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02.07.2012

11:43 Uhr

Aktie im Fokus

Facebook-Aktie ist und bleibt enttäuschend

VonAnette Kiefer

Die Facebook-Aktie ist abgestürzt und der Ausgabekurs ist weiter nicht in Sicht. Experten rechnen damit, dass es noch lange dauern wird, ehe sich das Papier etabliert hat.

Die Anzeigetafel leuchtet rot. Seit der Erstnotierung geht es mit der Facebook-Aktie bergab. Reuters

Die Anzeigetafel leuchtet rot. Seit der Erstnotierung geht es mit der Facebook-Aktie bergab.

FrankfurtWenn ich mir die Facebook-Titel anschaue, dann sehe ich nur eine teure Aktie ohne irgendeinen Grund, warum der Kurs in nächster Zukunft dramatisch steigen sollte." So hart urteilt US-Börsenguru Jim Cramer über die Aktie, deren Erstemission eigentlich der Höhepunkt des Börsenjahrs 2012 werden sollte. Auch sonst urteilen Experten eher lauwarm als begeistert: Bei den Erstbewertungen setzte die Mehrzahl der Banken auf ein neutrales Urteil. Ungewöhnlich für eine neue Aktie - in sieben von zehn Fällen überwiegen nach einem Börsengang die Kaufempfehlungen für den neuen Titel.

Anleger sind enttäuscht

Als Facebook im Mai zum ersten Mal öffentlich gehandelt wurde, war der Presserummel so groß wie seit acht Jahren nicht mehr. Damals war die Suchmaschine Google an die Börse gegangen. Doch auf die Facebook-Euphorie folgte schnell die Ernüchterung, als der Kurs absackte. Und auch nach Ablauf der 40-Tages-Frist, in der die Banken sich nicht öffentlich zu frisch gelisteten Aktien äußern, steht Facebook noch nicht so solide da wie vorher vermutet.

Dabei bestreiten selbst die Pessimisten nicht, dass Facebook noch große Chancen vor sich hat. Das größte Pfund, mit dem die Website wuchern kann, ist der gigantische Anstieg der Nutzerzahl: Derzeit nutzen rund 900 Millionen Menschen weltweit das Netzwerk, davon 526 Millionen sogar täglich. Das bedeutet: Fast die Hälfte aller Erdenbürger, die überhaupt einen Internetzugang besitzen, sind bei Facebook registriert. Das Bankhaus Goldman Sachs schätzt, dass die Zahl der Facebook-Mitglieder bis Ende 2014 auf mehr als 1,5 Milliarden steigt. Experten erwarten in diesem Jahr einen Umsatz von knapp fünf Milliarden Dollar.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Allerdings: Noch ist die Ernte nicht eingefahren. "Wir würden die Aktie wesentlich positiver sehen, wenn Facebook stärker auf Werbefilmchen oder Rich-Media-Anzeigen setzen würde, aber die sind bisher nicht in Sicht", kritisiert Daniel Salmon von BMO Capital, die Facebooks Börsengang begleiteten. Rich-Media-Inhalte verbinden etwa Animationen, Audio- und Videobotschaften.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

02.07.2012, 16:16 Uhr


Wie könnte es anders sein?
Facebook ist nicht weniger als eine moderne Litfaßsäule aber eben auch nicht mehr. Zwischen privaten Bildern und networking Aktivitäten wird Werbung platziert. Das war's auch schon fast. Facebook ist kein Technologieunternehmen von dessen Entwicklungen andere profitieren wie Microsoft, Googel, Appel etc.

Die Idee bleibt toll. Die Umsetzung gefällt. Klasse. Aber sonst?

Facebook

02.07.2012, 16:38 Uhr

"Aktie im Fokus" - in dem ganzen Artikel steht nicht einmal der heutige Kurs der Aktie!

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