Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2014

12:16 Uhr

Aktie im Fokus

Hoffnungsschimmer erzeugen keinen Strom

Quelle:Börse am Sonntag

Lösungen, Qualität, Vertrauen und Nachhaltigkeit: Bei welchem Merkmal liegt Solarworld hinter der Konkurrenz aus Asien? Vielleicht bei keinem, und es spielt kaum eine Rolle. Was in der Solarbranche zählt, ist der Preis.

Noch vor wenigen Monaten musste Solarworld-Chef Frank Asbeck einen Schuldenschnitt für sein Unternehmen hinnehmen. Dennoch zieht er für das vergangene Jahr eine positive Bilanz. Neue Investoren helfen der Firma wieder auf die Beine. dpa

Noch vor wenigen Monaten musste Solarworld-Chef Frank Asbeck einen Schuldenschnitt für sein Unternehmen hinnehmen. Dennoch zieht er für das vergangene Jahr eine positive Bilanz. Neue Investoren helfen der Firma wieder auf die Beine.

Aus Gläubigern mach Aktionäre – so hat Solarworld den Tiefpunkt seiner bisherigen Unternehmensgeschichte hinter sich gelassen. Im Rahmen des Sanierungsplans von August 2013 wagte das Unternehmen unter Führung des Gründers Frank Asbeck einen rigorosen Schuldenschnitt. Für die Aktionäre war diese Maßnahme kein Grund zur Freude, und auch Asbeck geriet massiv unter Kritik. Dennoch war es wohl die einzige Möglichkeit, die drohende Insolvenz im vergangenen Jahr zu verhindern. Alternativlos sozusagen, und bei diesem Stichwort kommt die Assoziation mit Bundeskanzlerin Angela Merkel passend. Denn die Solarindustrie in Deutschland und Europa wuchs um die Jahrtausendwende vor allem dank massiver staatlicher Subventionen. Die Abhängigkeit ist bis heute immens.

Vor dem Ausbrechen der Wirtschafts- und Finanzkrise stand Solarworld als Vorzeigeunternehmen da, mit deutlichen Innovationsvorsprüngen und hochqualitativen Produkten waren die Bonner ein international gefeierter Star. Zum Sortiment gehören multikristalline und monokristalline Solarstromtechnologien. Erstere sind kostengünstiger in der Herstellung, zeigen jedoch einen geringeren Wirkungsgrad. In beiden Varianten bildet das Halbmetall Silicium die wichtigste Grundlage. Die Wertschöpfungskette deckt Solarworld komplett ab: Von den Solarwafern, sozusagen den Rohlingen, über die Solarzellen und Solarmodule bis zu schlüsselfertigen Solarstromanlagen und notwendigen Recyclingprozessen ist alles dabei.

Ausländische Konkurrenten stellen häufig Produkte mit niedrigerer Lebensdauer oder Leistungsfähigkeit her, können durch Dumpingpreise aber die teureren Hersteller am Markt bedrängen. Anlässlich des Geschäftsberichts für 2013 zog Frank Asbeck eine positive Bilanz und lobte die erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen. Ein neuer Großinvestor trug entscheidend zur Besserung bei: „Die Qatar Solar S.P.C. hat frisches Kapital investiert und sich mit 29 Prozent an der Solarworld AG beteiligt. Dieses Engagement war wichtig für das Gelingen der Restrukturierung und wird sich auch in Zukunft positiv für uns auswirken.“

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Gleichzeitig muss Solarworld immer mehr auf die Nachfrage im Heimatmarkt Deutschland verzichten. Dessen schlechte Ergebnisse seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Konzernumsatz um rund 25 Prozent auf nur noch 456 Millionen Euro gesunken ist. Wo 2012 noch über 300 Millionen Euro zu Buche standen, waren es im letzten Jahr Erst für 2015 werden wieder operative Gewinne erwartet. Die Leidenszeit der Solarworld AG ist also noch lange nicht vorbei. Die Solarindustrie ist weiterhin ein risikoreiches Geschäft und mehr denn je vom Vertrauen der Kunden abhängig. Asbeck ist die prägende Persönlichkeit im Unternehmen geblieben. Er ist in seiner Funktion als CEO auch für strategische Konzernentwicklung, Produktion, Supply- Chain und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Der vermögende Hagener Unternehmer investierte im Verlauf des

