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06.02.2014

14:43 Uhr

Aktie im Fokus

Anleger strafen Twitter ab

Die Nutzerzahlen des Kurznachrichtendienstes enttäuschen. Der Chef von Twitter bleibt zwar zuversichtlich. Doch Anleger fliehen, Analysten sind skeptisch, und die Aktie stürzt an Wall Street und in Europa ab.

Twitter ist kein zweites Facebook

Video: Twitter ist kein zweites Facebook

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San FranciscoTwitter kann Facebook nicht das Wasser reichen: Im Schlussquartal 2013 stieg die Zahl der Nutzer des Kurznachrichten-Dienstes trotz massiver Werbeausgaben lediglich um knapp vier Prozent auf 241 Millionen. Facebook - nur zwei Jahre älter als Twitter - kommt dagegen inzwischen auf 1,23 Milliarden.

Das Online-Netzwerk hatte zuletzt zudem mit überraschend starken Quartalszahlen gezeigt, dass es auch auf Smartphones mit Anzeigen viel Geld verdienen kann. Bei Twitter bleibt dies hingegen weiter fraglich. Das US-Unternehmen weitete von Oktober bis Dezember den Nettoverlust auf fast 512 Millionen Dollar aus von neun Millionen Dollar ein Jahr zuvor.

Anleger, die beim erfolgreichen Twitter-Börsengang im November noch hochfliegende Erwartungen hatten, reagierten enttäuscht. Die Aktie stürzte in Frankfurt am Donnerstag um 16 Prozent ab, an der Wall Street waren es nachbörslich 18 Prozent auf 54 Dollar. Der Preis ist indes immer noch doppelt so hoch wie der Ausgabekurs des Unternehmens mit dem zwitschernden Vögelchen als Markenzeichen.

Beim spektakulären Börsendebüt waren die Aktien um mehr als 70 Prozent in die Höhe geschossen. Investoren hatten damals gehofft, dass Twitter irgendwann eine ähnliche Größe wie Facebook erreichen könne. Ende des Jahres führten Zweifel am Geschäftsmodell schon einmal dazu, dass die Aktie an einem einzigen Tag 13 Prozent abstürzte.

Warum Twitter?

Viele Nutzer - viel Meinung

Beschwerden über verspätete Züge, Lästereien über den „Tatort“, private Absprachen: Twitter ist ein öffentliches Medium, wird aber auch für private Kommunikation genutzt. Das irritiert viele Beobachter, die sich nicht mit Twitter beschäftigen, auch heute noch.

In der Kürze liegt die Würze

140 Anschläge – länger darf ein Tweet nicht sein. Darin liegt der Reiz: Nutzer wissen sofort, worum es geht. Wer mehr in die Tiefe gehen will, kann sich mit den verlinkten Texten und Videos beschäftigen.

Nur ein Tenor

Der Tenor in den kurzen Twitter-Nachträgen ist meist eindeutig. Entweder man ist für eine Aktie oder eben dagegen. Ganz anders bei Blog- oder Foreneinträgen. Dort schwankt die Stimmung schon mal in jedem Absatz. Für einen Algorithmus ist es eine große Herausforderung, solche längeren Textstücke eindeutig zuzuordnen.

Reaktion in Echtzeit

Auf Twitter wird nicht lang gefackelt. Ein Ereignis, eine Information, und das Zwitschern ist eröffnet. Wer die Stimmung im Netz abgreifen will, sollte auf die Echtzeit-Tweet nicht verzichten.

Im ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen fiel das Wachstum der Nutzerzahlen so schwach aus wie nie zuvor. Anfang 2013 gab es noch ein Plus von zehn Prozent. „Dies stellt infrage, wie massentauglich die Plattform Twitter ist“, kommentierte Arvind Bhatia von der Investmentfirma Sterne, Agee & Leech die Ergebnisse.

Zum Jahresende meldeten sich nicht nur weniger Internetnutzer weltweit bei Twitter an, sondern sie griffen auch weniger häufig darauf zu. Dies gilt als kritisch, weil sich Werbekunden dorthin wenden, wo sie die meisten Nutzer am häufigsten erreichen. Und das sind weiter Facebook oder auch die Internet-Suchmaschine Google.

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