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25.02.2013

17:04 Uhr

Aktie im Fokus

Erfolgsgeschichte mit geringer Rendite für Aktionäre

VonLukas Bay, Serkan Dizbay

Der BVB schickt sich an, das Rekordergebnis des Doublejahres zu toppen. Doch im Aktienkurs spiegelt sich das noch nicht wider. Das liegt vor allem an der Skepsis der Aktionäre.

Trotz Titeln bleibt die BVB-Aktie niedrig bewertet. dpa

Trotz Titeln bleibt die BVB-Aktie niedrig bewertet.

DortmundWenn am Mittwoch das Viertelfinale des DFB-Pokals angepfiffen wird, trifft Rekordmeister Bayern München auf Meister Borussia Dortmund. Finanziell schließen die Borussen zu den Bayern auf. Im ersten Halbjahr haben die Schwarzgelben einen Umsatz von 124,1 Millionen Euro erwirtschaftet - das sind 22,4 Prozent mehr als im Doublejahr. Insbesondere die Erfolge aus der Champions League bessern die BVB-Bilanz auf. Der Gewinn legte um 1,4 Millionen Euro auf nun 14,2 Millionen Euro zu. Damit steuern die Borussen auf einen neuen Bundesliga-Rekord zu.

Und in der BVB-Bilanz schlummern noch stille Reserven. Die "immateriellen Vermögenswerte", zu denen unter anderem die Mannschaft zählt, werden derzeit mit 38,4 Millionen angegeben. Durch den Reus-Transfer stieg der Buchwert zwar um rund 13 Millionen - er liegt aber immer noch deutlich unter dem Wert, den die Mannschaft tatsächlich am Markt erzielen würde.

Allein durch den Ausrüstervertrag mit Puma ist auch der Umsatz im Merchandising um sechs Millionen Euro auf nun 17,8 Millionen Euro gestiegen. Zudem profitiert der BVB von zusätzlichen TV-Einnahmen von rund acht Millionen Euro, die im Wesentlichen mit Einnahmen aus der Champions League zu begründen sind.

Nachdem der Verein vor acht Jahren nur knapp der Insolvenz entging und jahrelang im Mittelfeld der Liga dümpelte, ist Borussia Dortmund damit auch finanziell zurück in der Erfolgsspur. Der Erfolg hat einen Namen: Seit Trainer Jürgen Klopp 2008 das Kommando übernommen hat, geht es auch mit dem Aktienkurs stetig aufwärts. Vergangene Saison gelang das erste Double der Vereinsgeschichte - Meisterschaft und Pokalsieg in einer Saison.

Fußball: Geldquellen und Vermögen des BVB

Sponsoren

Der BVB hat sich wichtige Einnahmequellen mittel- und langfristig vertraglich abgesichert. Dazu zählen insbesondere die Einnahmen durch Premium-Sponsoren, insbesondere Evonik, Signal Iduna, Puma, Opel, Brinkhoff‘s, Sparda-Bank, Sprehe, Wilo, Hankook, Flyeralarm, Westlotto, Turkish Airlines und Huawei.

Quelle: Vorläufige Bilanz 2013/14, Finanzberichte

Werbung

Die sportlichen Erfolge machen den Verein als Werbeträger für Sponsoren immer beliebter. Im Geschäftsjahr 2013/2014 stiegen die Einnahmen durch Werbung um 3,7 Millionen auf 73 Millionen Euro. Allein der Vertrag mit dem langjährigen Sponsor Evonik soll dem Klub bis 2025 rund 250 Millionen Euro in die Kasse spülen.

TV-Vermarktung

Die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung bleiben der größte Einnahmenposten, auch wenn sie durch das frühere Champions-League aus leicht gesunken sind: 81,4 Millionen Euro flossen in die Kasse des Vereins - in der Saison 2012/2013 betrugen die TV-Einnahmen noch etwa 87,6 Millionen Euro, was der Verein vor allem dem Finaleinzug im Europapokal zu verdanken hatte.

Merchandising

Für Trikothersteller Puma ist der BVB ein lukrativer Partner. Denn durch die internationalen Erfolge steigt weltweit die Nachfrage nach schwarz-gelbem Merchandising. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die Einnahmen in diesem Bereich um 3,6 Millionen Euro auf insgesamt 35 Millionen Euro.

Catering, Handel und Lizenzen

Beim Catering und den sonstigen Einnahmen, zu denen beispielsweise Versicherungszahlungen für verletzte Spieler und Entschädigungen des DFB für abgestellte Nationalspieler zählen, steht unter Strich ein Plus. Insgesamt erwirtschaftet der BVB hier 26,3 Millionen Euro, nach 20,3 Millionen im Vorjahr.