Sanierungsprogramms selbst rund zehn Millionen Euro in die Solarworld AG. Dadurch sicherte er sich wieder knapp 21 Prozent der Papiere, denn auch Asbecks Anteile waren durch den Schuldenschnitt massiv geschrumpft. 55 Prozent der Schulden, etwa 500 Millionen Euro, wurden durch Ausgabe neuer Aktien an die Gläubiger umgewandelt. Die beiden Gremien, die dieser Teil der Gläubiger bildete, hätten mit einer Ablehnung des Sanierungsplans sogar die Insolvenz von Solarworld herbeiführen können.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.07.2014, 13:34 Uhr

Der Tiefpunkt eines Unternehmens ist spätestens dann erreicht, wenn es Gläubiger in einen Aktionärsstatus zwingt, um damit eine Insolvenz weiter auf die lange Bank zu schieben. Denn eines ist ganz klar sicher....diese Subventions-Branche der sog. Erneuerbaren Energien wird früher oder später den Weg zum Insolvenzgericht gehen müssen.

Und von einer hochtechnologischen Wertschöpfungskette bei einer hochsubventionierten und von staatlichen Gesetzen (EEG) abhängigen Branche (Erneuerbaren Energien) zu schreiben, dass haut nun wirklich dem Fass den Boden aus.
In einer Welt von staatlicher Willkür (Subventionen und Vorteilsgesetzen "EEG") gibt es keine wirtschaftliche und damit wohlstandschaffende Wertschöpfungsketten, wie wir diese in anderen Industrie- Energiebranchen (Kraftwerke) haben bzw. in Zunkunft dann hatten!

Account gelöscht!

14.07.2014, 13:55 Uhr

Achso...momentan liegt der Aktienwert von Solarworld bei 13,19 EUR.
Und das E-Auto von Tesla "Model S" macht ja immer noch Probleme genauso der rückgängige Markt in Norwegen

Herr Erich Görgens

17.07.2014, 11:21 Uhr

Solartechnolgie scheint auch wegen dem Wettbewerb aus China, nicht überlebensfähig. Technologisch keine wirklicher Verlust, Subventionen in den problematischen, alternativen Sparten, können demnach leicht eingespart werden.

Was fehlt ist eine echte Alternative. Eine, die keinerlei Umweltschäden oder Energieprobleme verursacht, weder Bereitstellungs-, Betriebs- oder Entsorgungsprobleme aufweist und keine Subventionen erforderlich macht und so als einzige Variante, die Kriterien der geforderten Nachhaltigkeit, erfüllen kann. Ist das Wunschdenken...?

NEIN, klinkt zwar unglaublich, ist aber bereits unwiderlegbar Realität und gehört zum Stand von Wissenschaft und Technik. Mit einem Wermutstropfen: Diese Technik funktioniert bisher nur bei Aufzügen mit Gegengewicht und spart dort im Idealfall 100% kinetische Energiebeschaffung - und Verzehr von ~105% gesamt erforderlicher Antriebsenergie.

Wenn wir also mit "modifizierter Technik" und potenzieller Energie Gleichgewicht einstellen und aufrechterhalten, können wir Generatoren, Autos oder sonstige Vorrichtungen antreiben, wie das bereits bei Aufzügen geschieht. Und, so können wir auc noch die restlichen ~5% kinetische Energie zur Überwindung der Reibung, dabei selbst generieren.

Politiker, Forschungsinstitute, Konzerne, Umweltschützer und andere Akteure sind informiert. Sie wissen von einfach realisierbaren Anwendungskonzepten, könnten eine vollständige Überprüfung vereinbaren, haben sich aber dazu noch nicht entschlossen. Warum wohl...?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×