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21.03.2006

06:59 Uhr

Aktie unter der Lupe

Hypo Real Estate trotzt der Immobilienkrise

VonChristoph Hardt

Immobilien an sich und erst recht die mit ihnen arbeitenden Finanzinstitute standen hier zu Lande lange Zeit im Ruf, für profitable Geldanlagen denkbar ungeeignet zu sein. Die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate hat mit der überraschenden Schließung ihres Grundbesitz-Invest im Dezember diesen Eindruck bestätigt. Doch seit zwei Jahren lehrt die Aktie der ehemals zur Hypo-Vereinsbank gehörenden Hypo Real Estate (HRE), dass man mit solch leichtfertigen Urteilen ziemlich daneben liegen kann.

MÜNCHEN. „The Hype ist real“, meinten bereits Ende Januar die beiden Morgan-Stanley-Analysten Pablo Beldarrain und Ronny Rehn. Sie setzten für die Hypo Real Estate ein vor kurzem kaum für möglich gehaltenes Kursziel von 64 Euro. Ende Januar war das noch ein Plus von 34 Prozent, das ist nun deutlich weniger geworden. Nach der bemerkenswert guten Entwicklung der vergangenen Tage stand die Aktie gestern bei fast 55 Euro und damit nahe ihrem Allzeithoch von 57 Euro. Am kommenden Mittwoch gibt die Hypothekenbank ihre Jahreszahlen für 2005 bekannt.

Der Vorschusslorbeer aus dem Hause Morgan Stanley ist übrigens typisch: Der besonderen Unterstützung deutscher Aktionäre hat das HRE-Papier seinen Siegeszug im Dax kaum zu verdanken. Entsprechend zurückhaltender fallen die Bewertungen hiesiger Institute aus.

Bereits am 25. Januar hatte die Immobilienbank, die einst als Problemfall galt und als Newcomer im Dax in den vergangenen Monaten für Furore sorgte, ihre vorläufigen Jahreszahlen veröffentlicht. Von faulen Krediten und dergleichen schlechten Geschichten war da kaum mehr die Rede, statt dessen von einer auf 0,54 (0,35) Euro fast verdoppelten Dividende, von einem Vorsteuergewinn von 442 Mill. Euro und vor allem einem Neugeschäft, das mit 22,3 Mrd. Euro weit über den ursprünglichen Planungen lag. Allein im 4. Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres hatte die HRE Kredite für acht Mrd. Euro neu bewilligt.

Wem das nach Überhitzung klingt, dem sei die Studie der WestLB ans Herz gelegt. Die Analysten G. Kanders und Johannes Thormann haben das Papier vor vier Wochen auf Hold heruntergestuft und ein Preisziel von 53 Euro genannt. Das Management-Ziel, beim Profit mehr als 20 Prozent zu wachsen, war den Düsseldorfer Bankern bei weitem nicht ehrgeizig genug. Auch die Umsatzerwartungen konnten die Landesbanker nicht zufrieden stellen – weil sie ja nur auf Vorjahresniveau blieben, heißt es.

Wobei das „nur“ an dieser Stelle auch ein Problem darstellt. Schließlich konnte die Hypo Real Estate ihr bereits angehobenes Neugeschäftsvolumen von 17 Mrd. Euro, das sogar ursprünglich einmal auf 13,5 Mrd. Euro taxiert worden war, auf Konzernebene nun auf 22,3 Mrd. Euro steigern. Auf Jahresbasis ist das ein Plus von 77 Prozent und damit ein Beleg mehr dafür , dass die Bank die Ära der Schadensabwicklung aus dem Erbe der HVB längst hinter sich gelassen hat und zu neuen Ufern strebt. Und nimmt man die anhand der realen Zahlen zunächst vorsichtige Planung des Managements, so könnte im Neugeschäft für 2006 auch manch positive Überraschung verborgen sein.

Kerstin Vitvar, Analystin der Hypo-Vereinsbank, erwartet jedenfalls, dass die HRE ihren Vorsteuergewinn auch 2006 signifikant um mindestens 20 Prozent steigert. Die Expertin rechnet mit einem Profit von 565 Mill. vor Steuern. Deshalb hat sie ihr Kursziel auf 57 Euro angehoben, und das Ranking „Outperform“ des Börsenlieblings 2005 bestätigt.

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