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26.05.2011

12:35 Uhr

Aktie im Fokus

Commerzbank-Aktie befreit sich aus dem Jammertal

VonPeter Mandrella

Nach wochenlangem Kurssturz hat sich die Commerzbank-Aktie offenbar wieder gefangen. Heute geht es für das Papier erneut um vier Prozent aufwärts. Anleger spekulieren auf einen schnellen Cent. Doch die Skepsis bleibt.

Auf zu neuen Höhen? Die Commerzbank-Aktie befreit sich aus ihrem Tief. Quelle: Reuters

Auf zu neuen Höhen? Die Commerzbank-Aktie befreit sich aus ihrem Tief.

DüsseldorfEinmal mehr ist die Commerzbank heute das "Titel-Thema" an der Börse. Die Umsätze sprechen für sich: Allein in den ersten beiden Handelsstunden wechselten über 60 Millionen Aktien und über 40 Millionen Bezugsrechte den Besitzer – das sind rund zwei Drittel des gesamten Handelsvolumens im Deutschen Aktienindex. Die gute Nachricht für Anleger: Der Aufwärtstrend von gestern setzt sich fort.

(Noch) eine Woche lang bietet Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut Bezugsrechte für neue Aktien an, von denen insgesamt 2,4 Milliarden zum Stückpreis von 2,18 Euro auf den Markt geworfen werden – das bedeutet eine Verdoppelung des Bestandes. Die alte Aktie wird gewissermaßen geteilt, die Bezugsrechte von den Wertpapieren getrennt. Mit der Kapitalerhöhung will die Commerzbank einen Teil des Geldes – insgesamt 18 Milliarden Euro – zurückzahlen, die der Staat in der Finanzkrise überwiesen hatte.

Wie nicht anders zu erwarten, reagierten die Aktionäre im ersten Moment mit Skepsis, zumal bis zuletzt nicht klar war, zu welchem Preis die neuen Aktien ausgegeben würden. Am Dienstag, dem Tag der Ausgabe der Bezugsrechte, schien die Commerzbank-Aktie in den freien Fall überzugehen. Der Kurs stürzte um fast 20 Prozent auf drei Euro ab. Allerdings handelte es dich dabei um eine optische Täuschung. Parallel wurde das Bezugsrecht zu einem Preis von 0,75 Euro gehandelt, exakt die Differenz zur Aktie. Rein rechnerisch hatte sich also nichts geändert.

Mittlerweile haben sich die Aktionäre offenbar mit der Situation abgefunden. Besinnt sich die Börse wieder aufs Tagesgeschäft? Heute ist die Commerzbank-Aktie jedenfalls wieder gefragt, rangiert sogar an der Spitze des Dax. Das Papier legte um bis zu vier Prozent auf 3,33 Euro zu, die Bezugsrechte um bis zu neun Prozent auf 1,04 Euro.

Was den Aktionären blüht

Was kommt auf die Aktionäre zu?

Alle Commerzbank-Aktionäre erhalten von der Bank ein Schreiben, zu welchen Konditionen die Kapitalerhöhung stattfinden wird. Wie das Institut gestern Abend mitteilte, kosten die neuen Aktien 2,18 Euro. Jeder Aktionär erhält das Recht pro elf alte Aktien zehn neue Aktien zu erwerben. Das Bezugsrecht endet am 6. Juni.

Was bedeutet eine Teilnahme?

Wenn Aktionäre ihren Anteil am Grundkapital der Commerzbank stabil halten wollen, weil sie an einen Erfolg der Bank glauben, müssen sie bei der Kapitalerhöhung mitmachen. Diese Option wird ihnen durch den kräftigen Abschlag auf den Aktienkurs versüßt, der rund 45 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag betragen wird. Die Aktie ging mit 3,95 Euro aus dem Handel. Der Abschlag ist damit größer als derjenige, den die Deutsche Bank bei ihrer Kapitalerhöhung im Herbst 2010 bieten musste.

Was unterscheidet diese Kapitalerhöhung von der im April?

Diesmal weiß der Anleger vorher, zu welchem Preis er die neuen Aktien erwerben kann. Und er hat ein verkäufliches Bezugsrecht. Bei der Transaktion im April hatten die Aktionäre dagegen nur ein Erwerbsrecht für neue Aktien erhalten. Das bedeutet, sie konnten dieses Recht nur ausüben oder es verfallen lassen. Ein Verkauf des Erwerbsrechts war praktisch nicht möglich. Außerdem wussten die Anleger nicht vorab, zu welchem Preis die neuen Aktien platziert würden. Sie hätten also die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen müssen. Das gilt mit als Grund dafür, weshalb nur 22 Prozent der Altaktionäre mitzogen.

Was bedeutet ein Verzicht?

In dem Fall verringert sich der Anteil des Aktionärs am Grundkapital der Bank deutlich. Im Fachjargon spricht man von einer "Verwässerung". Die Zahl der Aktien wird sich nämlich in diesem zweiten Schritt beinahe verdoppeln. Verzichtet der Anleger auf die Kapitalerhöhung, kann er aber immerhin seine Bezugsrechte an den neuen Aktien über die Börse verkaufen. Zu welchem Preis, das entscheiden Angebot und Nachfrage. Der theoretische Wert der Bezugsrechte dürfte bei 84 Cent liegen.

Was machen die Großaktionäre?

Der Bund will seinen Anteil von 25 Prozent und einer Aktie behalten und wird sich mit rund 1,35 Milliarden Euro beteiligen, indem er stille Einlagen in Aktien umtauscht. Die Allianz, die beim ersten Teil der Kapitalerhöhung nicht mitzog, hat angekündigt, beim zweiten Teil der Kapitalerhöhung all ihre Bezugsrechte auszuüben. Dadurch hält sie ihren Anteil, der im ersten Schritt auf 4,85 Prozent verwässert wurde, diesmal stabil. Der Versicherer Generali wird dagegen nicht teilnehmen.

Was bedeutet das für den Kurs?

Aktien und Bezugsrechte werden ab dem 24. Mai getrennt voneinander gehandelt. Sobald das geschieht, wird der Aktienkurs sich in etwa um den Wert der Bezugsrechte verringern. Beim aktuellen Stand hieße das, dass er auf gut drei Euro fällt.

Eine echte Erklärung haben Experten nicht parat. Fundamental gebe es keine neuen Erkenntnisse, erklärte ein Händler. "Die Bank steht heute nicht besser da als vor drei Tagen." Ein anderer sprach im Zusammenhang mit dem Handel der Bezugsrechte von einem normalen Vorgang: "Einige Anleger versuchen, einen schnellen Cent zu machen." "Da stößt viel Nachfrage auf ein schwindendes Angebot", sagte ein Börsianer.

Bei Analysten fällt das Urteil gemischt aus. Kaufen, verkaufen, halten – eine klare Tendenz ist nicht auszumachen. Die Analysten der LBBW empfahlen die Aktien zum Kauf, nachdem sie die Titel bislang auf "Hold" stehen hatten. Ihr Kursziel senkten sie allerdings auf vier von 4,70 Euro. Die Verwässerung sei im Kurs inzwischen berücksichtigt. Nach den Kapitalerhöhungen schwinde zudem die Unsicherheit über die Höhe des Verwässerungseffekts, schrieben die Analysten in einer Kurzstudie. Nun sollte sich der Fokus wieder auf die verbesserte Ertragsstruktur der Commerzbank richten. Die Bank profitiere von der starken deutschen Konjunkturentwicklung und den höheren Kosten-Synergien nach der Integration der Dresdner Bank.

Kommentare (1)

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poolliter

26.05.2011, 13:53 Uhr

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