedert nun den Sportwagenbauer ein.

Die wichtigsten Regelungen des VW-Gesetzes sind inzwischen in der Satzung des Unternehmens verankert. Dazu gehört das Entsenderecht des Landes von zwei Vertretern in den Aufsichtrat und ein Vetorecht mit einer 20 Prozent-Sperrminorität. Bei der Teilprivatisierung hatten Bund und Land zunächst noch jeweils 20 Prozent an dem Wolfsburger Autobauer behalten, um ihren Einfluss dort zu sichern. Doch der Bund verkaufte seine Aktien bereits 1988.

Von

dpa

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