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22.05.2015

11:53 Uhr

Aktie im Fokus

Deutsche-Bank-Beben bleibt aus

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag erhielten Anshu Jain und Jürgen Fitschen Buhrufe und Pfiffe. An der Börse aber zeigt sich ein anderes Bild: Die Aktie verliert zwar, aber nicht wegen der Zweifel am Führungsduo.

Auf der Hauptversammlung wurde der Vorstand noch abgestraft, an der Börse ist von Anlegerärger nichts zu bemerken. Reuters

Aktienkurs stabil

Auf der Hauptversammlung wurde der Vorstand noch abgestraft, an der Börse ist von Anlegerärger nichts zu bemerken.

Auf den ersten Blick sieht der Aktienkurs am Morgen nach der Hauptversammlung dramatisch aus: Im Dax verlor das Papier des größten Geldhauses des Landes 2,3 Prozent. Damit zählte die Deutsche Bank deutlich zu den schwächsten Werten auf dem Frankfurter Parkett.

Doch auf den zweiten Blick ergibt sich ein anderes Bild. Das Beben, das auf der Hauptversammlung zu spüren war, bleibt zumindest am Morgen aus. Die Deutsche-Bank-Aktien wurden nämlich ex Dividende gehandelt. Und rechnet man den Dividendenabschlag heraus, notierten die Titel sogar 0,1 Prozent fester.

Die Devisentricks der Banken – und was sie nun kosten

Der Hintergrund

Im weltweiten Skandal um manipulierte Devisenkurse wollen die Regulierer erneut einige Großbanken zur Kasse bitten. Als erstes traf es am Mittwoch wieder einmal die Schweizer UBS, im Tagesverlauf dürften weitere Institute aus Großbritannien und den USA folgen. Die Ermittler sehen es als erwiesen an, dass Händler der Institute versucht haben, an wichtigen Wechselkursen zu schrauben, um Gewinne einzustreichen. Der Devisenmarkt ist billionenschwer und wurde in der Vergangenheit kaum überwacht.

Welche Banken sind aktuell betroffen?

Insidern zufolge wird in Kürze ein milliardenschwerer Vergleich bekanntgegeben, den an vorderster Front das US-Justizministerium eingefädelt hat. Betroffen sind demnach neben der UBS auch Barclays, Royal Bank of Scotland, JP Morgan und Citigroup. Die UBS gab ihren Teil der Strafe bereits am Morgen bekannt: Sie muss wegen Tricksereien am Devisenmarkt weitere 342 Millionen Dollar abdrücken. Das ist vergleichsweise wenig, was daran liegt, dass die Schweizer quasi als Kronzeuge in dem Fall auftraten.

Gab es bereits Vergleiche in der Affäre?

Ja. Im vergangenen November hatte es einen ersten Gruppenvergleich gegeben: Aufseher in Großbritannien, den USA und der Schweiz brummten sechs Geldhäusern eine Strafe von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar auf. Einige Banken, die jetzt zahlen müssen, waren schon damals Teil des Vergleichs - der allerdings mit anderen Behörden geschlossen wurde: UBS (die auch hier als erste auspackte), RBS, JP Morgan und Citigroup. Zudem wurden HSBC und Bank of America zur Kasse gebeten. Barclays scherte damals auf den letzten Metern aus - die britische Großbank wollte eine umfangreiche Einigung mit mehr US-Behörden, insbesondere der New Yorker Finanzaufsicht DFS von „Bankenschreck“ Benjamin Lawsky.

Warum ist die Deutsche Bank nicht dabei?

Die Deutsche Bank ist einer der größten Devisenhändler der Welt. Dennoch war sie bislang an keinem Vergleich beteiligt. Nach offiziellem Bekunden sieht sich Deutschlands größtes Geldhaus bei den Tricksereien nicht an vorderster Front. Die Bank startete zur Aufklärung der Affäre aber eine interne Untersuchung. Laut Aufsichtsratskreisen gab es bislang keine Hinweise auf Tricksereien bei den wichtigsten Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen, wohl aber beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso. Einige Händler wurden deshalb entlassen oder beurlaubt. Auch Credit Suisse, die Nummer zwei in der Schweiz, sieht sich höchstens am Rande in den Devisenskandal verwickelt.

Sind auch andere deutsche Banken beteiligt?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin erklärte vor einem Jahr, bei mehreren deutschen Geldhäusern liefen interne Devisen-Untersuchungen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Schlagzeilen machte die Commerzbank, die zwei Devisenhändler vor die Tür setzte, die versucht haben sollen den Wechselkurs des polnischen Zloty zu manipulieren.

An welchen Fronten droht weiter ärger?

Unberührt von den bisherigen Vergleichen sind mögliche strafrechtliche Ermittlungen gegen Einzelpersonen. Außerdem drohen im äußersten Fall Schadenersatzklagen von Investoren, wenn sie sich durch die Banken getäuscht sehen. Frühere Schuldeingeständnisse könnten hier eine Rolle spielen. Auch die EU-Kommission kann eigene Bußgelder in der Sache verhängen. Die Behörde in Brüssel ermittelt noch.

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag konnte das Geldinstitut seine Anleger nicht annähernd so wohlstimmen. Die Führungsspitze um die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen mussten eine herbe Schlappe hinnehmen: Bei der obligatorischen Entlastung des Vorstandes sprachen nur knapp 61 Prozent der Aktionäre den beiden ihre Zustimmung aus. Für Deutschland üblich sind Zuspruchraten von 95 Prozent und mehr. Skandale um die Manipulation des Leitzinses Libor und Tausende Rechtsstreitigen haben das Ansehen des Geldhauses schwer beschädigt.

Auch der am Mittwochabend kurzerhand auf den Weg gebrachte Vorstandsumbau reichte nicht, um die Gemüter zu besänftigen. Um die neue Strategie anzuschieben, krempelt Aufsichtsratschef Paul Achleitner den Vorstand um: Jain wird sich persönlich um die Umsetzung der neuen Strategie kümmern. Fitschen dagegen, der seit einigen Wochen vor dem Münchner Landgericht wegen Vorwürfen des Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren auf der Anklagebank sitzt, bekommt keine zusätzlichen Aufgaben, er gibt sogar welche ab.

Wichtigste Entscheidung auf der Hauptversammlung war die Abspaltung der Deutschen Postbank. Das restliche Privatkundengeschäft mit den „blauen“ Filialen wird zusammengestrichen, während die Investmentbanker wieder an Macht gewinnen. Sowohl Kleinanleger als Großinvestoren sind unzufrieden mit den bisherigen Fortschritten. Die Deutsche Bank war bei Kosten und Rendite hinter den Zielen ihrer „Strategie 2015+“ geblieben. Bei der kürzlich präsentierten „Strategie 2020“ vermissen die Aktionäre noch Details. Immerhin an der Börse scheint das der Deutschen Bank noch nicht zu schaden.

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