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24.01.2013

16:42 Uhr

Aktie im Fokus

Nokia nach Quartalsbericht unter Druck

Nokia schreibt wieder schwarze Zahlen. Gleichzeitig verzichtet der Handy-Riese erstmals seit 20 Jahren auf eine Dividende. Bei den Anlegern kommt diese Meldung gar nicht gut an.

Das Smartphone-Geschäft schwächelt weiter. Das neue Windows 8-Phone Nokia Lumia soll die endgültige Trendwende bringen. Reuters

Das Smartphone-Geschäft schwächelt weiter. Das neue Windows 8-Phone Nokia Lumia soll die endgültige Trendwende bringen.

Mitte vergangenen Jahres stand die Aktie von Nokia kurz vor der Degradierung zum Penny-Stock. Bei 1,35 Euro schaffte die Aktie des ehemaligen Handy-Weltmarktführers dann aber die Wende. Bis Anfang Januar stieg der Kurs bis auf 3,50 Euro. Ein stattlicher Gewinn von mehr als 150 Prozent. Der jüngste Quartalsgewinn gibt Hoffnung auf weitere Kurssteigerungen. Der Verzicht auf eine Dividende zeigt aber, dass die Krise noch lange nicht ausgestanden ist.

Die Krise des finnischen Handy-Pioniers begann mit dem Siegeszug des Smartphones. Nokia verpasste damals den Sprung auf die Smartphone-Welle und kämpfte seit dem mit hohen Milliarden-Verlusten. Im vergangenen Quartal ist der finnische Handy-Riese in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Nokia meldete einen Gewinn von 202 Millionen Euro für das letzte Vierteljahr 2012.

Doch die Krise ist noch lange nicht überwunden. Der Umsatz schrumpfte im Jahresvergleich um fast ein Fünftel auf 8,04 Milliarden Euro. Für das gesamte Jahr 2012 steht trotz des besseren Schlussquartal immer noch einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro in der Bilanz. Zudem sollen die Aktionäre erstmals seit mehr als 20 Jahren keine Dividende erhalten. Damit will sich Nokia mehr finanziellen Spielraum verschaffen.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Die Wende ist mit dem ersten Quartalsgewinn seit eineinhalb Jahren noch nicht geschafft. Für das laufende Quartal kündigte Nokia wieder eine voraussichtlich negative operative Rendite im Kerngeschäft mit Mobiltelefonen an - ein Hinweis auf einen möglichen Verlust.

Wenige Stunden vor Veröffentlichung der Quartalsergebnisse von Nokia hatten bereits zahlreiche Anleger auf eine Enttäuschung gewettet. Etwa 19 Prozent aller Aktien des Unternehmens waren kurz vor Bekanntgabe der Zahlen verliehen, teilte der Datenanbieter Markit am Donnerstag mit. Anleger leihen sich Aktien eines Unternehmens, um sie sofort zu verkaufen. Im Börsenjargon wird dies "Leerverkauf" genannt. Dabei hoffen die Investoren darauf, die Papiere zum Ende der Ausleih-Frist billiger zurückkaufen zu können. Den Preisunterschied streichen sie als Gewinn ein.

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