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09.07.2014

10:21 Uhr

Aktie im Fokus

Mehr als nur heiße Luft

Quelle:Börse am Sonntag

Noch vor drei Jahren kämpfte der dänische Windradbauer Vestas mit Rekordverlusten. Nun ist das Unternehmen zurück auf Kurs. Seit Jahresbeginn konnten die Aktien um 79 Prozent zulegen. Doch ein großes Risiko bleibt.

Der dänische Windanlagebauer Vestas ist auf Erholungskurs. Seit Jahresbeginn gewannen seine Aktien rund 79 Prozent. dpa

Der dänische Windanlagebauer Vestas ist auf Erholungskurs. Seit Jahresbeginn gewannen seine Aktien rund 79 Prozent.

In den vergangenen Jahren wurde besonders in Deutschland die Debatte um erneuerbare Energien sehr intensiv geführt. Als alternative Option zu Öl, Gas und Kohle soll die Windkraft weiter ausgebaut werden. Bereits jetzt belegt sie Platz eins der Erneuerbaren vor Biomasse, Wasserkraft, Photovoltaik und Siedlungsabfällen. Das letzte Jahr offenbarte jedoch ihre größte Schwäche: Wie die Bundesregierung im Januar mitteilte, sei der Anteil der erneuerbaren Energieformen im Vergleich zu 2012 zwar auf 23,4 Prozent gestiegen, die Windkraft jedoch leicht um 0,1 Prozent zurückgegangen.

Und das, obwohl 2013 Anlagen mit einer Leistung von 2.998,41 Megawatt (MW) neu installiert wurden. Begründet wurde der Rückgang mit ungünstigen Witterungsbedingungen – darauf hatte auch Vestas keinen Einfluss. Der Konzern aus Randers in Dänemark ist seit 1986 im deutschen Markt tätig und hat nach eigenen Angaben heute mehr als 6.500 Windenergieanlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 9.000 MW im Bundesgebiet installiert.

Noch 2008 hatte Vestas über 5.500 neue Mitarbeiter eingestellt, 2009 sollten, hauptsächlich in den boomenden Märkten China und USA, 5.000 weitere folgen. Doch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise macht dem einen Strich durch die Rechnung: Das Auftragsvolumen ging zurück, viele bestehende Aufträge wurden verschoben. Innerhalb eines Jahres brach der zuvor so starke Gewinn um knapp 64 Prozent ein. Allein im zweiten Quartal 2010 stand ein operativer Fehlbetrag von 148 Millionen Euro zu Buche. Dann kamen die beiden Seuchenjahre 2011 und 2012, in denen zwischenzeitlich gar an der Zukunft des Konzerns gezweifelt wurde.
Der Umsatz fiel von 6,9 auf 5,8 Milliarden Euro in 2011, ein Sanierungsplan musste her.

Im Jahr darauf wurde mit der Umsetzung des Plans begonnen. Tausende Beschäftigte mussten entlassen, etliche Fabriken geschlossen werden. Doch so schnell war dem Abwärtstrend nicht beizukommen. Während das Auftragsvolumen sich langsam wieder erholte, schockierte Vestas die Öffentlichkeit mit einem Rekordverlust von 697 Millionen Euro. Bis zu seinem Abschied im Sommer 2013 machten viele Ditlev Engel für die Talfahrt verantwortlich. Der Vorstandsvorsitzende habe zu spät auf die Krise in der globalen Windindustrie reagiert und zu lange die Produktionskapazitäten erhöht.

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Die Branche ist bekannt dafür, verzögert auf Konjunkturänderungen zu reagieren. Da befand Vestas sich allerdings schon auf dem Weg der Besserung, den Sparplan hatte Engel strikt durchgeführt. Deshalb beinhaltete der Jahresbericht von 2013 auch erstmals wieder Gewinne in Höhe von 102 Millionen Euro. Analyst Jacob Pedersen von Sydbank A/S sagte im Februar 2014: „Jetzt haben sie keine Schulden und brauchen nicht dringend Geld. Daher ist es der perfekte Zeitpunkt, um den Markt anzuzapfen.”

Gesagt, getan, ganze 20,37 Millionen neue Aktien wurden angeboten. Passend war da schon das Wort Erholungskurs. Das historische – und im Vergleich zum Allzeithoch von 92,60 Euro desaströse – Tief bei gerade mal über 3 Euro wirkt mittlerweile nur noch wie ein Schatten einer bösen Vergangenheit. Vor kurzem wurde die 40 Euro-Marke überschritten, aktuell befindet das Papier sich auf Konsolidierungskurs leicht darunter.

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