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30.10.2013

16:27 Uhr

Aktie im Fokus

Die Vergangenheit holt die Deutsche Bank ein

VonSerkan Dizbay

Der Gewinn der Deutschen Bank bricht um satte 94 Prozent ein. Aktionäre zeigen sich schockiert. Der Aktienkurs reagiert prompt. Analysten empfehlen die Papiere dennoch zum Kauf. Lohnt sich jetzt der Einstieg?

Dunkle Wolken ziehen über den Doppeltürmen der Deutschen Bank auf: Trotz des schwachen Quartalsergebnisses halten sich die Kursverluste bisher in Grenzen. Doch die Risiken für größere Verluste sind zuletzt enorm gestiegen. dpa

Dunkle Wolken ziehen über den Doppeltürmen der Deutschen Bank auf: Trotz des schwachen Quartalsergebnisses halten sich die Kursverluste bisher in Grenzen. Doch die Risiken für größere Verluste sind zuletzt enorm gestiegen.

DüsseldorfKaum ein Geldhaus kam so gut durch die Finanzkrise wie die Deutsche Bank. Doch fünf Jahre nach der Lehman-Pleite scheint die Vergangenheit nun Deutschlands größtes Kreditinstitut eingeholt zu haben. Milliardenschwere Altlasten verhagelten jüngst die Quartalsbilanz. Der Gewinn brach um satte 94 Prozent ein. An der Börse reagierten die Kurse prompt. Am Dienstag rutschten die Papiere in der Spitze um 3,3 Prozent auf 34,72 Euro ab, den niedrigsten Stand seit knapp drei Wochen. Auch am Mittwoch notierte die Aktie im Minus.

Lohnt sich für Anleger auf diesem Niveau jetzt ein Einstieg? Die aktuellen Quartalszahlen mahnen zur Vorsicht. So brach der Gewinn im dritten Quartal auf 51 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum hatte die Deutsche Bank noch einen Gewinn von 754 Millionen Euro ausweisen können. Hintergrund sind vor allem juristische Altlasten. So erhöhte das Institut seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 1,2 Milliarden Euro. Damit beläuft sich die Vorsorge jetzt insgesamt auf mehr als vier Milliarden Euro. „Ob das reichen wird bleibt abzuwarten“, kommentiert Rechtsanwalt Klaus Nieding die Zahlen.

Zum Großteil geht es in den Rechtsstreitigkeiten um fragwürdige Geschäfte mit Hypothekenpapieren aus der Zeit kurz vor der Finanzkrise. Nach der saftigen Geldbuße, die die amerikanische Großbank JP Morgan zuletzt zahlen musste, befürchtet auch Deutschlands größtes Kreditinstitut hohe Entschädigungszahlungen. Hinzu kommen mögliche Strafen etwa im Libor-Skandal sowie der Dauerstreit um die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002. Für Anleger bleibt der Unsicherheitsfaktor im Hinblick auf künftige Strafzahlungen und damit verbundenen Kursverlusten somit hoch.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Doch auch im eigentlichen Kerngeschäft läuft es nicht rund. Im Investmentbanking schrumpfte der Gewinn um zwei Drittel auf 1,1 Milliarden Euro. Besonders stark ist die Deutsche Bank traditionell im Handel mit Anleihen und anderen festverzinslichen Papieren. Hier gingen die Gewinne im Jahresvergleich um die Hälfte zurück. „Erfolgsmeldungen aus dem Geschäft der Deutschen Bank gibt es kaum. Die nun vorgestellten Zahlen spiegeln genau den Eindruck wieder, den man als Anleger von außen schon länger hatte: Es läuft nicht wirklich rund bei der Deutschen Bank.“, sagt Klaus Nieding, der als Vertreter von Aktionärsinteressen bereits seit vielen Jahren die Hauptversammlungen des Unternehmens besucht.

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