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29.04.2013

14:42 Uhr

Aktie knickt ein

Commerzbank, der gefühlte Pennystock

Die Aktie der Commerzbank gibt kräftig nach. Damit verkommt sie beinahe zum Pennystock. Nur weil die Bank erst vor wenigen Tagen die Zahl der Aktien zusammengestrichen hat, entgeht sie diesem unwürdigen Schicksal.

Das Logo der Commerzbank am "Gallileo-Hochhaus" in Frankfurt. Die Bank plant eine weitere Kapitalerhöhung. dpa

Das Logo der Commerzbank am "Gallileo-Hochhaus" in Frankfurt. Die Bank plant eine weitere Kapitalerhöhung.

DüsseldorfHeute wäre der Tag gewesen, an dem die Commerzbank zum Pennystock wird. Wäre - denn durch einen geschickten Schachzug hat die Bank vermieden, dass ihr dieser Makel anhaftet. Erst vor wenigen Tagen strich sie die Zahl der Aktien im Umlauf zusammen. Jeweils zehn Aktien wurden am vergangenen Mittwoch zu einer zusammengelegt. Damit stieg - zumindest optisch - der Aktienkurs auf das Zehnfache. Statt gut einen Euro kostete eine Aktie danach etwas mehr als zehn Euro.

Damit ist es nun allerdings auch wieder vorbei - die Talfahrt geht weiter. Am Montag fiel der bereinigte Kurs um 4,5 Prozent auf 9,74 Euro. Nach alter Rechnung entspräche das einem Kurs von 97 Cent.

Die Zusammenlegung der Aktien war nötig, um die Voraussetzung für die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zu schaffen. Die Bank darf bei der Kapitalerhöhung keine Aktien unter dem rechnerischem Nennwert von einem Euro ausgeben. Die Kapitalerhöhung soll Mitte Mai anlaufen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Mit dem Geld will die Bank den Staat loswerden. Nach der Transaktion wird der Anteil des Bankenrettungsfonds Soffin voraussichtlich unter 20 Prozent von derzeit 25 Prozent sinken. Der Staat hat dann keine Sperrminorität mehr. Bislang konnte der Bund bei wichtigen Entscheidungen sein Veto einlegen.

Der Kursverfall der Commerzbank-Aktie hatte - wie bei vielen anderen Geldhäusern auch - mit dem Ausbruch der US-Immobilienkrise begonnen. Im Juni 2007 erreichten die Titel mit 30,61 Euro ihr Rekordhoch, bis zum März 2009 stürzten sie um 94 Prozent unter zwei Euro. Der Bankenrettungsfonds war zum rechnerischen Preis von sechs Euro mit 25 Prozent eingestiegen, um die Commerzbank vor der Pleite zu retten.

Zwei Jahre später notierten die Anteilsscheine immerhin wieder um die fünf Euro. Dann ließ Vorstandschef Martin Blessing eine ganze Welle von Kapitalmaßnahmen anrollen. Im ersten Schritt verkaufte die Bank neue Aktien noch für je 4,25 Euro, im zweiten dann gerade noch für 2,18 Euro. Die Zahl der Aktien im Umlauf blähte er damit von gut einer Milliarde bis aus 5,8 Milliarden auf.

Kommentare (7)

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umaufumauf

29.04.2013, 17:04 Uhr

Aus der beliebten Folge "peinliche Rechenfehler in Handelsblatt-Artikeln": "Damit stieg - zumindest optisch - der Aktienkurs um das Zehnfache." NEIN, stieg er nicht, er stieg *um* das *Neun*fache, *auf* das *Zehn*fache. So schwer ist das ja nun nicht.

Cassandra

29.04.2013, 18:15 Uhr

Seit Jahren ein Managementfehler nach dem anderen, der dann durch den Steuerzahler und Aktionäre teuer bezahlt werden muss.

Da das Management nichts der abzusehenden Ereignisse vorhersehen konnte, erwischt es die Coba immer unvorbereitet auf dem falschen Fuß und man reagiert dann panisch mit einem schnelle operationellen 100% Strategieschwenk nach dem anderen.

Vorrausschauendes strategisch und taktisch Agieren vollkommen Fehlanzeige. Ausser den Bilanzzaubertricks nach IFRS über die BISTRO Müllhalde mit ihren syntetischen Verbriefungen an die Special Purpose Vehicles keinerlei langfristige Strategie und kein tragfähiges Geschäftsmodel - stattdessen die nichtssagende Worthülse einer "Kernbank" und immer neue Träumereien ähnlich den Wirtschaftsplanungshorizonten der politischen Profilügern mit ihren aberwitzigen Wirtschaftsprognosen bis 2020.

Während Blessing schon Ende 2012 die Normaliesierung verkündet und die Risikovorsorge zum Aufhübschen der Bilanzen zurückfährt, nimmt die Insolvenzwelle in Europa nun richtig an Fahrt auf. Immer mehr ausfallende Kredite von der Schiffahrt über die Immobilien bis hin zu den Staatsanleihen.

Als Eigentümer würde ich mich langsam mal mit der absoluten Pflichtlektüre für Bankaktionäre beschäftigen - dem "EU Gesetzesrahmen zur Bankenwiederherstellung und Bankenabwicklung"

In diesem Sinne - A Blessing For You!

Account gelöscht!

29.04.2013, 18:21 Uhr

Commerzbank ist Geldvernichtung der Sonderklasse...

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