Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2014

10:29 Uhr

Aktie im Fokus

Catoil-Anleger hoffen auf Entspannung

Die Aktien des Ölförderers haben am Montag den schlimmsten Absturz seit der Lehman-Pleite erlebt. Doch am Dienstag klettert der Kurs wieder nach oben. Anleger reagieren auf positive Meldungen aus der Ukraine.

Wegen der Krim-Krise trennten sich viele Anleger von Catoil-Aktien. Am Dienstag hoffen sie allerdings auf Entspannung - die Papiere stehen ganz vorne im S-Dax. dpa

Wegen der Krim-Krise trennten sich viele Anleger von Catoil-Aktien. Am Dienstag hoffen sie allerdings auf Entspannung - die Papiere stehen ganz vorne im S-Dax.

FrankfurtDie Woche brachte keinen guten Start für die österreichische Ölbohrfirma Catoil. Am Montag machten die Anleger des im S-Dax gelisteten Unternehmens Kasse: Die Aktie brach um 16,5 Prozent ein und war das Schlusslicht im S-Dax. Für das Unternehmen war das der größte Verlust seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008.

Heute steht Catoil bei den Investoren aber wieder hoch im Kurs: Bereits im vorbörslichen Handel legte die Aktie rund drei Prozent zu. Zum Handelsbeginn stehen die Papiere des Unternehmens, das auf Ölfeldern russischer Ölkonzerne Gazprom, Lukoil und Rosneft bohrt, bereits acht Prozent im Plus.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

Rohstoffe

Das flächenmäßig nach Russland größte europäische Land besitzt jede Menge davon: Eisenerz, Kohle, Mangan, Erdgas und Öl, aber auch Graphit, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber. Von Bedeutung ist auch die Landwirtschaft, die mehr zu Bruttoinlandsprodukt beiträgt als Finanzindustrie und Bauwirtschaft zusammen. Etwa 30 Prozent der fruchtbaren Schwarzerdeböden der Welt befinden sich in der Ukraine, die zu den größten Weizenexporteuren gehört. In der Tierzucht spielt das Land ebenfalls eine führende Rolle.

Wirtschaftskraft

Sie ist gering. Das Bruttoinlandsprodukt liegt umgerechnet bei etwa 130 Milliarden Euro, in Deutschland sind es mehr als 2700 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nicht einmal 3900 Dollar im Jahr. Wuchs die Wirtschaft 2010 um 4,1 und 2011 um 5,2 Prozent, waren es 2012 noch 0,2 Prozent. 2013 dürfte es nur zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht haben.

Außenhandel

Exportschlager sind Eisen und Stahl, gefolgt von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und chemischen Produkten. Wichtigstes Importgut ist Gas. Auch Erdöl muss eingeführt werden. Die Ukraine könnte aber vom Energie-Importeur zum -Exporteur werden, weil sie große Schiefergasvorkommen besitzt.

Industrie

Sie ist von der Schwerindustrie geprägt, besonders von der Stahlindustrie, dem Lokomotiv- und Maschinenbau. Ein Grund ist, dass die Sowjetunion einen Großteil der Rüstungsproduktion in ihrer Teilrepublik Ukraine angesiedelt hatte. Eine Westorientierung und die Übernahme von EU-Rechtsnormen könnte das Land zunehmend zum Produktionsstandort für westliche Firmen machen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Ukraine. Gemessen an der Größe des Landes ist das deutsche Handelsvolumen aber unterdurchschnittlich. Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge, Pharmaprodukte und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtigste ukrainische Ausfuhrgüter sind Textilien, Metalle und Chemieprodukte. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sind knapp 400 deutsche Unternehmen in der Ukraine vertreten. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland auf Platz zwei hinter Zypern.

Chancen ergeben sich für die deutsche Wirtschaft vor allem im ukrainischen Maschinen- und Anlagenbau. Zudem ist die frühere Sowjetrepublik mit ihren rund 45 Millionen Einwohnern ein potenziell wichtiger Absatzmarkt für Fahrzeuge. Korruption und hohe Verwaltungshürden stehen Investitionen indes im Wege.

Wirtschaftsbeziehungen zur EU

Rund ein Drittel der ukrainischen Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine für die Versorgung mit Erdgas von Bedeutung. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

Wiirtschaftsbeziehungen zu Russland

Mit Abstand wichtigster Handelspartner der Ukraine ist Russland. Ein Drittel der Importe stammt aus dem Nachbarland, ein Viertel der Exporte gehen dorthin. Der Regierung in Moskau ist eine Orientierung der Ukraine nach Westen ein Dorn im Auge. Stattdessen drängt sie das Land zum Beitritt zur Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland.

Streit flammt zwischen beiden Ländern immer wieder über Gaslieferungen auf. Die Ukraine importiert fast ihr gesamtes Gas aus Russland, muss dafür aber einen für die Region beispiellos hohen Preis zahlen. Der Konflikt über Preise und Transitgebühren hat in der Vergangenheit zu Lieferunterbrechungen geführt, die auch die Gasversorgung Europas infrage stellten.

Die Catoil-Anleger hoffen darauf, dass sich die Krise an der Krim endlich entspannt. Auslöser waren russische Agenturmeldungen, denen zufolge Präsident Wladimir Putin die Soldaten, die in den vergangenen Tagen an Manövern unweit der Ukraine beteiligt waren, in ihre Kasernen zurückbeordert hat.

Die Krim-Krise erinnert die Investoren daran, wie abhängig das Unternehmen von russischen Firmen und der politischen Lage im Land ist. Denn eigentlich gibt Catoil seinen Anlegern wenig Grund zur Sorge. Das Unternehmen hat volle Auftragsbücher. Erst Ende Februar hatte Catoil von seinem langjährigen russischen Kunden Rosneft einen millionenschweren Auftrag bekommen. Gesamtvolumen: 148 Millionen Euro.

Darüber hinaus erhielt die Tochter der Firma Catkoneft den Zuschlag für einen weiteren Dreijahres-Auftrag in Höhe von 53 Millionen Euro vom Ölbohrunternehmen Slavneft-Megionneftegaz. Insgesamt hat Catoil für 2014 Aufträge im Volumen von 221 Millionen Euro in den Büchern. Erst kürzlich hatten die Österreicher einen Großauftrag von Lukoil an Land gezogen.

Am Montag hatten viele Aktionäre von Catoil Kasse gemacht. Im vergangenen Jahr waren die Aktien dagegen im SDax der Renner schlechthin: Mit einem Plus von rund 200 Prozent hatten sie die Gewinnerliste im Kleinwerteindex angeführt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×