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01.04.2014

13:19 Uhr

Aktie im Fokus

Anleger bangen um General Motors

VonRoman Tyborski

General Motors stehen schwere Zeiten bevor. Zu späte Rückrufaktionen könnten hohe Strafzahlungen nach sich ziehen. GM-Chefin Mary Barra muss sich vor dem Repräsentantenhaus verantworten. Anleger gehen bereits in Deckung.

Pannenserie

General Motors ruft noch mehr Autos zurück

Pannenserie: General Motors ruft noch mehr Autos zurück

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Düsseldorf„Ich bin zutiefst betrübt“. Diese Worte richtet die Chefin des größten Autoherstellers der Welt an die Hinterbliebenen tödlicher verunglückter Fahrer von Fahrzeugen des General-Motors-Konzern. Defekte Zündschlösser haben rund 13 Menschen das Leben gekostet. Die Probleme waren hausgemacht und bestanden seit Jahren. Die Skandal an der Sache ist, dass die Konzernführung rund um GM-Chefin Mary Barra von den defekten Zündschlössern seit Jahren Bescheid wusste – dagegen etwas unternommen hat sie allerdings nicht.

Barra muss sich diesen und weiteren Vorwürfen nun vor dem Repräsentantenhaus in Washington stellen. Die Politiker erwarten Antworten. Die GM-Chefin hingegen weist die Anschuldigung zu spät eingegriffen zu haben von sich. „Sobald ich von dem Problem erfahren habe, haben wir ohne Zögern gehandelt“, heißt es in Barras Redemanuskript. „Wir haben der Welt erklärt, dass es ein Problem gibt, das gelöst werden muss.“ GM werde sich vor der Verantwortung nicht davonstehlen. Die Anleger an den Aktienmärkten sahen das anders. Gestern schloss GM bei insgesamt freundlichen gestimmten Börsenmärkten rund 0,9 Prozent im Minus. Heute sieht es vorbörslich nicht viel besser aus. Bei Lang & Schwarz notierten die Aktien zuletzt 0,5 Prozent leichter.

Spektakuläre Wechsel in der Autobranche

JOSE IGNACIO LOPEZ

1993 holt Volkswagen den General-Motors-Manager als Einkaufsvorstand zu VW und handelt sich mit GM reichlich Ärger ein: Lopez soll geheime Unterlagen von GM mitgenommen haben. Es folgen jahrelange Rechtsstreitigkeiten, das Verfahren gegen Lopéz wird eingestellt, die beiden Autoriesen einigen sich.

BERND PISCHETSRIEDER

Pischetsrieder fiel 1999 bei BMW wegen des Debakels um die kostspielige Rover-Übernahme in Ungnade. 2000 wurde er als Seat-Chef zu VW geholt und übernahm 2002 den Chefsessel von VW-Patriarch Ferdinand Piëch. 2006 musste er auch bei VW seinen Hut nehmen. Heute ist er Aufsichtsratschef beim Rückversicherer Munich Re.

WOLFGANG BERNHARD

2004 endete Bernhards Zeit im Daimler-Vorstand im Streit mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp - 2005 wechselte er zu VW. Als Martin Winterkorn im Januar 2007 den Chefsessel in Wolfsburg übernahm, musste Bernhard gehen. 2009 kehrte er zurück zu Daimler und sitzt nun als Nutzfahrzeugchef im Vorstand.

WOLFGANG REITZLE

Reitzle arbeitete sich bei BMW in den Vorstand hoch. 1999 musste er wie Pischetsrieder wegen der Rover-Übernahme gehen und kümmerte sich fortan um die Luxusparte des US-Autobauers Ford. 2002 wechselt er zum Industriegase-Spezialisten Linde, wo er zum Vorstandschef aufstieg.

ALAN MULALLY

Der Boeing-Manager kam 2006 zu Ford und baute den damals von Rückrufen gebeutelten US-Hersteller wieder auf. Als einziger US-Autobauer überstand Ford aus eigener Kraft die Wirtschaftskrise.

KARL-THOMAS NEUMANN

Im März 2013 wechselte Neumann von VW an die Opel-Spitze. Im August 2012 hatte Neumann seinen Posten als China-Chef von Volkswagen verloren. Drei Jahre zuvor hatte ihn ein Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler den Chefposten beim Autozulieferer Conti gekostet.

Wegen der Zündschloss-Pannenserie hat der Konzern bereits mehr als 2,6 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Darunter befanden sich auch 7450 Opel GT, die auch in Deutschland verkauft werden. Die Zündschlösser waren zu schwach ausgelegt, so dass sie während der Fahrt auf die „Aus“-Position zurücksprangen und als Folge Servolenkung, Bremskraftverstärker sowie Airbag nicht funktionierten.

Die Vorwürfe gegen General Motors wiegen schwer. Verbraucherschützer widersprechen dem Konzern, der bei internen Untersuchungen der Vorfälle von 13 Todesopfern ausgeht. Sie sprechen von rund 300 Todesfällen. Außerdem steht der Vorwurf im Raum, dass das Management zu spät auf die Probleme reagiert habe. Erst im Februar diesen Jahres begann der Konzern Fahrzeuge mit defekten Zündschlösser zurückzurufen. Von den Problemen, so die Verbraucherschützer, soll General Motors allerdings seit mehr als zehn Jahren gewusst haben.

Doch die Pannenserie reißt nicht ab. Die Opel Mutter GM musste die Rückrufaktion abermals ausweiten. Zu den bereits 2,6 Millionen zurückbeorderten Fahrzeugen kommen nun mehr als 1,5 Millionen hinzu. Es handelt sich um Modelle der amerikanischen Marken Chevrolet, Pontiac und Saturn aus den Jahren 2004 bis 2010. Die weitaus meisten Autos sind in den USA verkauft worden. Probleme mit der Servolenkung zwingen den Konzern zu diesem kostspieligen Schritt. Ob Wagen mit defekter Servolenkung auch nach Deutschland verkauft wurden, war zunächst unklar.

Das jetzige schnelle Eingreifen zeigt, dass die Konzernführung um Mary Barra nun mit erhöhter Sensibilität auf die Probleme bei GM-Fahrzeugen reagiert, was auch als Eingeständnis auf das zu späte eingreifen bei den defekten Zündschlösser verstanden werden kann. General Motors kann sich einen weiteren Skandal diesen Ausmaßes einfach nicht mehr erlauben. Insgesamt hat der Konzern rund um die Welt über sechs Millionen Autos wegen dieser erheblichen und diverser kleineren Mängel zurückrufen müssen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.04.2014, 16:12 Uhr

Wer wie GM seit Jahrzehnten sein Geschäft nicht annähernd versteht, steht immer vor dem Aus. Auch Opel, die unter der Möchtegern-Chef-EntwicklerIn Fr. Rita Frostlein bleischwere Autos (Astra mit 1650 kg, Insignia mit 1800 kg) zusammengeschustert haben, werden niemals wieder nach oben kommen. Ein klares Signal war die Verpflichtung des viertklassigen Neumann, der vorher bei 2 Arbeitgebern rausgeflogen ist.

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