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30.04.2013

14:47 Uhr

Aktien gegen Schulden

Solarworld-Aktionäre zahlen den Schuldenschnitt

Das einstige Aushängeschild der Solarbranche hat einen Plan für die Rettung vorgelegt. Solarworld hat sich mit den Gläubigern auf einen Schuldenschnitt geeinigt. Diese bekommen dafür den Großteil der Aktien.

Solarworld-Chef Frank Asbeck ist bald nicht mehr der "Sonnenkönig". Solarworld möchte Schulden gegen Aktien eintauschen. dpa

Solarworld-Chef Frank Asbeck ist bald nicht mehr der "Sonnenkönig". Solarworld möchte Schulden gegen Aktien eintauschen.

DüsseldorfDie Rettung von Solarworld ist in greifbarer Nähe gerückt. Doch sie wird die Altaktionäre den größten Teil ihres Anteilsbesitzes am einstigen Aushängeschild der deutschen Solarbranche kosten. Vorstandschef und Großaktionär Frank Asbeck einigte sich nach monatelangen Verhandlungen mit den wichtigsten Gläubigern über einen Weg aus der Krise, wie Solarworld am Dienstag mitteilte. Doch dieser würde am Ende dazu führen, dass die Altaktionäre sich mit fünf Prozent vom Grundkapital begnügen müssen. Asbeck wäre damit nicht mehr Herr im Hause. Der häufig als Sonnenkönig titulierte Firmengründer hält knapp 28 Prozent an Solarworld.

Die Solarworld-Aktie büßte weitere drei Prozent ein und kostete am Dienstag noch 68,7 Cent.

Die vorläufige Einigung sieht einen Schuldenschnitt vor, mit dem der Bonner Konzern seine langfristigen Verbindlichkeiten um etwa 60 Prozent reduzieren könnte. Dem Plan zufolge sollen die Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Ansprüche verzichten und dafür Solarworld-Aktien bekommen (Debt-to-Equity-Swap). Dazu soll eine außerordentliche Hauptversammlung einen Kapitalschnitt um 95 Prozent beschließen. Die anschließend neu ausgegebenen Aktien gehen dann an die Gläubiger.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Verhandeln konnte Solarworld aber nur mit 80 Prozent der Inhaber von Schuldscheinen. Schwieriger wird es sein, auch die Zeichner zweier Anleihen zu überzeugen. Denn diese Papiere sind breit gestreut. Solarworld plant daher zwei Gläubigerversammlungen. Die Anleihegläubiger sollen den übrigen unbesicherten Fremdkapitalgebern gleichgestellt werden.

Solarworld schreibt halbe Milliarde Verlust

Wegen des Preisverfalls bei Solaranlagen steckt Solarworld in den roten Zahlen fest. Der Schuldenberg hat sich inzwischen auf rund eine Milliarde Euro aufgetürmt. Externe Prüfer hatten Asbeck daher zum Jahresbeginn bescheinigt, dass Solarworld nur durch gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten zu retten sei.

Seit Montagabend stehen die Geschäftszahlen für das Jahr 2012 fest. Der Preisverfall führte zu einem Umsatzeinbruch und einem Verlust von 477 Millionen Euro. Schon ein Jahr zuvor hatte Solarworld 307 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Der operative Fehlbetrag vor Zinsen und Steuern verdoppelte sich auf 492,4 Millionen Euro. Der Umsatz brach wegen des massiven Preisrückgangs um 42 Prozent auf 606 Millionen Euro ein. Das Unternehmen "verbrannte" im vergangenen Jahr mehr als 300 Millionen Euro flüssige Finanzmittel - Ende 2012 waren noch 224 (Vorjahr: 553,3) Millionen Euro übrig.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Gruengegner

30.04.2013, 15:30 Uhr

Herr Asbeck darf gerne sein Privatvermögen verpfänden, meine Aktien bekommt er bestimmt nicht!

Account gelöscht!

30.04.2013, 17:44 Uhr

So macht man sich unverfroren und ungeschoren vom Acker. Asbecks 28% der Aktien sind für die Tränendrüsen, wenns ganz schief geht. Er war doch so gut und andere haben ihm übel mitgespielt, sodaß er auch noch seine Firmenanteile einbüßen mußte. Aber wahrscheinlich, in einem guten Augenblick, gibt er sie auch noch bestmöglich an den Markt.
Dummdreist und clever.
Wer andere in unserem Wirtschaftssystem am besten bescheißen kann, genießt die Anerkennung, auch wenns zur Pleite gereicht.

Smokie2013

30.04.2013, 17:45 Uhr

Man muss sicher kein studierter BWLer sein um zu erkennen, was für eine gigantische Kapitalvernichtungsmaschine Solarenergie ist. Ich habe kein Mitleid mit den Aktionären, die nun fast 100% ihres Kapitals verlieren werden. Verdienen wollten sie an den Strompreissteigerungen zu Lasten der Allgemeinheit. Gerade bei Strom, den ja jeder BRAUCHT. Das EEG zementiert die Zahlungsverpflichtung der Kunden noch per Gesetz. Gott sei Dank ist dieser Wahnsinn erstmal Geschichte.

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