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14.08.2012

20:25 Uhr

Aktie auf Talfahrt

Zeigt Angie Facebook den Weg?

VonAxel Postinett

Vorbote für den „F-Day“? Am Dienstag lief bei der Empfehlungsseite Angie's List die Haltefrist der Altaktionäre aus: ein Kurssturz von bis zu 17 Prozent bei hohen Umsätzen war die Folge. Ein böses Omen für Facebook?

Facebook vor dem „F-Day“: Beim gefallenen Börsenstar Facebook läuft die erste von mehreren Haltefristen am 16. August aus. Die Börse hält den Atem an. Reuters

Facebook vor dem „F-Day“: Beim gefallenen Börsenstar Facebook läuft die erste von mehreren Haltefristen am 16. August aus. Die Börse hält den Atem an.

Angie ist unkaputtbar. Seit 17 Jahren hat die Empfehlungs- uns Bewertungsseite für Konsumenten Angie's List noch nie einen einzigen Cent verdient und doch im November 2011 einen erfolgreichen Börsengang hingelegt. Rund 114 Millionen Dollar wurden eingenommen, der Aktienpreis betrug 13 Dollar. Und bislang war auch alles einigermaßen gut gegangen, der Ausgabepreis nicht nennenswert unterschritten worden. Irgendwie liebt Wall Street Angie.

Doch am heutigen Dienstag war die Geduld vorerst beendet. Da bekamen Investoren mit insgesamt 44 Prozent am gesamten Aktienkapital die Erlaubnis, ihre Anteile zu versilbern, wie aus einer Mitteilung an die Börsenaufsicht von Mitte Mai hervorgeht. Unter hohen Umsätzen sackte das Papier um bis zu 17 Prozent auf neue Rekordtiefs um 10,77 Dollar ab. Angesichts der problematischen Gesamtsituation des Web 2.0- und Social-Media-Networking-Bereichs scheinen viele der Altinvestoren sicherheitshalber Kasse zu machen und Gewinne zu sichern. Aktien wie Facebook, Zynga, Groupon oder Pandora liegen zum Teil massiv unter ihren Emissionspreisen.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Der nächste Härtetest für die Social-Networking-Aktien droht am Donnerstag dem 16. August. Dann wird eine erste von drei Tranchen fällig, in der Aktien des weltgrößten Social Networks Facebook, Marktkapitalisierung rund 50 Milliarden Dollar, zum Verkauf freigegeben werden. Daneben nimmt sich Angie's List mit ganzen 638 Millionen Dollar Marktkapitalisierung wie ein Winzling aus. Am Donnerstag wird sich die Anzahl der gehandelten Facebook-Aktien dramatisch erhöhen. Bislang sind 412 Millionen Stück auch an der Börse handelbar. Über 270 Millionen könnten theoretisch Ende der Woche zusätzlich auf den Markt geworfen werden, von Mitarbeitern und Großinvestoren wie Goldman Sachs oder Microsoft. Über die nächsten neun Monate werden es insgesamt über 1,9 Milliarden Aktien sein.

Steigendes Angebot bei sinkender oder gleichbleibender Nachfrage führt üblicherweise im Markt zu Preissenkungen. Schlechte Nachrichten aus der Branche und verfehlte Quartalsergebnisse bei Branchengrößen wie Groupon oder Zynga haben den Appetit der Anleger auf die Social-Media-Aktien merklich abkühlen lassen. Ein schlechtes Zeichen wäre es auch, wenn Mitarbeiter in großem Stil die Werte ihres Brötchengebers abstoßen. Sie sollten am meisten Vertrauen in die Zukunft und CEO Mark Zuckerberg haben. Im späten Handel am Dienstag lag die Aktie im Vorfeld des kommenden „F-Days“ bei gut 3,5 Prozent im Minus.

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