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21.01.2011

10:58 Uhr

Aktien im Fokus

Anleger trennen sich von Autoaktien

Autoaktien stehen aktuell auf der Verkaufsliste der Anleger. Schon gestern waren die Verluste groß, heute erwischt es vor allem BMW und VW. Zykliker sind nicht mehr gefragt, Anleger schichten ihr Depot um und setzen auf andere Sektoren.

Martin Winterkorn, Vorstandschef von VW präsentiert den neuen Passat: Anleger verkaufen trotz bester Zahlen. dpa

Martin Winterkorn, Vorstandschef von VW präsentiert den neuen Passat: Anleger verkaufen trotz bester Zahlen.

HB FRANKFURT. Anleger meiden auch heute die bisher so erfolgsverwöhnten Autotitel. VW und BMW haben am Freitag ihre Talfahrt ungebremst fortgesetzt. Die Titel der beiden Autobauer führten mit Abschlägen von 2,4 und 0,8 Prozent die Verliererliste im Dax an. Dagegen drehten die Daimler-Aktien um 1,1 Prozent ins Plus.

VW und BMW waren mit jeweils einem Plus von rund 85 Prozent die zwei größten Dax-Gewinner 2010, leiden seit Jahresanfang aber unter Gewinnmitnahmen und der Umschichtung der Anleger in andere Sektoren, die bisher nicht so gut gelaufen sind. "Das ist ein klassischer Favoritenwechsel", sagte ein Händler.

Mit den Sorgen um eine Zinserhöhung in China oder womöglich schlechteren Geschäften der Hersteller habe das nichts zu tun. VW-Papiere haben seit Jahresanfang rund sieben Prozent an Wert verloren, die von BMW 7,4 Prozent. Dagegen legten die Aktien von Daimler, die 2010 mit einem Aufschlag von 36 Prozent hinterherfuhren, um 9,5 Prozent zu. Auch Porsche liegt seit Jahresanfang 12 Prozent im Plus. Besser halten sich auch die französischen Autohersteller seit Jahresanfang: Peugeot hat 11 Prozent gewonnen, Renault immerhin acht Prozent.

Dabei waren die letzten Analystenurteile eher positiv. JPMorgan hat die Vorzugsaktien von Volkswagen von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 83,00 auf 170,00 Euro angehoben. "Die Perspektiven für die Autobauer blieben angesichts des Wachstums in wichtigen Märkten wie China und den USA hervorragend". Zudem spreche alles für eine Erholung der europäischen Pkw-Nachfrage im Jahr 2012, die längst nicht in die Kurse eingepreist sei. Cheuvreux, BNP Parisbas und Independent Research sehen die VW-Aktie als Kauf, Citigroup empfiehlt "halten".

Bei BMW ist das Bild differenzierter. Berenberg und Barclays empfehlen einen Kauf, JP Morgan wertet mit "Neutral". BNP Parisbas und Kepler empfiehlt den Verkauf. "Nach seiner starken Kursentwicklung sei der Automobilbranche nicht länger attraktiv", schreibt Analyst Thierry Huon.

Auch im vergangenen Jahr haben Autowerte alle anderen Branchen im Dax abgehängt. Im Moment gerät der Motor etwas ins Stottern, Anleger beunruhigt auch, das im bisherigen Wachstumsmarkt Nummer eins - China - der Staat inzwischen indirekt in den Automarkt eingreift. Weil dort allein in der Hauptstadt Peking im vergangenen Jahr pro Tag über 2000 Autos neu zugelassen wurden und die Luftverschmutzung inzwischen dramatische Ausmaße erreicht hat, werden die Nummernschilder jetzt verlost. Nur wer eines bekommt, darf sein neues Auto auch zulassen. Seit einigen Wochen sind deshalb die Autohäuser fast leer. BMW, Daimler und Volkswagen waren deshalb schon gestern die größten Verlierer im Dax.

Generell scheint an den Börsen etwas der Schwung ausgegangen zu sein, mit dem sie in diesem Jahr gestartet waren. Die Marke von über 7000 Punkten im Dax spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Dort scheint sich Deutschlands Börsenbarometer im Moment wohlzufühlen. Ein kurzer Ausbruch am Dienstag über 7150 Punkte ist jedenfalls wieder zurechtgestutzt worden. Zu sehr ist die immer noch gute Stimmung mittlerweile durchsetzt mit Mahnungen zu etwas mehr Vorsicht.

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