Ticketerlöse

Mehr als 80.000 Zuschauer passen in den Signal Iduna Park – und die Arena ist regelmäßig ausverkauft. Doch weil diesmal kein Champions-League-Halbfinale im Dortmunder Stadion gespielt wurde, sinken die Einnahmen in diesem Bereich. Rund 40,5 Millionen Euro nehmen die Dortmunder durch Ticketverkäufe ein, im Vorjahr waren es 44,8 Millionen Euro. Viele Top-Clubs wie Bayern München oder Real Madrid haben weniger Zuschauer, aber trotzdem höhere Einnahmen. In Dortmund rühmt man sich jedoch niedriger Ticketpreise und ist stolz auf die günstigen 28.000 Stehplätze, auf denen die Stimmung im Stadion entsteht.


Stadion

Der Signal Iduna Park hat 80.645 Plätze und ist damit das größte Fußballstadion Deutschlands. Durchschnittlich über 90 Prozent betrug die Auslastung in den letzten zehn Jahren. Laut der englischen "Times" ist es zugleich das

schönste Fußballstadion der Welt.

Fans

Durchschnittlich 80.520 Personen schauten in der Saison 2013/2014 den Spielen zu. Damit war der BVB die Nr. 1 in Deutschland vor Bayern München (71.000). Zum zweiten Mal in Folge lag der BVB auch in Europa (!) vor Manchester United (75.032) und vor dem FC Barcelona (73.812), wie sich aus der Internetseite www.weltfussball.de ergibt. Allein 54.000 Dauerkarten bedeuten Allzeit-Rekord in der Bundesliga.

Image

Borussia Dortmund ist nach der „Fußballstudie 2013“ der TU Braunschweig der beliebteste Verein in Deutschland. Die Nr.1 ist der BVB auch im „BrandFeel Ranking 2013”. Dies ist das Marken-Ranking zur Fußball-Bundesliga von Mafo.de. Die Online-Marktforscher haben die Vereine bezüglich Markenstärke, Image und Positionierung bewertet.

Spielerkader

Durch die Erfolge wird der Spielerkader immer wertvoller. Die Transferpolitik, junge talentierte Spieler zu verpflichten und/oder zu entwickeln, generiert zudem erhebliche „stille Reserven” in den Spielerwerten. Der Verein nennt zum Beispiel Marian Sarr, Marvin Duksch, der ausgeliehen wurde, Jonas Hofmann, Erik Durm, Ilkay Gündogan, Sven Bender, Marco Reus, Neven Subotic oder Mats Hummels. Den Buchwert des Lizenzspielerkaders zum 30.06.2013 kalkulierte der Verein auf 28,4 Millionen Euro.

Doch von diesem Märchen können nur Aktionäre profitieren, die in den letzten Jahren eingestiegen sind. Mit der knapp abgewendeten Insolvenz 2005 schmierte die Aktie (DE0005493092) von 10 Euro auf 2,50 Euro ab, erreichte in der Folge sogar Penny-Stock-Niveau. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder auf 3,25 Euro erholt. Vom durchschnittlichen Ausgabekurs von 4,98 Euro ist die Aktie aber weiterhin weit entfernt.

„Wir sehen leider, dass viele Leute die Vergangenheit, die Borussia Dortmund hat, noch weiter präsent haben“, sagt BVB-Finanzgeschäftsführer Thomas Treß, die rechte Hand von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Erstmals seit dem Börsengang vor zwölf Jahren zahlte der Club zuletzt auch wieder eine Dividende, um Aktionäre zu locken. Sechs Cent je Aktie. Ein Wert, der so manchen Analysten enttäuscht hat, obwohl der der BVB mit einer Dividendenrendite von knapp zwei Prozent mit Börsengrößen wie SAP oder Infineon mithalten kann.

Kommentare (1)

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halbgott

25.02.2013, 18:56 Uhr

"Beim Gewinn sehen viele Analysten keine großen Steigerungsmöglichkeiten. Der Grund hierfür liegt an der fehlenden internationalen Vermarktung des Vereins."

Hm, viele Analysten?? Es gibt derzeit nur einen, Egon Kränzle. Sebastian Hein hat offensichtlich die Coverage eingestellt.

Und die fehlende internationale Vermarktung ist eigentlich ein zwingender Grund hier sehr große Steigerungsmöglichkeiten zu sehen. "Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) Christian Seifert hält eine drastische Steigerung bis hin zu einer Verdopplung der Einnahmen bis 2015 für realistisch. "

http://bvbaktie.blogspot.de/2013/02/tv-vermarktung.html

Bei der Inlandsvermarktung gilt ab der nächsten Saison der neue TV Vertrag, eine Steigerung von unfaßbaren 52%.

Wie man auf diesen Titel kommt "Erfolgsgeschichte ohne Auszahlung" ist mir auch schleierhaft. Vor den drei Titeln dümpelte die Aktie bei einem Euro, zuweilen gar bei 0,80, nun hat sich der Kurs knapp vervierfacht, dazu die Dividende, anscheinend hat sich der Erfolg für die Aktionäre gelohnt.

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