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01.04.2011

15:30 Uhr

Aktie im Sinkflug

Anleger glauben nicht mehr an Erfolg der Börse

VonAnnika Williamson

Hat die Deutsche Börse den Kampf um die Nyse Euronext bereits verloren? Ein Blick auf den Aktienkurs legt das nahe. Die Euphorie um eine mögliche Fusion ist längst verloren. Heute gibt die Aktie weiter nach.

Scheitert die Deutsche Börse erneut mit einer Übernahme? Quelle: dpa

Scheitert die Deutsche Börse erneut mit einer Übernahme?

DüsseldorfDer plötzliche Bieterkampf um den New York Stock Exchange hat Deutschen Börse innerhalb weniger Minuten über drei Prozent ihres Börsenwerts gekostet. Die Aktie, die zuvor noch im Plus gelegen hatte, fiel auf 51,90 Euro, ehe sie einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachte. Doch eine schnelle Erholung erwarten Analysten zurzeit nicht: Es herrscht Konsens, dass die Deutsche Börse es schwer haben wird, mit einem höheren Angebot nachzulegen.

Die US-Technologiebörse Nasdaq hat zusammen mit der Rohstoffbörse Intercontinental Exchange (ICE) einen Aufschlag von 19 Prozent auf das Angebot der Deutschen Börse vorgelegt. Gemeinsam bieten die beiden Börsen 42,50 Dollar in bar und Aktien. Sie bewerten die Nyse damit mit 11,3 Milliarden Dollar.

Karl Morris von der Londoner Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods erinnert daran, dass die Verhandlungen schon auf sehr hohem Niveau angefangen hatten: „Ich kann mir schwer ausmalen, wie die Deutsche Börse ihr Angebot entsprechend aufstocken kann. Schließlich hatte man schon bei der Bekanntgabe ihres Angebots das Gefühl, sie würden zu viel hergeben.“ Auch Commerzbank-Analyst Roland Pfänder ist pessimistisch: „Ich halte es durchaus nicht für ausgemacht, dass sie auch wirklich nachlegen.“ Noch deutlicher wird Manoj Ladwa, Händler bei ETX Capital in London: „Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, als könnte die Deutsche Börse da noch einmal zurückkommen.“

Für das Gegenangebot von Nasdaq und ICE spricht, dass dieses auch einen Baranteil enthält und damit anders als im Fall der Deutschen Börse kein reiner Aktientausch wäre. Auch das macht, neben dem Aufschlag von 19 Prozent, das Angebot von Nasdaq und ICE um einiges attraktiver als das der Deutschen Börse.

Seit am 9. Februar bekannt wurde, dass Deutsche Börse und dem New York Stock Exchange über eine Fusion verhandeln, zeigt der Aktienkurs die Nervosität der Anleger. Zuerst nahmen sie das Interesse der Deutschen Börse an NYSE Euronext freudig auf, der Kurs kletterte von 57 auf 62 Euro. Die große Mehrheit der Analysten empfahl: „kaufen“. Kursziele lagen meist bei 66 Euro und mehr.

Dann begann die erste Etappe der Talfahrt: Mehrere Analysten stuften ihre Bewertung der Aktie herunter, mit Verweis auf die Risiken, die die Fusionsverhandlungen mit sich brächten. Der geplante Zusammenschluss zum weltweit größten Börsenbetreiber berge auf kurze Sicht zu viele Unsicherheiten, schrieb Analyst Dirk Becker vom Analysehaus Kepler Equities in einer Studie Mitte Februar. Seit Bekanntgabe der Verhandlungen verlor die Aktie zwischenzeitlich über 15 Prozent.

Dass die Nasdaq einen Partner für ein eigenes Übernahmeangebot suche, wurde bereits vor drei Wochen bekannt. Es fanden Gespräche mit der Derivatebörse CME statt, doch diese verlor das Interesse. Auch die ICE war zu diesem Zeitpunkt schon als möglicher Partner im Gespräch – und die Talfahrt der Deutsche Börse-Aktie bekam neuen Schwung.

Insofern ist das tatsächliche Angebot heute für die Anleger keine zu große Überraschung, was den Kursverlust bremst. Trotzdem werden die Analysten nun ihre Kursziele neu berechnen. Die NordLB hat dies bereits getan: Statt 61,50 Euro sieht sie nun einen fairen Wert von 58,50 Euro für die Aktie der Deutschen Börse. Die Anlageempfehlung lautet weiter "halten".

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