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17.01.2007

12:49 Uhr

Aktie unter der Lupe

Beiersdorf gefällt den Analysten

VonS. Ertinger

Die vorläufigen Geschäftszahlen des Kosmetikkonzerns Beiersdorf für das Jahr 2006 schienen dem Markt nicht so recht zu schmecken. Und das, obwohl das Unternehmen mit 5,1 Mrd. Euro den höchsten Umsatz seiner Firmengeschichte vermeldete. Der Kurs der im MDax notierten Aktie gab zeitweilig um rund drei Prozent nach. Irritieren lassen sollten sich Anleger deshalb aber nicht.

FRANKFURT. „Die Kursverluste würde ich als klassische Gewinnmitnahmen einstufen“, sagt Nils Lesser, Analyst bei Merck Finck & Co. „Zudem hatten die Märkte eine höhere Ebit-Marge als die erzielten 11,5 Prozent erwartet“, erklärt er. Laut Dow-Jones-Befragung hatten Analysten im Schnitt eine Marge von 11,7 Prozent erwartet. Aber Beiersdorf sei an den eigenen Zielen zu messen, und die habe es erreicht. „Die Erwartungen des Marktes schienen schon im Voraus zu ambitioniert.“

Das Hamburger Unternehmen führt bekannte Marken wie Nivea, Tesa sowie Eucerin, Labello und Hansaplast. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 665 Mill. Euro. Dies ist aber dem 361 Mill. Euro schweren Verkauf des Tochterunternehmens BSN Medical zu verdanken. Der aufwendige Umbau der Produktions- und Logistikstrukturen bei Beiersdorf belastete das Ergebnis mit 120 Mill. Euro. Dieses Programm werde den Konzern mittelfristig voranbringen, meint Lesser.

Die Deutsche Bank meldete am gestrigen Dienstag, dass sie zehn Prozent des Grundkapitals von Beiersdorf platziert. Die Titel würden zwischen 48 und 50 Euro je Aktie angeboten, hieß es. Die insgesamt 25,2 Mill. Aktien würden im Auftrag der HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung verkauft. Erst kurz zuvor hatten die Analysten der Deutschen Bank ihr Kursziel für die Beiersdorf-Aktien um zehn Euro auf 60 Euro erhöht und ihre Kaufempfehlung bekräftigt.

Beiersdorf erzielte 2006 im Vergleich zum Vorjahr wechselkursbereinigt ein Umsatzplus von 7,3 Prozent. „Das zeigt, wie gut sich das Unternehmen positioniert hat“, sagt Christian Weiz, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Der Kosmetikhersteller hat seine Marke Nivea preislich im gehobenen Mittelfeld etabliert. „Der mittlere Bereich gerät normalerweise am ehesten unter Druck“, weiß Weiz. Doch Beiersdorf hat es mit geschickter Markenpolitik geschafft, dass Nivea auch andere Kundenkreise anspricht. So greifen auch preisbewusste Käufer aus dem Premiumsegment zu Nivea-Cremes.

Der Konzern konnte vor allem in Osteuropa und Lateinamerika sowie in Afrika, Asien und Australien zweistellig zulegen. Laut Iris Schäfer, Analystin der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), wird besonders Osteuropa auch künftig Wachstumstreiber sein. „In den nächsten drei bis fünf Jahren werden diese Märkte nicht gesättigt sein“, sagt sie. Das wachsende Pro-Kopf-Einkommen erlaube es den Menschen dort, den Nachholbedarf beim Konsum zu decken. Ähnlich positiv schätzt HVB-Analyst Weiz die Aussichten in Asien ein.

Und auch im bislang schwächelnden Heimatmarkt scheint Besserung in Sicht. „Wenn sich die Hoffnungen auf einen höheren Konsum in Deutschland bestätigen, dann wird das Beiersdorf-Papier auch einen Schnaps mehr Rendite einbringen“, glaubt Analystin Iris Schäfer.

Die Aktie sei zwar schon gut gelaufen und recht teuer, aber „das war Beiersdorf schon immer“, sagt Lesser. Von Bloomberg befragte Analysten schätzen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 29. Damit liegt die Aktie über dem Branchendurchschnitt von 26. „Aber ich sehe dieses Jahr durchaus noch Raum für Überraschungsmomente“, sagt Schäfer und gibt als Kursziel 54 Euro an.

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