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09.10.2015

12:15 Uhr

Abgas-Affäre

Rätselraten um Kurssprung der VW-Stammaktien

Kurssprung bei VW-Stammaktien: Bis zum Vormittag wechselten mehr als drei Mal so viele Papiere den Besitzer wie an einem Durchschnittstag. Über die Papiere haben die Familien Porsche und Piëch Einfluss auf VW.

Blau: Stammaktie, Rot: Vorzugsaktie.

Kurs der VW-Aktien

Blau: Stammaktie, Rot: Vorzugsaktie.

FrankfurtEin zwischenzeitlich 15-prozentiger Kurssprung der Stammaktien von Volkswagen hat am Freitag für Aufsehen gesorgt. Dabei wechselten am Vormittag bereits mehr als drei Mal so viele Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Sie kosteten zeitweise 133,75 Euro – und damit deutlich mehr als die Vorzugsaktien, die bei 105 Euro notieren.

Offenbar deckten sich einige Anleger, die auf weitere Kursverluste wegen der Abgas-Affäre gesetzt hatten, wieder mit VW-Titeln ein, um ihre Verluste zu begrenzen, sagte ein Börsianer. Ein anderer verwies auf ein Gerücht, dem zufolge Großaktionär Porsche Holding seine Beteiligung aufstockt. Bei der Porsche Holding war dazu am Freitag kein Kommentar zu erhalten. Über die Holding sind die Familien Piëch und Porsche an Volkswagen beteiligt.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Porsche hält mittlerweile 52,2 Prozent der VW-Stämme. Zuletzt hatten die Familien Piëch und Porsche 1,5 Prozent der Anteile von Suzuki erworben – und zwar nach Bekanntwerden des Abgasskandals. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wer Stammaktien hält, darf mitreden und somit Einfluss auf Geschäftsentscheidungen nehmen. Im Gegensatz zu Besitzern von Vorzugsaktien. Deren Papiere notieren im Dax und versprechen eine höhere Dividende – bei Volkswagen sind das rund sechs Cent. Doch ein Stimmrecht haben diese Aktionäre nicht.

Und auch die sechs Cent Dividende dürfte die Vorzugspapierbesitzer derzeit nicht trösten. Im Laufe der letzten Jahre hatten sich beide Aktiengruppe fast gleich entwickelt. Doch seit Bekanntwerden der Abgasaffäre ist das vorbei: Die Inhaber der Stammaktien mussten zwar zeitweise einen Tiefstand von 95 Euro pro Aktie verkraften, bei den Vorzugspapieren waren es aber 86,36 Euro. Am Freitag setzt sich der Abstand weiter fort, während die Stammaktien am Mittag 122,88 Euro pro Aktie notieren, liegen die Vorzugspapiere bei 105,40 Euro.

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