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16.04.2014

11:19 Uhr

Aktie im Fokus

Geht Google die Luft aus?

VonWalter Epp

Seit zehn Jahren verwöhnt Google seine Aktionäre mit Kursgewinnen. Doch zuletzt schwächelte der Kurs der Google-Aktie. Ist das das Ende des Siegeszugs? Oder eine günstige Gelegenheit zum Kauf?

Die Google-Aktie hat in den vergangenen zehn Jahren fast 1000 Prozent gewonnen. ap

Die Google-Aktie hat in den vergangenen zehn Jahren fast 1000 Prozent gewonnen.

DüsseldorfTech-Werte sind die Rockstars der Börse. Fantastische Kursgewinne lassen Anleger vom großen Geld träumen. Im Silicon Valley hofft man jeden Tag auf das nächste große Start-Up. Doch IT-Aktien haben auch einen großen Nachteil: Sie sind oft sehr kurzlebig.

Google schien bislang die Ausnahme zu sein. Kein Unternehmen repräsentiert das Internet so sehr wie Google. Wer eine Google-Aktie kauft, kauft praktisch einen Anteil am Internet. Die Aktie erlebt seit ihrem Start im Jahr 2004 eine unvergleichliche Rally. In einem Jahrzehnt ist der Kurs um fast 1000 Prozent gestiegen. Doch seit einigen Wochen schwächelt die Aktie ein wenig. In den vergangenen vier Wochen ging es um sieben Prozent abwärts. Geht Google jetzt die Luft aus?

Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30 hoch bewertet. Apple hat gerade mal ein KGV von 12. Allerdings wird die Google-Aktie bereits seit Jahren als überteuert angesehen. Jedes Mal, wenn Analysten prophezeiten, der Höhepunkt sei erreicht, schaffte die Aktie ein neues Allzeithoch.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Die meisten Analysten empfehlen die Aktie nach wie vor zum Kauf. Carlos Kirjiner von Bernstein Research sieht die Google-Aktie als „übertrieben“ günstig an. Google sei im Vergleich zu Unternehmen mit vergleichbarer Entwicklung erheblich unterbewertet. Dank seiner Dienste wie Google Play habe die Aktie noch weiteres Kurspotenzial, so Kirjiner.

Ken Sena von Evercore Partners sieht vor allem Googles Vorstoß ins Reise-Segment als Kaufargument. Noch sei Google neu in der Branche. Sena geht aber davon aus, dass Google auch hier schnell zu einem Big Player werden könne. Er zweifle nicht an Googles Fähigkeit, Internetdienste in Geld zu verwandeln.

In den Lobesreigen reiht sich auch die US-Investmentbank Morgan Stanley ein, die für die Aktie ein Kursziel von 645 Dollar sieht. Der Aktiensplit mit der Einführung der C-Aktien würde sich nicht negativ auf den Kurs auswirken, betonte Jordan Monahan in seiner Analyse. Der Split sei ein mögliches Indiz dafür, dass Google in Zukunft Übernahmen nicht mehr in Bar, sondern mit eigenen nun extra geschaffenen Aktien bezahlen wolle.

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