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10.11.2014

14:29 Uhr

Aktie steigt kräftig

Rocket Internet kracht durch die Decke

VonWalter Epp

Kursexplosion beim Internet-Unternehmen Rocket Internet: Die Aktie des Börsenneulings steigt zweistellig und erfreut vor allem die Aktionäre der ersten Stunde – denn der Ausgabepreis wurde erstmals deutlich übertroffen.

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer umarmt den Bullen vor der Frankfurter Börse. Die Aktie des Internet-Unternehmens hat ein neues Rekordhoch geschafft. Reuters

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer umarmt den Bullen vor der Frankfurter Börse. Die Aktie des Internet-Unternehmens hat ein neues Rekordhoch geschafft.

DüsseldorfDie Aktie des Internet-Unternehmens Rocket Internet macht seinem Namen alle Ehre. Das Papier erlebt ein wahres Kursfeuerwerk und steigt im Nachmittagshandel um 9,6 Prozent auf 46,65 Euro – und damit erstmals deutlich über den Ausgabepreis von 42,50 Euro. Zuvor war die Aktie sogar um 14 Prozent über die 47-Euro-Marke gestiegen – den höchsten Stand aller Zeiten.

Der Grund für die Kauflaune: Die Investmentbank Goldman Sachs hat der Aktie eine Kaufempfehlung erteilt. Anleger folgen der Empfehlung gerne und greifen bei der Aktie zu.

Rocket Internet ist seit Anfang Oktober erst an der Börse. Der Ausgabekurs lag bei 42,50 Euro, innerhalb weniger Tage stürzte der Kurs allerdings bis auf 33 Euro pro Aktie ab. Seitdem ging es für die Aktie langsam aber sicher aufwärts und Goldman Sachs verlieh der Aktie nun deutlich Flügel. Rocket Internet ist eine Internet-Ideenschmiede, die erfolgreiche Online-Geschäftsmodelle kopiert und somit viele Unternehmen aus dem Boden stampft.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Eins dieser Unternehmen ist Zalando, das ebenfalls erst vor wenigen Wochen an die Börse ging. Der Kurs des Online-Modehändlers ging allerdings schnell auf Talfahrt und hat sich seitdem nicht wirklich erholt. Mit 18,34 Euro liegt das Minus bei gut 15 Prozent. Allerdings zeigte die Aktie ein paar Hoffnungsschimmer und legte deutlich zu, nachdem einige Analysten sich positiv gegenüber der Aktie geäußert hatten. Die Gewinne konnte die Aktie allerdings nicht halten und notiert am Nachmittag schon wieder 0,1 Prozent tiefer.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Schreyer

10.11.2014, 15:30 Uhr

Da wollen einige Analysten wohl den Kurs so anheben, damit sie dann mit Gewinn aussteigen können. Oder wo sind die fundamentalen Verbesserungen bei den Geschäftszahlen?

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