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06.06.2011

14:51 Uhr

Aktie rutscht ab

Areva-Anleger fürchten Atomdebatte in Frankreich

Areva ist der führende französische Atomkonzern. Doch Atom ist immer weniger angesagt, selbst in Frankreich schwindet die Unterstützung. An der Börse hat Areva deshalb einen schweren Stand.

Areva-Chefin Anne Lauvergeon muss ihre Prognosen überarbeiten. Quelle: Reuters

Areva-Chefin Anne Lauvergeon muss ihre Prognosen überarbeiten.

DüsseldorfDeutschland steigt aus der Atomkraft aus - und auch in Frankreich schwindet die Unterstützung für die Nuklearenergie. Für den führenden französischen Atomkonzern Areva wird das zunehmend problematisch. Seine Geschäftsziele hat das Unternehmen bereits kassiert - und an der Börse kommt die Aktie auch knapp drei Monate nach der Katastrophe im japanischen Fukushima nicht auf Touren. Heute geht es für Areva-Aktien erneut um gut zwei Prozent auf 28,65 Euro abwärts. Seit Jahresanfang summieren sich die Verluste für Anleger mittlerweile auf 21,5 Prozent.

Nach der Havarie mehrerer Reaktoren in Fukushima Mitte März war die Areva-Aktie zunächst auf Tauchstation gegangen. Anders als die Papiere deutscher Stromversorger wie Eon oder RWE fing sie sich anschließend aber wieder. Die Investoren spekulierten darauf, dass die Nachfrage nach modernen und sichereren ERP-Reaktoren steigen werde. Diese hat Areva gemeinsam mit Siemens entwickelt.

Kurzfristig scheint es tatsächlich gut möglich, dass manche Kunden wie etwa China sich eher für einen teureren EPR-Reaktor aus französischer Produktion entscheiden. Aber insgesamt wird der Markt dennoch schrumpfen. Indien und Großbritannien etwa gelten plötzlich als Wackelkandidaten in Sachen AKW.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte vor Fukushima weltweit mit zusätzlichen 360 Gigawatt durch Atomkraft gerechnet, das entspricht etwa 200 neuen EPR-Reaktoren. Heute geht die Agentur nur noch von der Hälfte aus. Vor diesem Hintergrund machte Areva zuletzt an der Börse wieder eine schlechtere Figur.

Areva-Chefin Lauvergeon hatte kürzlich eingeräumt, dass die Katastrophe von Fukushima bei geplanten Atomkraftwerken zu Verzögerungen von sechs bis neun Monaten führen könne. Das Unternehmen hatte seine Geschäftsprognosen daher bis auf weiteres gekippt, eine korrigierte Prognose soll bald vorgelegt werden.

So lange die Zahlen ausstehen, dürfte die Unsicherheit am Markt bestehen bleiben. Hinzu kommt, dass der Gegenwind für die Atomindustrie inzwischen auch im traditionell atomfreundlichen Frankreich größer wird. In einer am Sonntag vom „Journal du Dimanche„ veröffentlichten Umfrage des renommierten Ifop-Instituts sprachen sich 62 Prozent der 1005 befragten Franzosen für einen Atomausstieg aus. Nur noch 22 Prozent plädieren dafür, dass Frankreich unbeirrt an seinen Meilern festhält, die etwa 80 Prozent der Stromproduktion im Lande decken.

Die französischen Grünen fühlen sich bestätigt und fordern nun ebenfalls einen Atomausstieg. Die Beteiligung an einer möglichen Regierungskoalition mit den Sozialisten knüpften sie an die Bedingung, dass die Atomkraftwerke im Land abgeschaltet werden. Händlern ist das einer der Gründe für den Kursrutsch zu Wochenbeginn. „Das ist nichts Neues, wir wissen, dass sie dagegen sind“, sagte ein Händler in Paris. „Die Frage ist nur: Sehen wir bei den Wahlen im kommenden Jahr eine ähnliche grüne Welle wie derzeit in Deutschland? Ich bezweifle das, aber Börsianer bleiben bei dem Sektor auf der Hut.“

Analysten halten sich zur Areva-Aktie zurzeit weitgehend bedeckt. In den vergangenen drei Monaten gab es lediglich sechs Expertenurteile, davon lautet die Hälfte auf "kaufen", die andere auf "halten". Die letzte Kaufempfehlung liegt allerdings inzwischen anderthalb Monate zurück.

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