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14.12.2012

12:58 Uhr

Aktie tief im Minus

Deutsche-Bank-Aktionäre kriegen das Flattern

Gewinnwarnung, Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs, Kirch-Prozess – bei der Deutschen Bank kommt momentan alles zusammen. Die Anteilseigner sind verunsichert. Die Aktie steht erneut am Ende des Dax.

Fahnen mit dem Logo der Deutschen Bank: Die Aktionäre sind verunsichert. dpa

Fahnen mit dem Logo der Deutschen Bank: Die Aktionäre sind verunsichert.

FrankfurtDie Aktien der Deutschen Bank haben ihre Verluste am Freitag ausgeweitet. Sie rutschen im Dax in der Spitze um bis zu 3,3 Prozent auf 32,25 Euro ab. Seit Mittwoch haben sie damit gut sechs Prozent an Wert eingebüßt.

Die Aktien stünden zurzeit unter keinem guten Stern, sagte ein Börsianer. Auch ein zweiter Händler erklärte: „Da kommt alles zusammen: Die gestrige Gewinnwarnung, die Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs und der Kirch-Prozess. Da sind offenbar einige Fondsmanager heute morgen aus ihren Meetings gekommen und verkaufen die Papiere.“

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Kommentare: Schwarze Tage für Fitschen und Jain

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Schon gestern war das Papier der Verlierer des Tages im Dax, schloss mit einem Minus von 2,7 Prozent. Deutschlands größtes Geldhaus überraschte zuvor mit einer Gewinnwarnung – nur einen Tag nach der Großrazzia in der Frankfurter Zentrale wegen Umsatzsteuerbetrugs.

Die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen erwarten im Schlussquartal „signifikant negative“ Auswirkungen auf den Gewinn, weil der Umbau des Instituts und das milliardenschwere Sparprogramm nicht so einfach wegzustecken sind. Auch die Integration der Postbank und der immer deutlicher werdende Konjunkturabschwung hinterlassen Spuren in der Bilanz.

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Finanzchef Stefan Krause, der den Analysten am Donnerstag Rede und Antwort stehen musste, bemühte sich um Schadensbegrenzung. „Das ist keine Gewinnwarnung. Wir haben nur eine Orientierung gegeben“, erklärte er. Die genaue Höhe der Sonderbelastungen im vierten Quartal sei noch offen. In den Kerngeschäftsfeldern habe das Geldhaus im Oktober und November „solide operative Ergebnisse“ erreicht.

Genutzt hat es nichts, die Aktie schmierte ab. Und heute geht es weiter abwärts. Im Steuerskandal bemüht sich Co-Vorstandschef Fitschen um Schadensbegrenzung – und geht seinerseits in die Offensive. Im Interview mit dem Handelsblatt äußerte er sich zum Vorgehen der Staatsanwaltschaft, die seiner Meinung nach „überzogen“ ist. Er wundere sich, dass es überhaupt „zu einem solchen Verfahren kommen konnte“. Aus seiner Sicht entbehren die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft jeder Grundlage.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Kommentare (6)

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RumpelstilzchenA

14.12.2012, 13:08 Uhr

Jetzt einsteigen!

Account gelöscht!

14.12.2012, 14:05 Uhr

Wie man in Italien sagt: "I nodi vengono al pettine", was so viel heisst wie: "Die Knoten kommen zum Kann". Es braucht halt manchmal etwas länger und die negativen Folgen unseriöser, auf Täuschung aufgebauter, Geschäftsführung kommen eben leider immer erst zeitig versetzt zum Vorschein.

wadenzwicker

14.12.2012, 15:18 Uhr

Noch zu fruh. Die richtigen "bad news" zum Einsteigen kommen erst noch.

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