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10.02.2016

10:53 Uhr

Aktien im Fokus

Anleger stürzen sich auf Bankaktien

Nach dem schrecklichen Wochenstart erholen sich Bankaktien am Mittwoch von ihren Verlusten. Die Deutsche Bank notiert 15 Prozent im Plus - das Institut prüft den Rückkauf eigener Anleihen.

Börsen-Auftakt

Über elf Prozent im Plus: Deutsche Bank mit Riesen-Kurssprung

Börsen-Auftakt: Über elf Prozent im Plus: Deutsche Bank mit Riesen-Kurssprung

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DüsseldorfAnleger greifen beherzt bei Bankaktien zu: Die Aktien der Deutschen Bank legten am Mittwochmorgen um fast 15 Prozent zu - das ist der stärkste Kursanstieg seit mehr als vier Jahren. Auch Commerzbank-Papiere stiegen kräftig: Die Papiere legten um fast neun Prozent zu. Der Eurostoxx-Bankenindex wuchs um vier Prozent und war damit stärkste Branche an Europas Börsen.

Zusätzlich angeheizt wurde der Kurs der Deutschen Bank wegen Spekulationen über einen angeblich geplanten Schuldenrückkauf. Zuvor hatte es Presseberichte gegeben, wonach die Deutsche Bank einen Rückkauf eigener Anleihen erwäge.

Gestern sah das noch anders aus: Trotz Cryans dramatischem Appell fiel die Aktie der Bank abermals – zeitweise um mehr als sieben Prozent auf ein Allzeittief von 13,03 Euro. Allein seit Jahresanfang haben die Aktien des größten deutschen Geldhauses 41 Prozent an Wert verloren. An der Börse ist die Bank nur noch 22 Milliarden Euro wert – Zahlen, die an die Finanzkrise erinnern. Auch andere europäische Institute gerieten massiv under Druck: Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste europäischer Institute an der Börse auf rund 25 Prozent.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Auch die italienische Großbank Unicredit erholte sich am Mittwochmorgen und legte um fast zehn Prozent zu. Der Grund: Die Bank veröffentlichte am Dienstag ihre Jahreszahlen und schnitt besser ab als von Investoren erwartet. Die italienische Großbank hat unter dem Strich 1,7 Milliarden Euro verdient. Das sind zwar 15,6 Prozent weniger als 2014, doch dafür fiel das vierte Quartal besser aus als erwartet: In den letzten Monaten des Jahres 2014 verdiente die Bank 153 Millionen Euro, Analysten rechneten nur mit 140 Millionen Euro.

Das verschafft dem Chef der Bank, Federico Ghizzoni, etwas Luft. Zuletzt war er massiv von großen Investoren kritisiert worden. Seit Monaten halten sich an der Börse Gerüchte, dass die Investoren unzufrieden mit Ghizzoni sind und die Bank eine weitere Kapitalspritze braucht. Auf die Frage, ob er über einen Rücktritt nachdenke, antwortete Ghizzoni am Dienstagabend: „Ich habe überhaupt keine Zeit darüber nachzudenken. Ich fokussiere mich darauf die Bank zu führen.“

Der steigende Aktienkurs am Mittwoch zeigt: Ghizzoni scheint das Vertrauen der Investoren zurückzuerlangen.

Nach Ansicht von Credit-Suisse-Vorstandschef Tidjane Thiam ist der Ausverkauf der europäischen Banktitel ohnehin nicht gerechtfertigt. „Das Bankensystem ist generell deutlich stärker als 2008, 2009.“ Die Institute seien kleiner, besser kapitalisiert und hätten weniger Risiken.

Auch seine eigene Bank sei in einer guten Position. „Was ich sagen kann ist, dass wir eine starke Bilanz haben“, sagte Thiam in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der „Financial Times“. Zudem sei Liquidität für die Bank derzeit kein Thema. Das Institut sei „stärker als je zuvor.“

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