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03.11.2015

10:16 Uhr

Aktie im Fokus

Neue Abgas-Vorwürfe bringen VW-Aktie in Bedrängnis

VW-Skandal Teil 2? Die US-Umweltbehörde beschuldigt VW, auch größere Dieselmotoren manipuliert zu haben. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. Die Aktie rettet das dennoch nicht. Sie rutscht deutlich ins Minus.

Auch bei hubraumstarken Dieselmotoren soll VW geschummelt haben. Reuters

V6-Diesel von Porsche

Auch bei hubraumstarken Dieselmotoren soll VW geschummelt haben.

Düsseldorf/Berlin/WashingtonHat VW auch bei Drei-Liter-Motoren getrickst? Der Konzern sagt nein, die US-Umweltbehörde ja. Für den Autokonzern könnte der Manipulationsskandal weitere Kreise ziehen. Schlimmer noch. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wären nicht nur VW-Modelle mit kleineren Motoren betroffen, sondern auch die hubraumstarken Marken Porsche und Audi. Die VW-Aktionäre reagieren dementsprechend verunsichert. Am Dienstag rutschten die Aktien mit einem Minus von 3,1 Prozent ans Dax-Ende. Zeitweise verloren die Papiere sogar mehr als vier Prozent.

„Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, würde dies die Kosten für 'Dieselgate' deutlich in die Höhe treiben“, sagte ein Händler. Zudem dürfte der Druck auf den neuen VW-Chef Matthias Müller größer werden, sollte auch Porsche in den Skandal verwickelt sein. Müller war Chef bei Porsche. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsste Müller indirekt ebenfalls von den Abgasmanipulationen gewusst haben. Bislang gehörte Müller zu einer der wenigen VW-Manager mit einer weißen Weste.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hatte dem Wolfsburger Konzern am Montagabend vorgeworfen, die Schummel-Software auch bei Drei-Liter-Diesel-Motoren der Modelle VW Touareg, Porsche Cayenne sowie von mehreren Audi-Modellen eingebaut zu haben. Porsche entwickelt nur Benzinmotoren selber und greift für Diesel auf die Vorarbeit von Audi und VW zurück. In der Regel werden die Diesel für den Sportwagenbauer angepasst, etwa mit ein paar zusätzlichen Pferdestärken. Im Kern bleiben die Selbstzünder-Antriebe aber markenübergreifend identisch.

Große Rückrufaktionen der Autobranche

Millionen betroffen

Immer wieder müssen Autohersteller Wagen in die Werkstätten beordern. In der Abgas-Affäre steht Volkswagen mit insgesamt elf Millionen betroffenen Autos vor einer der größten Aktionen der vergangenen Jahre. Beispiele für große Rückrufe.

Oktober 2015

In der Diesel-Affäre ordnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen verpflichtenden Rückruf für 2,4 Millionen Volkswagen-Fahrzeuge in Deutschland an.

September 2015

Fiat Chrysler muss in Nordamerika gut 1,7 Millionen Fahrzeuge wegen technischer Mängel in die Werkstätten beordern. Die Gründe sind Fehler am Lenkrad und Probleme mit Airbags.

August 2015

Wegen Airbag-Problemen ruft Volkswagen in den USA 420 000 Autos zurück. Schwierigkeiten mit einer Feder am Lenkrad könnten dazu führen, dass der Airbag bei einem Unfall nicht auslöst.

Juli 2015

Chrysler ruft in den USA 1,4 Millionen Wagen wegen einer Sicherheitslücke zurück, die zwei Hacker aufgedeckt hatten. Durch fehlerhafte Software könnten Autos aus der Ferne manipuliert werden.

Mai 2015

Der japanische Airbag-Hersteller Takata muss Gefahren bei insgesamt 19,2 Millionen Autos zugeben und läutet damit die bis dahin größte Rückrufaktion der US-Autoindustrie ein.

April 2015

Der japanische Kleinwagen-Spezialist Suzuki Motor ruft rund zwei Millionen Autos in die Werkstätten zurück, die meisten davon in Japan. Grund sind mögliche Defekte bei Zündschlössern.

März 2014

General Motors weitet die Rückrufaktion wegen Problemen an Zündschlössern aus. Betroffen sind mittlerweile rund 2,6 Millionen Fahrzeuge. Sie wurden meist in den USA und Kanada verkauft. Der Konzern muss sich für mindestens 13 Tote und 31 Unfälle verantworten.

November 2013

Volkswagen holt über 2,6 Millionen Autos in die Werkstätten. Weltweit gibt es Qualitätsprobleme. Im selben Monat treten wegen diverser Rückrufaktionen des südkoreanischen Autobauers Hyundai drei Manager dieses Unternehmens zurück.

Juni 2013

Chrysler startet einen massenhaften Rückruf in den USA. Die Verkehrssicherheitsbehörde hatte gefordert, 2,7 Millionen ältere Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty zu prüfen - Tanks könnten bersten, wenn die Geländewagen gerammt würden.

Oktober 2012

Fast 7,5 Millionen Autos weltweit ruft Toyota wegen Problemen mit elektrischen Fensterhebern zurück.

Volkswagen wies den neuen Vorwurf aber umgehend zurück. Man habe kein Programm installiert, „um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern“. Die neusten Vorwürfe der EPA wiegen aber schwer. „VW hat einmal mehr seine Verpflichtungen missachtet, sich an die Gesetze zu halten, welche saubere Luft für alle Amerikaner sichern“, sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles laut Mitteilung. Den Kern des Vorwurfes beschreibt die Behörde wie folgt: „Die Software in diesen Fahrzeugen beinhaltet ein oder mehrere Zusatz-Instrumente zur Abgas-Kontrolle, die der Konzern bei der Zulassung der Modelle nicht offengelegt, beschrieben und begründet hat.“ Laut EPA erkennt eben jene Software, die der Behörde zunächst verborgen blieb, die Abgas-Testprozedur aus den USA und schaltet in einen Modus, der Stickoxide (NOx) gezielt mindert. Für NOx-Gase gelten in den Vereinigten Staaten besonders strikte Grenzen.

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