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09.09.2014

10:08 Uhr

Aktie im Fokus

Evotec erlebt größten Kurssturz seit 2002

Evotec kämpft um seine Ergebnisprognose. Die Gefahr einer ausbleibenden Meilensteinzahlung belastet die Bilanzen. Anleger reagierten geschockt. Zeitweise rauschten die Aktien über 20 Prozent ins Minus.

Kleine Ampullen große Wirkung: Die unterbrochene Entwicklung eines Diabetesmittel bringt Evotec ins Wanken. dapd

Kleine Ampullen große Wirkung: Die unterbrochene Entwicklung eines Diabetesmittel bringt Evotec ins Wanken.

FrankfurtDas Biotechunternehmen Evotec sieht seine Ergebnisprognose in Gefahr. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Firma eine in diesem Jahr fällige Meilensteinzahlung nicht erhält, erklärte eine Evotec-Sprecherin am Montagabend. „Wir sind in Gesprächen, um die Zahlung noch zu bekommen“, sagte sie.

Die offene Forderung belaufe sich auf 3,4 Millionen Euro. Sie sei nötig, damit Evotec seine Ergebnisprognose für dieses Jahr erreiche, die einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) auf Vorjahresniveau vorsieht. Sollte Evotec die Zahlung nicht erhalten, sei mit einem Ergebnisrückgang zu rechnen. 2013 erzielte Evotec ein bereinigtes Ebitda von 10,4 Millionen Euro.

Evotec-Aktien brachen nach der Mitteilung drastisch ein. Zuletzt notierten die Papiere rund 16,6 Prozent leichter. Zeitweise betrugen die Verluste mehr als 22 Prozent. So einen krassen Kurssturz haben die Aktien des Biotechunternehmens das letzte Mal im Jahr 2002 erlebt. Damals stießen die Anleger die Aktie ab, nachdem der Konzern seine Ergebnisziele gekappt hatte.

Hintergrund sind Probleme mit dem Diabetesmittel DiaPep277, an dem die isrealische Biotechfirma Andromeda die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte hält und für das Evotec Anspruch auf Umsatzbeteilungen und Meilensteinzahlungen hat. Andromeda wurde erst kürzlich vom US-Biopharmaunternehmen Hyperion Therapeutics übernommen, das am Montag mitteilte, die Entwicklung von DiaPep277 einzustellen.

Ursprünglich wurde das Mittel vom Göttinger Biotechunternehmen Devologen entwickelt, das Evotec 2010 übernommen hatte. Bereits 2007 vergab Devologen die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte für das Präparat an Andromeda.

Hyperion habe Beweise gefunden, wonach sich Mitarbeiter von Andromeda „schwerwiegenden Fehlverhaltens in Bezug auf die Studiendaten von Diapep277 schuldig gemacht haben“, erläuterte Evotec. Offenbar wurde die Studie manipuliert, um ein positives Ergebnis zu erhalten. „Wir sind geschockt und entmutigt über dieses gravierende Fehlverhalten“, erklärte Hyperion-Chef Donald Santel. Diapep277 befand sich bereits in der dritten und damit letzten Phase der klinischen Entwicklung. Es wurde sogar als Medikament gegen seltene Krankheiten eingestuft. Damit kann eine Arznei den langwierigen Zulassungsprozess schneller durchlaufen und es winken Vermarktungsvorteile.

Von

rtr

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