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19.04.2012

09:30 Uhr

Aktie unter der Lupe

Kabelbetreiber Ziggo auf Richtungsfindung

VonSaskia Jonker

Der niederländische Kabelbetreiber Ziggo legte im ersten Quartal den weltweit größten und erfolgreichsten Börsengang hin. Seitdem hat sich der Kurs wenig verändert. Wie geht es jetzt weiter? Es gibt verschiedene Stimmen.

Paukenschlag in Amsterdam: Der IPO von Ziggo war der größte im ersten Quartal weltweit. dpa

Paukenschlag in Amsterdam: Der IPO von Ziggo war der größte im ersten Quartal weltweit.

FrankfurtEs war ein erstes Quartal, in dem die Börsenkandidaten erst mal sehen wollten, wie der Hase läuft: Weltweit hat sich fast niemand an die Börse getraut. Nur 15 Milliarden Dollar haben Unternehmen weltweit eingenommen, heißt es in einer Studie von Ernst & Young. Schwächer war kein Quartal seit Anfang 2009.

Doch es gab einen Lichtblick: Der niederländische Kabelnetzbetreiber Ziggo war weltweit der größte Börsenneuling. 925 Millionen Euro nahm er ein. Auch auf anderen Gebieten war die Erstnotierung in Amsterdam ein Erfolg. Die Aktiennachfrage hat das Angebot zehnmal übertroffen. Der Kurs stieg am ersten Handelstag um 15 Prozent.

Was macht Ziggo so beliebt? Das beginnt mit dem Konkurrenzvergleich. Ziggo deckt 56 Prozent des niederländischen Kabelmarkts ab. Drei Millionen Haushalte benutzen Fernsehen und Internet von Ziggo. Das bedeutet jeden Monat stabile Eingänge von Abonnenten. Vergangenes Jahr betrug der Umsatz 1,48 Milliarden Euro, sieben Prozent mehr als im Jahr 2010. Der Kabelbetreiber kann so eine stabile Dividende ausschütten. Ziggo spricht von „einer fortschreitenden Dividendenpolitik“. Dieses Jahr will Ziggo 220 Millionen Euro auszahlen, 1,10 Euro pro Aktie.

Institutionelle Anleger wie Pensionsfonds finden die Aktie deswegen interessant. Der Vermögensverwalter des größten niederländischen Pensionsfonds ABP hält Anteile an Ziggo, genauso wie die Banken ING und Rabobank. Das bringt standsichere Kernaktionäre. Genau das war ein Wunsch des Vorstands, verringert dies doch die Gefahr durch aktivistische Fonds.

Die Mehrheit der Analysten ist kurz- und mittelfristig optimistisch. Beim Analysehaus Kepler heißt es, das Kabel von Ziggo sei schneller und beständiger als das der Konkurrenz. Aber es gibt auch verhaltenere Meinungen. Sie weisen auf die hohen Schulden hin. Die haben Beteiligungsgesellschaften Ziggo beim Kauf aufgeladen. Die Schulden sind mit 3,3 Milliarden Euro 3,8-mal größer als der operative Gewinn. „Speziell deren kurze Laufzeiten macht Ziggo nicht attraktiv“, findet Analyst Jos Versteeg von der Privatbank Theodoor Gilissen. „Der Großteil muss vor 2017 refinanziert werden.“

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Außerdem wird der Wettbewerb auf den Kabelmarkt größer. Telekomriese KPN baut gerade ein eigenes Glasfasernetz. Wenn es in fünf bis zehn Jahren fertig ist, dann wird KPN zu einem ernsthaften Konkurrenten, warnen Analysten.

Die optimistischen Analysten loben dagegen, Ziggo expandiere in andere Märkte wie in den Telefonbereich. Ein Analyst der britischen Bank Barclays nennt als Kursziel 30 Euro, weil Ziggo „mehr Breitband- und Telefondienste verkauft“. Noch glauben die Anleger daran. Die Aktie stand gestern mit 22,50 Euro immerhin 21 Prozent über dem Ausgabepreis.


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