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15.05.2013

15:22 Uhr

Aktie mit Kurssprung

Commerzbank – der „Wahnsinn“ geht weiter

VonJörg Hackhausen

Am ersten Tag der Kapitalerhöhung legt die Aktie der Commerzbank – rein rechnerisch – kräftig zu. Doch es scheinen vor allem Zocker zu sein, die sich für das Papier interessieren. Ruhe kehrt noch nicht ein.

Commerzbank in Frankfurt: Der Bund trennt sich von Anteilen. Reuters

Commerzbank in Frankfurt: Der Bund trennt sich von Anteilen.

Frankfurt, DüsseldorfEin Bild mit Seltenheitswert: Die Aktie der Commerzbank hat am Mittwoch mehr als zehn Prozent zugelegt. Sie notierte zuletzt bei 7,79 Euro, am Vormittag war sie bis auf 8,18 Euro gestiegen. Dabei wechselten innerhalb der ersten beiden Handelsstunden etwa fünf Mal so viele Commerzbank-Aktien den Besitzer wie an einem ganzen durchschnittlichen Handelstag. Knapp 60 Prozent des Handelsvolumens im Dax entfiel auf die Commerzbank.

„Das ist Wahnsinn. Anders als mit Deckungskäufen ist das nicht zu erklären“, sagte ein Börsianer. Offenbar müssten Anleger, die auf einen weiteren Kursverfall gewettet hatten, wieder bei der Commerzbank einsteigen, um ihre Verluste zu minimieren.

In Finanzkreisen heißt es, die Aktie sei zum Spielball der Spekulanten geworden. Eine Reihe von Hedge-Fonds hätten in den vergangenen Wochen auf fallende Kurse gewettet. Dem Datenanbieter Sun Guard zufolge waren zuletzt zwölf Prozent aller Commerzbank-Papiere verliehen. Spekulativ orientierte Anleger leihen sich Aktien aus, um sie anschließend sofort zu verkaufen. Bei diesem sogenannten „Leerverkauf“ setzt der Verkäufer darauf, dass er die Aktien bis zum Ende der Leihfrist billiger zurückkaufen kann.

So funktioniert die Kapitalerhöhung

Zeitplan

Am Mittwoch beginnt die Bezugsfrist, in der die Commerzbank-Aktionäre die neuen Papiere zeichnen können. Für je 21 Aktien haben sie das Recht, 20 neue zum Preis von 4,50 Euro zu kaufen. Die Frist läuft zwei Wochen, bis zum 28. Mai. Wer keine neuen Aktien kaufen will, kann sein Bezugsrecht bis zum 24. Mai auch an der Börse verkaufen. Rechnerisch ist diese Art von Rabattgutschein 2,65 Euro wert. Begleitet wird die Kapitalerhöhung von der Deutschen Bank, Citi und HSBC - und von der Commerzbank selbst.

Platzierung

Gleich zu Beginn der Bezugsfrist - womöglich schon in der Nacht zum Mittwoch - wirft der SoFFin Commerzbank-Aktien für 625 Millionen Euro aus seinem Bestand auf den Markt. Ihr Preis dürfte knapp unter dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Aktienkurses liegen. Wer diese Papiere kauft, erhält allerdings kein Bezugsrecht für die Kapitalerhöhung. Mit dem Erlös der Platzierung beteiligt sich der SoFFin an der Kapitalerhöhung, so muss er kein frisches Geld in die Hand nehmen.

Tausch

Der SoFFin tauscht bei der Kapitalerhöhung Stille Einlagen im Wert von 625 Millionen Euro in neue Commerzbank-Aktien. Bei einem Verkaufspreis von 7,10 Euro wären das rund 88 Millionen Aktien - rund 15 Prozent des Commerzbank-Kapitals. Seine Beteiligung an der Commerzbank sinkt durch die Platzierung und den Tausch von 25 auf gut 17 Prozent. Die restliche Stille Einlage - rund eine Milliarde Euro - zahlt die Commerzbank mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung zurück.

