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17.06.2012

08:56 Uhr

Aktie im Fokus

Optimisten hoffen auf Wende bei Nokia

VonUlf Sommer

Hat die Börse immer recht? Nokia ist derzeit so niedrig notiert wie zuletzt im Mai 1996. Doch auch bei Apple hat die Börse frühzeitig ein Urteil gefällt - und sich getäuscht.

Seit dem Hoch im Jahr 2000 verlor die Nokia Aktie 98 Prozent. dpa

Seit dem Hoch im Jahr 2000 verlor die Nokia Aktie 98 Prozent.

DüsseldorfDie Börse hat ihr Urteil gefällt: Nokia verlor allein am vergangenen Donnerstag rund 18 Prozent. Mit 1,83 Euro notierte die Aktie zeitweise so niedrig wie zuletzt im Mai 1996. Damals begann sich der zuvor auf Gummistiefel spezialisierte Mischkonzern als Handyhersteller neu zu erfinden.

Doch hat die Börse immer recht? Es gab einmal einen Konzern, der zählte zu den erfolgreichsten seiner Branche. Doch dann fällte das Management eine falsche Entscheidung nach der anderen, Chefs gingen, neue kamen, die Firma verschlief wichtige Trends, der Aktienkurs fiel rasant - und der Firma drohte die Pleite.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Gemeint ist nicht Nokia, sondern Apple. Wer vor anderthalb Jahrzehnten prognostiziert hätte, das in den 80er-Jahren erfolgreiche Unternehmen Apple würde nach seinem Misserfolg in den 90er-Jahren eines Tages dennoch zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen, wäre wohl als unbelehrbarer Fantast abgetan worden. Und zwar auch deshalb, weil die Börse damals frühzeitig ihr Urteil gegen Apple gefällt hatte.

Nokia ist zwar nicht Apple - aber das Beispiel des amerikanischen IT-Konzerns zeigt, dass die Börse sich bisweilen durchaus irrt. Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass Nokia zu spät in das lukrative Geschäft mit Smartphones eingestiegen ist und zu viel Geld in Forschung und Entwicklung investierte. Die Finnen verzettelten sich, legten zu viel Wert auf neue Technologien - und vergaßen die Bedeutung des Designs und den Wunsch der Verbraucher nach leicht zu bedienenden Geräten.

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Die Folge: Vom einstigen Börsenschwergewicht und wertvollsten Unternehmen Europas ist fast nichts geblieben. Seit dem Hoch im Mai 2000 verlor die Aktie gut 98 Prozent. Gestern war Nokia noch 6,9 Milliarden Euro wert.

Kommentare (4)

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modernjazz

17.06.2012, 17:45 Uhr

Nokia may have been and may still be a very well respected company that has yet to struggle with bad numbers for sales.
Those Problems the company has could be easily solved, but I somehow feel, currently they try to keep the price per share as low as possible to be attractive for Microsoft to take them over.
The most simple process of boosting sales would be to make some hot news: So here is what I would do:

-Buy a well respeced audiophile company like Benchmark Media. This shouldn't be to expensive as it is a really small company.
-Let Benchmark come up with a superb digital DAC for their next phones.
-Make a bunch of samples.
-Get those to blogs like Gizmodo
-Let them do the job of telling how wonderful and precise the new DAC sounds
-Make an annoucement of those phones.
-Have different versions, that do not have various processors, displays etc. but only differ in the materials used for the housing.
-Make absolutley no price differences between models, let the user choose, which one he likes best, not which one is affordable.
-Built up an icone for the best audio quality available.
For people with untrained ears audio quality is the hardest thing to convince them that something else is better once they have fallen in love with a special brand.
The shining reputation of Benchmark + the history of Nokia should be good for years of icone status....

Chancen

17.06.2012, 21:57 Uhr

Not bad. Are you Gary Hamel? :)
Im Ernst, für mich ist die Nokia-story auch noch nicht zu Ende, da Nokia noch immer ein sehr positives Image hat und die neuen Modelle nicht schlecht sind. Hab mir eins gekauft, und da ich gar keine Zeit für viel Schnickschnack habe, bin ich voll damit zufrieden; Strahlungswerte sind optimal. Die müssen es nur schaffen, endlich klare Kante zu zeigen, statt ständig die gleichen Fehler zu wiederholen.

modernjazz

18.06.2012, 02:18 Uhr

Yes totally true, the current price per share is just a hype --> buy it and be the one smiling afterwards...

The strategy of going with Microsoft is the best thing to do. With Windows Phone 8 we have a similar kernel across all devices from Windows Phone to Windows RT and normal Windows 8. This comes handy for Appdevelopers due to minimum hassle for getting apps onto all devices once it runs on Metro.

This is a rather safe way to make some bucks. Stockmarkets are driven by hypes. But thats the only way to make money. I bet Nokia used a lot of mones to buy its own shares just to sell them, after telling the world some good news...

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