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06.12.2012

12:27 Uhr

Aktie steigt rasant

Nokia schlägt Apple - an der Börse

Schafft Nokia das Comeback? Im Moment sieht es ganz danach aus. Die Finnen haben auf dem chinesischen Markt einen Fuß in der Tür. Dagegen büßt Apple in China ein. Das spiegelt sich auch an der Börse wider.

Nokia hat in China einen Fuß in der Tür. Reuters

Nokia hat in China einen Fuß in der Tür.

Apple ist Kult. Nokia nur noch ein Schatten seiner selbst. Das Kräfteverhältnis zwischen beiden Konzernen schien völlig klar. Während Apple mit dem iPhone auf der Erfolgswelle schwamm, büßte Nokia immer mehr Marktanteile ein – von einst 50 Prozent auf heute zehn Prozent. Die Finnen hätten den Trend zum Smartphone verpennt, hieß es.

Das spiegelte sich auch im Aktienkurs wider. Der Kurs der Apple-Aktie kletterte im Sommer über 700 Dollar – so wertvoll wie Apple war zu dem Zeitpunkt kein anderes Unternehmen der Welt. Zur gleichen Zeit kam Nokia am Tiefpunkt an. Die Aktie war zeitweise nicht mehr weit von der Ein-Euro-Marke entfernt.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Doch seitdem ist einiges passiert. Die Geschichte vom Erfolgskonzern aus Cupertino und dem Pleitekandidaten aus Espoo ist noch nicht zu Ende erzählt, möglicherweise hat gerade ein neues Kapitel begonnen. Die Börse nimmt das schon vorweg. Nicht Apple, sondern Nokia legt in diesen Tagen kräftig zu. In den vergangenen drei Monaten hat Nokia rund 40 Prozent gewonnen, die Aktie von Apple dagegen 20 Prozent verloren. Zugegeben, das Niveau, von dem beide kommen, liegt immer noch meilenweit auseinander. Aber an der Börse zählt in erster Linie der Trend.

Besonders eindeutig sah das am gestrigen Mittwoch aus: Nokia gewann rund zehn Prozent, die Aktie von Apple erlebte den größten Kursrutsch seit vier Jahren und brach um mehr als sechs Prozent ein. Heute legt Nokia an der Frankfurter Börse erneut um zehn Prozent zu.

Analysten sehen zwischen dem Plus auf der einen Seite, und dem Minus auf der anderen einen Zusammenhang. Nokia gab am Mittwoch eine Kooperation mit China Mobile bekannt. Das Mobilfunk-Unternehmen mit mehr als 700 Millionen Kunden solle ein auf China abgestimmtes Lumia-Smartphone vermarkten. Das iPhone von Apple hat China Mobile als einziger chinesischer Anbieter nicht im Programm. Weltweit sei die Resonanz auf Lumia-Geräte positiv, sagte Nokia-Chef Stephen Elop. „Wir sind zuversichtlich, dass sich der Enthusiasmus nach China ausbreitet“.

Dagegen hat Apple im dritten Quartal auf dem chinesischen Smartphone-Markt kräftig eingebüßt. Wegen der heftigen Konkurrenz durch lokale Anbieter sei Apple gleich um zwei Plätze auf Rang sechs nach unten gerutscht, teilten die Marktforscher von IDC am Donnerstag mit. Ihren Berechnungen zufolge kam Apple auf einen Marktanteil von unter zehn Prozent. IDC legt seiner Statistik die Auslieferungen an die Händler zugrunde. Insgesamt wuchs der chinesische Smartphone-Markt rasant: Auslieferungen von mehr als 60 Millionen Geräten bedeuten einen Rekord.

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