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27.04.2015

10:14 Uhr

Aktie im Fokus

VW-Aktionäre bejubeln Piëchs Rücktritt

Das deutsche Börsenbarometer erwischt einen schwachen Start in die Handelswoche – ganz im Gegensatz zu den Aktien der Volkswagen AG. Anleger freuen sich über das Ende der Führungskrise.

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DüsselddorfZum Börsenauftakt notierte der Dax noch knapp unterhalb der magischen 12.000-Punkte-Marke. Doch innerhalb von wenigen Minuten fiel er um fast 200 Punkte. Ganz im Gegensatz dazu der Chart der Volkswagen-Aktien, die gegen den Trend um mehr als vier Prozent zulegten. Hintergrund ist der Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, dem das VW-Präsidium am Samstag im Machtkampf um die Führung des größten Autokonzerns Europas das Vertrauen entzog.

„Die Anleger hoffen, dass jetzt wieder Ruhe in den Konzern einkehrt“, sagte ein Händler. Auch die Aktie der Porsche AG entwickelt sich gegen den Trend und steigt um knapp drei Prozent. Denn der Machtkampf hatte die VW-Aktie in den vergangenen Tagen belastet. In den vergangenen Handelstagen hatte das Papier gegenüber dem Dax mit acht Prozent mehr als doppelt so viel verloren.

Piëch war vor zwei Wochen von VW-Vorstandschef Winterkorn abgerückt. Dies hatte einen Machtkampf ausgelöst, der auch zu einem Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piëch führte. Sie halten die Stimmenmehrheit an VW. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt im Aufsichtsrat kommissarisch den Vorsitz. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat im Aufsichtsrat ab.

Drei beispiellose Wochen VW-Machtkampf

10. April

Piëch rückt überraschend von Vorstandschef Martin Winterkorn ab. Er sagt dem „Spiegel“: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) - beide im Volkswagen-Aufsichtsrat - stärken Winterkorn daraufhin den Rücken.

12. April

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche geht auf Abstand zu seinem Cousin Piëch: „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie (...) nicht abgestimmt ist.“ Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmmehrheit an VW.

16. April

Der engste Kreis des Aufsichtsrats, das sechsköpfige Präsidium, kommt zu einem Sondertreffen in Salzburg zusammen. Mit von der Partie ist auch Vorstandschef Winterkorn.

17. April

Das Aufsichtsrats-Präsidium erklärt, Winterkorn sei der „bestmögliche“ Vorstandschef. Sein bis Ende 2016 laufender Vertrag solle verlängert werden. Nach dpa-Informationen hatte Piëch beim Sondertreffen alle übrigen fünf Mitglieder des Präsidiums gegen sich.

19. April

Winterkorn sagt wegen eines grippalen Infekts einen Auftritt auf der Automesse in Shanghai ab. In Medien wird darüber spekuliert, dass nun Piëch um seinen Posten bangen muss. Dies wird im Konzern zurückgewiesen. Der niedersächsische Regierungschef Weil erklärt, er setze weiter sowohl auf Piëch als auch auf Winterkorn.

22. April

Altkanzler Gerhard Schröder springt Piëch zur Seite. Schröder, der zu seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident selbst im VW-Aufsichtsrat saß, sagt der „Bild“-Zeitung, Piëch habe für den Konzern und dessen Beschäftigte „unermesslich viel getan“.

23. April

Nach übereinstimmenden Informationen des NDR, der „Welt“ und der dpa hat Piëch versucht, Winterkorn vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Piëch dementiert dies und erklärt: „Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“

25. April

Piëch hat den Machtkampf an der VW-Spitze verloren. In einer Pflichtmitteilung für die Börse teilt das Unternehmen überraschend mit, dass der 78-jährige Konzernpatriarch und seine Frau Ursula mit sofortiger Wirkung ihre Kontrollmandate aufgeben.

30. April (I)

Auf Antrag des Konzernvorstandes beruft das Amtsgericht in Braunschweig Piëchs Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) als neue Aufsichtsratsmitglieder. Grundlage dafür ist Paragraf 104 im Aktiengesetz. Die beiden Frauen können nun die Amtszeit des Ehepaars Piëch aufbrauchen, sie läuft noch bis Frühling 2017.

30. April (II)

Nach Informationen des „Spiegel“, der „Bild“ und der dpa wünscht sich Piëch anstelle seiner Nichten den früheren BMW- und Linde-Manager Wolfgang Reitzle, der aktuell den Aufsichtsrat beim Autozulieferer Continental leitet. Die Reitzle-Idee hegte Piëch schon lange vor diesen turbulenten Tagen. Und er wolle die langjährige Siemens-Vorstandsfrau Brigitte Ederer als Kontrolleurin an Bord.

„Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist“, hieß es in einer Erklärung des sechsköpfigen VW-Aufsichtsratspräsidiums nach einem Krisentreffen am Samstag in Braunschweig.

Mit der Kür eines Nachfolgers will sich VW Zeit lassen. In dieser Woche rückt der Fokus daher zunächst wieder auf das Alltagsgeschäft: Am Dienstag eröffnet der Vorstand in Berlin die Neuauflage des „Automobil Forums Unter den Linden“. Dort präsentiert VW alle zwölf Marken und die VW-Finanztochter unter einem Dach. Erwartet wird neben Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel der gesamte Vorstand um seinen Chef Martin Winterkorn. Tags darauf veröffentlicht der Konzern seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2015.

Nach Meinung der US-Investmentbank JP Morgan erfolgte der Rücktritt von Piëch aufgrund seiner Kommentare in den vergangenen Wochen nicht überraschend. Allerdings werde die VW-Aktie in den nächsten Wochen volatil bleiben. Die Bank glaubt, dass die VW-Gruppe künftig von Winfried Vahland geführt wird, dem aktuellen Chef von Skoda. Winterkorn hingegen werde wohl die Rolle des Aufsichtsratschefs übernehmen.

Die entscheidende, noch offene Frage: Was macht Piëch mit seinen Anteilen? Der bisherige Aufsichtsratschef hält rund 13 Prozent der Stammaktien an der Porsche SE, die wiederum gut die Hälfte der Volkswagen-Stimmrechte kontrolliert. Rechnerisch können ihm damit etwa 6,7 Prozent der VW-Stammaktien zugeordnet werden - mit einem Börsenwert von zuletzt rund 4,6 Milliarden Euro. Die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch haben ein Vorkaufsrecht, wenn ein Familienmitglied seine Anteile versilbern will.

Kommentare (5)

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Herr Ribbentrop

27.04.2015, 11:09 Uhr

Dass jetzt Piech zurücktritt ist ein Pyrrhussieg für Winterkorn! Für mich ist Winterkorn nicht der richtige AR-Vorsitzender und Vahland von Skoda auch nicht der richtige VV für VW. Klassisch trifft es den Auslöser/die Ursache, früher oder später auch!
Dass Piech charakterlich ein Kotzbrocken ist, steht außer Frage, doch in der Sache an sich hat er Recht! VW scheint glänzend dazustehen, aber auch nur wegen Ihren anderen Marken! Es fehlt die Vision und wie das Niveau gehalten oder ausgebaut werden kann!
Das VW teilweise neue Modelle braucht und ein wirkliches Volksauto fehlt sowie auch die Marke VW, Modelle für den US-Markt braucht, stimmt nur teilweise – Porsche und Audi sind dort sehr erfolgreich – somit ist der VW-Konzern dort schon erfolgreich! Nur noch nicht im Massengeschäft! Da fehlt klar das richtige Fahrzeug. Zudem es fehlt mir auch eine klare Positionierung im E-Auto Segment, das könnte sich noch böse rächen. Die Chinesen stürmen da im Sauseschritt nach vorne. Es ist für sie die Schlüsseltechnologie, wenn sie nicht im Smog vollends ersaufen und verrecken wollen und China ist für VW der Markt! Folglich es braucht klar neue Köpfe aus nicht eingefahren Schienen!

Frau Ute Umlauf

27.04.2015, 11:21 Uhr

Dieser Menschenerniedriger bekommt hoffentlich noch seine gerechte Strafe!!

Herr peter Spirat

27.04.2015, 11:52 Uhr

Damals, als Bismarck zurück trat, gab es iwo eine sehr schöne Karikatur:

"Der Lotse geht von Bord".

Was jetzt mit VW passieren wird, ähnelt dem in wohl fast allen Punkten. Piech, der dafür bekannt war, dass er Nieten schnell und geräuschvoll aus dem Verkehr zog, ist weg und ab jetzt beginnt der Niedergang von Volkswagen.

So ein Mega-Riesenschiff, wie Volkswagen ward aber langsam sinken. Es beginbt damit, was in der Autostadt offensichtlich ist. VW werden die Ideen und Konzepte ausgehen und wir werden wieder so mega langweile Karren haben, wie vor Piech.

Und die US-Blamage wird sich fortsetzen.

Danke Herr Dr. Piech für die Jahre, wo sie uns geleitet und später innerlich geführt haben. Es waren die schönsten Jahre, wo man stolz sein konnte, dass man ein WA von VW ist.

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