Preis

Der Preis für die neuen Aktien liegt 38 Prozent unter dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs. Im Vergleich zum Schlusskurs vom Montag ist das ein Abschlag von 55 Prozent. Damit muss die Commerzbank ihr Grundkapital fast verdoppeln, um die benötigten 2,5 Milliarden Euro einzunehmen. Mit dem Verkauf von 555,6 Millionen Aktien nimmt die Bank 1,875 Milliarden ein. 750 Millionen Euro davon gehen an die Allianz.

Bezugsrechtehandel

Zu welchem Preis sich die Bezugsrechte verkaufen lassen, das bestimmen Angebot und Nachfrage. Aktien und Bezugsrechte werden ab dem heutigen Mittwoch getrennt voneinander gehandelt. Sobald das geschieht, verringert sich der Aktienkurs in um den Wert der Bezugsrechte.

Mitziehen oder nicht?

Wenn ein Alt-Aktionär an der Kapitalerhöhung teilnimmt, dann bleibt ihr Anteil am Grundkapital der Commerzbank stabil. Zieht er nicht mit, wird sein Anteil „verwässert“, das heißt, sein relativer Anteil an der Bank schrumpft, weil es insgesamt mehr Aktien gibt. Das spielt dann eine Rolle, wenn die Bank in den nächsten Jahren wieder einmal eine Dividende ausschütten sollte. Die wird über alle Aktien gleichmäßig verteilt.

Dazu muss man allerdings wissen: Das heutige Kursplus hat auch technische Gründe. Die Aktie war gestern bei 9,31 Euro aus dem Handel gegangen. Mit dem Beginn der Kapitalerhöhung kommen die neuen Aktien hinzu, die die Commerzbank für 4,50 Euro anbietet. Auf je 21 alte Anteilsscheine kommen 20 neue hinzu - die Zahl der Aktien wird also nahezu verdoppelt. Aus „alten“ und „neuen“ Aktien ergibt sich rechnerisch ein Kurs von 6,96 Euro. Davon ausgehend legt die Commerzbank heute mehr als zehn Prozent zu.

Der Wert der Bezugsrechte für neue Aktien wird nicht in den Kurs eingerechnet. Die Bezugsrechte (WKN: CBKBZR) werden ab heute – getrennt von der Aktie – an der Börse gehandelt. Sie notierten bei 3,11 Euro. Altaktionäre haben ab heute neben der Aktie auch die Bezugsrechte im Depot.

Die Aktionäre müssen sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitziehen wollen. Machen sie mit, müssen sie ihrer Bank mitteilen, dass sie ihr Bezugsrecht ausüben wollen. Entscheiden sie sich dagegen, können sie ihre Bezugsrechte an der Börse verkaufen.

„Auch wenn die Kapitalerhöhung unter hohem Druck erfolgt, dürfte die Transaktion gelingen“, kommentierte Ingo Frommen, Analyst der LBBW. „Dann dürfte nach den erwarteten hohen Aktienkursbewegungen wieder etwas Ruhe in den Titel einkehren.“ Er empfiehlt Anlegern, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen und die Bezugsrechte auszuüben.

Kommentare (26)

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kleinaktionaer

15.05.2013, 09:54 Uhr

"Aktionäre erlauben Commerzbank die Kapitalerhöhung
Doch die nötige Zweidrittel-Mehrheit hatte der Vorstand sicher, weil nur 38 Prozent des Aktionariats erschienen waren. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin als Haupt-Nutznießer der Kapitalerhöhung vertrat allein 25 Prozent."

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/trotz-kritik-aktionaere-erlauben-commerzbank-die-kapitalerhoehung/8096326.html

Account gelöscht!

15.05.2013, 10:50 Uhr

Eindeckungen von Leerverkäufen. Selber Schuld wer sich in dem Dreckspapier engagiert.

Zerberus

15.05.2013, 10:50 Uhr

ZITAT: Der Bankenrettungsfonds hat ein Aktienpaket für einen guten Preis verkauft. Ruhe wird aber noch lange nicht einkehren.

Ich glaub ich lese nicht richtig!.... Zu einem guten Preis verkauft? der Staat hat durch den Verkauf der Aktien rund 90 % Verlust realisiert...

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